1. Die Woch

Motor: Gewollt, gekonnt: Von allem etwas

Motor : Gewollt, gekonnt: Von allem etwas

Diesmal im „Woch“-Fahrbericht: Der Kia ProCeed GT ist eine gelungene Kombination aus Coupé und Kombi.

Haben Sie keine Lust mehr auf langweilige Kombis? Sind Sie eigentlich viel lieber eher ein schneidiger Fahrer eines schnittigen Coupés, brauchen aber dennoch jede Menge Platz? Nun, für genau solche Leute hat Kia seinen ProCeed jetzt richtig umgekrempelt und ihm eine ganz eigene Optik und einen unverwechselbaren Charakter verliehen: Der neue kompakte Koreaner ist in dieser Form ein Angebot, das ganz selten auf dem Markt ist. Shooting brake nennt man so etwas im verschwurbelten Auto-Marketing-Sprech.

Wir drücken es mal ganz einfach aus: Dieses Fahrzeug ist keines, das man sich kauft, weil man es unbedingt braucht, sondern, weil man es will: Seine Alltags-Vorzüge sind aber dennoch nicht zu verachten. Verstand und Emotion, oder Nutzen und Optik treffen hier in gelungener Weise aufeinander. Der 4,60 Meter lange und 1,42 Meter flache Fünftürer gefällt durch seine Prise sportlichen Auftritts, weiß aber auch trotz abfallender Dachlinie durch Zweckmäßigkeit zu gefallen.

Zur Erscheinung: Im Vergleich mit dem bekannten Kombi-Modell des Kia Ceed ist der neue ProCeed GT zwar nur um fünf Millimeter länger, was er aber durch seine 43 Millimeter, die er in der Höhe verliert, wettmacht. Das nimmt ihm vieles von der Einkaufs- und Einpack-Attitüde und verleiht ihm ein gehöriges Stück Charme im Auftritt. Als Kia seinerzeit den hiesigen Markt betrat, hätte man alles andere als ein solches Fahrzeug jemals erwartet. Ein wenig erinnert er mit seiner Schokoladen-Seite, dem Heck, fast an den Sportwagen Stinger. (Der „Stachel“ auf Deutsch)

Aber der ProCeed GT kann auch anders, nämlich ganz praxisbezogen. Das Ganze belegt durch ein paar Zahlen: Zur Verfügung stehen mindestens 594 Liter Stauraum, die allerdings im Bedarfsfall bis auf fast das Dreifache, nämlich 1545 Liter, vergrößert werden können. Setzt man nun voraus, dass das Fahrzeug ja eigentlich als GT also als „Gran Turismo“-Spaßauto durchgehen soll, dann sind das mehr als beachtliche Werte. Die können zudem durch vereinfachtes Umlegen der Rücklehnen in Windeseile erreicht werden.

Gut gelöst ist die Formgebung: Da die Dachlinie bis zur C-Säule flach bleibt und erst danach etwas abfällt, wird die Kopffreiheit der hinteren Passagiere nicht beeinträchtigt. Für den Fahrer bleibt ein modernes, aber nicht mit zu vielen Bedien­einheiten überladenes Cockpit mit einem aufgeräumt wirkenden Display als Arbeitsstätte übrig. So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Die Sportsitze mit den roten Ziernähten wiesen viele Seitenhalt und genügend Beinfläche auf. Die Haptik der verwendeten ­Materialien dokumentiert ebenfalls den gewaltigen Qualitätssprung, den die Marke in der jüngsten Vergangenheit gemacht hat.

Beim Fahrverhalten hätten wir uns von dem 204 PS starken Turbo-Benziner mitunter etwas mehr Spritzigkeit gewünscht. Zwar „zieht“ der ProCeed kräftig über das Drehzahlband heraus, doch der berühmte „Kick“ nach oben bleibt im Zusammenspiel mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe aus. Bleibt der Druck auf die „Sport-Taste“, die dann auch für ein etwas anderes Klangverhalten sorgt.

Halb Coupé, halb Kombi: Der Kia ProCeed GT. Foto: Jürgen C. Braun
Im Interieur modern, nüchtern und nicht überladen mit Instrumenten. Foto: Jürgen C. Braun

Die Preisliste beginnt bei 33 690 Euro – ein sehr akzeptables Angebot für ein Fahrzeug, das Emotion und Verstand auf gekonnte Weise verbindet. Geht man davon aus, dass dieses Fahrzeug mit den serienmäßigen 18-Zöllern ja immer noch ein Alltagsauto ist, dann ist die Zahl derer, die sich nach ihm umdrehen und die auffallend hohe Nachfrage-Frequenz von Bekannten und Freunden doch ein Indiz dafür, dass Kia hier den Schulterschluss zwischen schön und praktisch sehr gut vollzogen hat.