1. Die Woch

Geschichte: Im Land der Treverer

Geschichte : Im Land der Treverer

Trier eine Römerstadt? Ja, aber ... – Auch Kelten hatten ihren Anteil an der Geschichte der Region.

Wer an die Geschichte der Stadt Trier denkt, dem fallen als erstes möglicherweise die Römer ein. Kein Wunder: Von der Porta Nigra über Amphitheater und Kaiserthermen bis zur Konstantin-Basilika sind die römischen Baudenkmäler bis heute prägend im Stadtbild. Und die Gründung der Stadt geht zurück auf etwa das Jahr 17 v. Chr., als Kaiser Augustus eine erste Holzbrücke über die Mosel schlagen ließ und die gallischen Provinzen neu ordnete. Denn wie jeder Lateinschüler weiß: „Gallia est omnis divisa in partes tres“ – Gallien ist insgesamt in drei Teile geteilt. Unter Augustus wurden diese Teile zu den Provinzen Gallia Aquitania, Gallia Lugdunensis und Gallia Belgica – zu letzterem Gebiet gehörte auch Trier.

Bekannt wurde die neue Stadt später zu Ehren des Kaisers als „Augusta Treverorum“, als die Stadt des Augustus im Land der Treverer. Denn natürlich waren die Römer nicht die ersten, die an der Mosel siedelten. Die ältesten archäologischen Funde reichen zurück bis in die linearbandkeramische Kultur der Jungsteinzeit vor 7000 Jahren. Zur Zeit der Gründung der Stadt Trier lebten in der Region die Treverer, ein keltischer Volksstamm. Dessen Siedlungen, von den Römern als Oppida bezeichnet, befanden sich vorwiegend in Höhenlagen, zum Beispiel auf dem Titelberg bei Petingen in Luxemburg, auf dem Martberg bei Pommern an der Untermosel, am Dollberg bei Otzenhausen im Saarland, auf Kasselt bei Wallendorf an der Sauer und auf dem Bergsporn bei Kastel-Staadt an der Saar.

Das Verhältnis von Treverern und Römern war ein wechselhaftes und nicht frei von Konflikten. Hatten die Treverer, die als ausgezeichnete Reiter galten, im Gallischen Krieg (58–50 v. Chr.) zunächst noch Caesars Truppen mit einer Reiterstaffel unterstützt, brachen bald darauf interne Machtkämpfe aus: Der Stammesfürst Indutiomarus stellte sich gegen Rom, sein Schwiegersohn Cingetorix zeigte sich romfreundlich. Indutiomarus probte den Aufstand gegen die Römer, dieser wurde niedergeschlagen, Indutiomarus getötet. Cingetorix übernahm die Führung, die Treverer unterwarfen sich den Römern.

Mit der Gründung von Augusta Treverorum wurde die Stadt im Moseltal Hauptort der Treverer, frühere Oppida wurden – wie auf dem Titelberg – aufgegeben. Die Zeiten aber blieben unruhig: Die Treverer nahmen 69 n. Chr. nach dem Tod Neros am Bataveraufstand teil, der schließlich von Quintus Petilius Cerialis niedergeschlagen wurde. Die Treverer ergaben sich erneut, ihre Reitereinheit wurde aufgelöst, Augusta Treverorum aber blieb verschont.

Was sich nach vernichtender Niederlage anhört, war in Wirklichkeit der Beginn einer langen Friedensperiode und wirtschaftlichen Blütezeit. In Trier entstanden das Amphitheater, die Barbarathermen und die Porta Nigra. Die Treverer wurden immer stärker romanisiert, treverische Geschäftsleute und Großrundbesitzer gehörten zu einer neuen Elite. Vieles, was heute oft als „römisch“ bezeichnet wird, müsste genauer „gallo-römisch“ heißen, Kulturen und Religionen vermischten sich – und manche „Römervilla“ wurde von einem zu Wohlstand gekommenen Treverer bewohnt.

Welche Spuren die Kelten in der Region hinterlassen haben, lesen Sie auf Seite 2.