1. Die Woch

Klöster der Region: Erhalten und umgebaut, aufgelöst und verfallen

Klöster der Region : Erhalten und umgebaut, aufgelöst und verfallen

Säkularisation und Reformation: Die Klöster der Region haben eine wechselvolle Geschichte – Die Woch gibt einen Überblick anhand von sechs Beispielen.

Die Anfänge der Benediktinerabtei Sankt Matthias in Trier reichen bis in das 5. Jahrhundert. Bischof Cyrillus ließ für die beiden Gründerbischöfe des Bistums Trier, Eucharius und Valerius, eine Grabstätte errichten. Daraus soll die Abtei Sankt Matthias hervorgegangen sein, die im Jahr 977 die Regeln des Benediktinerordens übernahm. Ihren Namen verdankt die Abtei einer Legende: Bei Bauarbeiten im Jahr 1127 wurden menschliche Gebeine gefunden. Dabei soll es sich um die Knochen des Apostels Matthias handeln, die zu Beginn des 4. Jahrhunderts von der römischen Kaiserin Helena auf einer Reise nach Palästina gefunden und nach Trier gebracht wurden.

Belegt ist der Besuch von Papst Eugen III. (Papst von 1145 – 1143), gemeinsam mit Bernhard von Clairvaux und mehreren Kardinälen, in Trier zur Einweihung der Abteikirche im Jahr 1148. Die Geschichte der Abtei bis zur Säkularisation ist wechselhaft – immer wieder geprägt von Streitigkeiten zwischen Abtei und Erzbischof. Im Jahr 1802 wird sie von dem Kaufmann Christoph Philipp Nell ersteigert, der die Gebäude zum Teil bewohnt und zum Teil landwirtschaftlich nutzt. Deshalb hat der Komplex das 19. Jahrhundert fast unzerstört überstanden.

1922 konnten die Benediktinermönche wieder in die Gebäude einziehen und (mit Ausnahme von 1941 bis 1945) ihre geistige Arbeit aufnehmen. Zu den Aufgaben der Mönche zählen etwa die Pfarr- und die Krankenhausseelsorge.

Die spätere Fürstabtei Prüm wurde im Jahr 721 von Bertrada der Älteren (um 660 – um 721) gestiftet. Sie war die Urgroßmutter Karls des Großen. Dessen Eltern, Pippin der Jüngere und Bertrada die Jüngere, machten die Abtei zum Hauskloster der Karolinger. So verbrachte Kaiser Lothar I. (um 795 – 855) seine letzten Lebenstage in Prüm, nachdem er das Reich unter seinen drei Söhnen Ludwig II., Karl von der Provence und Lothar II. aufgeteilt hatte.

Auch die Prümer Klosterkirche St. Salvator wurde von einem Papst eingeweiht. Leo III. (circa 750 – 816) erteilte der Kirche im Jahr 799 im Beisein des fränkischen Königs Karl dem Großen ihren Segen; am 25. Dezember 800 krönte Leo III. in Rom Karl den Großen zum Kaiser. Rund 80 Jahre später wurden beim sogenannten Normannensturm etwa 90 Prozent der Handschriften durch ein Feuer in der Bibliothek zerstört. Im Jahr 1222 erhob Kaiser Friedrich II. die Abtei zu einem Fürstentum.

Gegen den Willen der Prümer Mönche lässt sich der Trierer Erzbischof Jakob III. von Eltz nach dem Tod von Fürstabt Christoph von Manderscheid-Kayl im Jahr 1576 zu dessen Nachfolger einführen. Ab diesem Zeitpunkt ist das Kloster mit seinem großen Vermögen Teil des Kurfürstentums Trier. Im Jahr 1794 wird das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst. In den früheren Abteigebäuden befindet sich heute das Regino-Gymnasium.

Pippin der Jüngere schenkte im Jahr 768 seinen Besitzanteil an Taben (heute Landkreis Trier-Saarburg) der Benediktinerabtei Sankt Maximin in Trier. Erstmals erwähnt wird eine Kirche in Taben in einem Testament von 853. Wann die Trierer Mönche die Propstey Taben-Rodt ausbauen ließen, ist nicht klar. Ende des 15. Jahrhunderts wurde die sich bisher im Pfarrbesitz befindliche Kirche Sankt Quiriacus und Auctor durch Genehmigung des Papstes Innozenz VIII. in das Tabener Kloster inkorporiert.

In der Folge kam es zu verschiedenen Umbauten an der Kirche, die gemeinsam mit den angebauten Klostergebäuden im März 1945 infolge einer Brandstiftung in weiten Teilen bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Im ehemaligen Kloster betreibt der Pallottinerorden ein Internat sowie eine Grund- und Hauptschule und eine Jugendhilfeeinrichtung.

Gegründet wurde das Kloster Springiersbach nahe Bengel (Landkreis Bernkastel-Wittlich) im Jahr 1102 vom Trierer Erzbischof Bruno von Lauffen (um 1045 – 1124). Es steht auf der Fläche eines Hofes, den Benigna von Daun dem Erzbischof vermacht hat. Für die Ordensgemeinschaft galten anfangs die Augustinerregeln: schweigen, fasten, arbeiten und beten. Da nur Adlige in die Gemeinschaft aufgenommen wurden, die ihren gesamten Besitz dem Kloster übertrugen, kam das Kloster schnell zu Vermögen. Schon im Jahr 1140 gehörten Weinberge in Briedel zum Klostervermögen.

Zwischen 1769 und 1772 baute der Straßburger Architekt Paul Stehling die barocke Kirche. Die Deckengemälde sind von Franz Freund aus Bernkastel. Bereits im Jahr 1789 wurde das Augustinerkloster in ein Ritterstift umgewandelt. Im Zuge der Säkularisation nach 1802 wurde die Klosterkirche zur Bengeler Pfarrkirche geweiht. Aktuell nutzen den Konvent die Karmeliten aus Bamberg.

Das Kloster Himmerod bei Großlittgen (Landkreis Bernkastel-Wittlich) ist eine Gründung von Bernhard von Clairvaux (um 1090 – 1153). Den Standort des Klosters legte der Mitgründer des Zisterzienserordens im Jahr 1135 Salmtal fest. Er schickte den Mönch Archard als Baumeister nach Himmerod. Geweiht wurde die romanische Klosterkirche im Jahr 1178 von Erzbischof Arnold von Trier.

Die inzwischen barocke Abteikirche wurde unter Abt Leopold Kamp und mithilfe des Architekten Christian Kretzschmar nach zwölfjähriger Bauzeit im Jahr 1751 fertiggestellt. Nach der Säkularisation unter Napoleon Bonaparte wechselte die Anlage wiederholt den Besitz. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie von Reichsgraf Ottokar von Kesselstatt an deutsche Trappisten aus Mariastern in Bosnien verkauft.

Seit dem Jahr 2011 kämpfte das Kloster finanziell ums Überleben. Nach Verlusten in sechsstelliger Höhe wurden Mitarbeiter entlassen und die Fischerei geschlossen. Die Versteigerung wertvoller Schriften aus dem Kloster wurde im Jahr 2015 verhindert, weil das rheinland-pfälzische Landesbibliothekszentrum einen Teil der Bücher aus der Bibliothek ankaufte. Im Oktober 2017 wurde beschlossen, dass Kloster aufzulösen. Damit fällt die Klosteranlage an die Diözese Trier. Zuletzt entstand bei einem Brand in einem Lagerraum im April ein Schaden in Höhe von mindestens 100 000 Euro.

Auf eine nur kurze Geschichte blickt das Kloster Wolf (Stadt Traben-Trarbach, Landkreis Bernkastel-Wittlich) zurück. Von 1478 bis zum Jahr 1560 war es die Niederlassung der Brüder vom gemeinsamen Leben (Fraterherren) auf dem Göckelsberg im Traben-Trarbacher Stadtteil Wolf. Zelle des Klosters ist eine der ältesten Pfarr- und Marienkirchen an der Mosel, deren Pfarrei alle Einkünfte und Stiftungen auf das Kloster übertrug. Als sich die Hintere Grafschaft Sponheim zur protestantischen Reformation bekennt, wird das Kloster aufgelöst. Aus seinem Vermögen werden Schulen und protestantische Kirchen finanziert.

Die Fraterherren wurden nach ihrer Kopfbedeckung Gugel auch Kugelherren genannt. Sie unterhielten in Trier noch bis zum Jahr 1569 eine Lateinschule. Auch unterhielt der Orden zahlreiche Buchdruckereien, auch wenn sich das für Wolf nicht nachweisen lässt.

Das Kloster Springiersbach, heute genutzt vom Orden der Karmeliten. Foto: Nora John (noj)
Im Zuge der Reformation aufgelöst: das Wolfer Kloster. Foto: Winfried Simon
Die Abtei Himmerod soll auch nach der Auflösung des Klosters als spirituelles Zentrum erhalten bleiben. Foto: Klaus Kimmlingh

Auf dem Keller einer von ihnen erbauten Kapelle im Ortsteil Wolf wurde im Jahr 1685 die evangelische Pfarrkirche errichtet. Vom Kloster selbst ist nur noch wenig erhalten. Als Ruine sind der romanische Westturm der Liebfraukirche sowie Teile des Langhauses und des Chores erhalten. Neuere Untersuchungen deuten auf einen römischen Vorgängerbau hin.