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Die Gemeindeglocke läutet den Theaterabend ein

 Bereit für die „Modenschau im Schweinestall“: das Ensemble der Theatergruppe Breit.
Bereit für die „Modenschau im Schweinestall“: das Ensemble der Theatergruppe Breit. FOTO: Christoph Strouvelle
Breit. Auf dem Dorf nichts los? Wer das sagt, der war noch nicht in dem rund 270 Einwohner zählenden Ort Breit in der Verbandsgemeinde Thalfang. Denn alle zwei bis drei Jahre zieht die Theatergruppe Breit bei fünf Aufführungen eines Lustspiels bis zu insgesamt 700 Besucher in das Breiter Gemeindehaus.

20 Personen umfasst das Ensemble, von den Schauspielern über Kulissenbauer bis hin zu den Souffleusen.

„Die Leute finden es toll“, sagt Annette Dixius-Klassen, die bereits bei der ersten Vorstellung 1992 mit dabei war, genauso wie ihre Mitspielerinnen Helga Klein und Petra Paulus. Damals war die Inszenierung als einmaliges Ereignis vorgesehen. lediglich zwei Vorstellungen waren geplant, erinnern sich die drei. Doch schnell kamen wegen der großen Resonanz der Zuschauer zahlreiche neue Stücke und jeweils eine dritte Aufführung hinzu, bis es sich auf die heutige Anzahl von fünf Vorstellungen eingependelt hat. Eine davon ist für Sonntagnachmittag angesetzt, damit auch Kinder und Senioren das Stück sehen können.

Warum sind die Aufführungen so gut besucht? „Ein Teil unseres Erfolgs ist unsere Authentizität“, sagt Peter Schu, einer der Schauspieler. Die Kostüme sind an die jeweilige Epoche des Stücks angepasst, die Bühne ist mit viel Mühe und Liebe zum Detail gestaltet. „Zudem spielen wir in Breiter Platt“, sagt Paulus. So werden auch Begriffe genutzt, die man in anderen Regionen Deutschlands nicht unbedingt kennt, wie „Prodicklich“, für eine besserwisserische Frau.

Eine ganz wichtige Rolle spielt die ehemalige Gemeindeglocke. Mit ihr wird jeder Akt eingeläutet. Dafür ist Hermann Barten zuständig. Denn das richtige Läuten ist eine Kunst, sagt Barten, der es als Zwölfjähriger gelernt hat. „Die Gemeindeschelle muss richtig bewegt werden, sonst klingt sie nicht“, sagt er.

Vor 27 Jahren sollte das damals zuerst aufgeführte Stück „Alois, wo warst du heute Nacht?“ lediglich von Frauen gespielt werden. „Aber wir haben dann doch Männer hinzugenommen“, sagen Paulus, Klein und Dixius-Klassen. Die Palette der Handlungsorte ist lang. „Wir hatten schon Kur, Wallfahrt, eine Schreinerei“, zählt Dixius-Klassen auf. Inzwischen übt die Truppe das zwölfte Stück ein.

In diesem Jahr steht der Schwank „Modenschau im Ochsenstall“ auf dem Spielplan. Ein typisch ländliches Schauspiel mit einem Zuchtbullen, einem Landwirt und reichlich Verwicklungen. Das Schauspiel müsse zum Dorf passen, sagt Klein. „Es könnte sich theoretisch so abgespielt haben“, sagt sie. Das Stück muss aber auch zu den Charakteren der Darsteller passen. „Es ist manchmal schwierig, weil so viele mitspielen wollen“, sagt Paulus.

Mit den Proben geht es traditionell am ersten Sonntag nach Allerheiligen los. Dann wird bis zur ersten Aufführung jeden Sonntag um 19 Uhr geprobt. Warum gerade sonntags? Einige Akteure arbeiten Schicht, sagt Paulus. „Zudem sind sonntags die Männer da, um auf die Kinder aufzupassen, damit wir Frauen Theater spielen können“, sagt Pauline Müller, die gemeinsam mit Elke Kolz als Souffleuse einen wichtigen Part bei den Aufführungen hat. In der Woche vor der ersten Aufführung sind dann täglich Proben angesagt.

Was zieht die Akteure zum Theater? „Einmal dabei, immer dabei. Es macht einfach Spaß“, sagt Hermann Barten, der ebenfalls schon bei der ersten Aufführung mitgespielt hat. Petra Paulus war in ihren Rollen bereits zweimal verheiratet. Diesmal ist sie verlobt – seit 23 Jahren schon. „Mir macht es Spaß, Texte auswendig zu lernen und mich in andere Rollen zu versetzen“, sagt sie.

Natürlich geht bei den Aufführungen trotz aller Proben nicht immer alles glatt. So hat Barten einmal eine brennende Zigarre in der Tasche seines Hemdes verschwinden lassen. „Die hat sich festgebrannt“, erinnert er sich – heute kann er darüber lachen. Eine Motorsäge, die sich während der Vorstellung nicht mehr ausschalten lässt, ein unzureichend unterbautes Sofa, drei Geschwister, die sich sowohl am Anfang des zweiten als auch des dritten Aktes unterhalten – das führt dann schon mal dazu, dass die Schauspieler im falschen Akt weiterspielen. „Wir haben aber wieder zurückgefunden“, sagt Dixius-Klassen.

 Hermann Barten läutet jeden Akt mit der Glocke ein.
Hermann Barten läutet jeden Akt mit der Glocke ein. FOTO: Christoph Strouvelle
 „Saitefläsch mat Kappesmengsel“ gab es 2017.
„Saitefläsch mat Kappesmengsel“ gab es 2017. FOTO: Petra Paulus
 Szene aus dem Stück „Männerwallfahrt“ von 2011.
Szene aus dem Stück „Männerwallfahrt“ von 2011. FOTO: Petra Paulus
 Sie sind seit 1992 dabei: Petra Paulus, Helga Klein, Annette Dixius-Klassen und Hermann Barten.
Sie sind seit 1992 dabei: Petra Paulus, Helga Klein, Annette Dixius-Klassen und Hermann Barten. FOTO: Christoph Strouvelle
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Logo Unsere Vereine FOTO: TV / Schramm, Johannes