1. Die Woch

Unsere Vereine: Jung und Alt sind mit Eifer und Spaß dabei

Unsere Vereine : Jung und Alt sind mit Eifer und Spaß dabei

Der Kultur- und Verschönerungsverein Boverath bemüht sich um den Erhalt vieler Dorfbräuche - Corona macht dem Backfest an Pfingsten einen Strich durch die Rechnung.

Der Kultur- und Verschönerungsverein Boverath (KuVV) macht seinem seltenen Vereinsnamen alle Ehre. Denn in dem Dauner Stadtteil ist immer was los, zu jeder Jahreszeit herrscht „Action für Jung und Alt“. 1985 wurde der Verein vom damaligen Ortsvorsteher Josef Oster (†) gegründet, damit sich das Backfest zu Pfingsten strukturierter planen und ausrichten ließ. Zum Vorsitzenden wurde später in einer Mitgliederversammlung Erwin Mayer (†) gewählt.

Der heutige Vorstand opfert viel Freizeit, denn es gilt, liebgewonnene Kultur zu bewahren, Neues zu schaffen im Ort für verschiedene Generationen, und die Angebote des KuVV werden stets mit großer Beteiligung angenommen.

Die amtierende Vereinsführung mit Manfred Sartoris als Vorsitzendem, seiner Stellvertreterin Claudia Lange, der Kassiererin Claudia Schulz, dem Schriftführer und Ortsvorsteher Dieter Oster und den Beisitzern Werner Kolbe, Fritz Lange und Michael Brauns (Webmaster des KuVV) lässt keine Möglichkeit aus, um sehr gut für den Verein zu sorgen. 135 Mitglieder zählt er heute. Der Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich 5 Euro – überschaubare Kosten für reges Vereinsleben, das man aktiv mitgestalten kann.

Es „herrscht Kultur“ in Boverath. Der Verein bemüht sich um den Erhalt vieler Dorfbräuche und -Sitten, denn in Boverath klappern die Kinder in der Karwoche, Frauen und Männer stellen gemeinsam den Maibaum auf, es wird zu einem „Dreck-weg-Tag“ aufgerufen zur Einleitung des Pfingst-Backfests und der Kirmes. Das Backfest zu Pfingsten ist mit einem abwechslungsreichen Programm zusammen mit der Kirmes alljährlich der Höhepunkt im Dorfgeschehen. Dann strömen zahlreiche Festgäste aus nah und fern an den Fachwerk-Backes mit Biergartenatmosphäre, der gehütet und gepflegt wird. Und diese Veranstaltung am Pfingstsamstag und Pfingstsonntag mit Fest- und Begrüßungsansprachen des Bürgermeisters und des Vorsitzenden „Manni“ Sartoris trägt zum gelungenen Dorfleben in guter Gemeinschaft bei. Auch Musikbeiträge und ein Gottesdienst gehören dazu. Kulinarisch sind auf der Festtafel neben „Ur-Steinofenbrot“ – es wird gern auf Vorrat gekauft und als typisches Eifelbrot mit ins entfernte Zuhause genommen – allerlei Sorten Streuselkuchen zu finden, Spießbraten und speckhaltige Schlawenzel­eier, Gulaschsuppe, echte Hausmacher Wurst sowie Kaffee und andere Getränke an den  Bier- und Imbissständen.

Das Steinofenbrot und der Blech-Hefekuchen werden wegen der große Verzehr- und Kauflust schon Tage vorher gebacken, wobei die Bäcker gehörig ins Schwitzen geraten. Auch bei Regen ist die Stimmung nicht getrübt. An Pfingsten 2020 fällt das Backfest wegen der Corona-Krise aus, und nicht nur die Veranstalter bedauern das sehr.

Dann ist da noch die Ferien-Freizeitwoche für Boverather Kinder mit Kräutersammeln, Spiel und Spaß im Wald, Grillen, Klettergarten und Wasserschlacht. Der Abschluss der Woche wird mit den Eltern gefeiert. Diese Veranstaltungen organisieren Claudia Schulz, Britta und Marc Carstensen sowie Nicole Meyer.

Teil des Vereins ist die Künstlergruppe Magma. Die Mitglieder malen in verschiedenen Techniken vielerlei bekannte Motive und laden auch zu einer Vernissage ein. Zur Apfelernte mit einem 13-Zentner-Fruchtergebnis, das für 400 Liter Apfelsaft sorgt, wird ebenfalls eingeladen.

Auch das Abbrennen des Martinsfeuers gehört zu den Bräuchen. Eine Woche zuvor sammeln Jung und Alt Holz und Reisig für ein stattliches Feuer. Beim Martins­umzug sind der Musikverein Daun und die Feuerwehr dabei, bevor es im Bürgerhaus eine Stärkung und eine große Tombola gibt. Am Jahresende wird die Glüh­wein­wanderung vorbereitet.

Jedes Jahr bringt viele Termine für den KuVV mit. Es steht die Kranzniederlegung am Ehrendenkmal an, die Weihnachtskrippe in der Hermann-Josef-Kapelle wird von einer Männergruppe gestellt und findet bei einer Weihnachtsandacht viel Bewunderung. Ein Adventsmarkt mit Handarbeiten und Basteleien darf auch nicht fehlen und erhält großen Zuspruch. „Wir arbeiten eng mit dem Ortsbeirat zusammen“, sagt der Vorsitzende Manfred Sartoris, und er blickt zurück: „Im Jahre 1974 wurde die Kapelle renoviert. Zur Mitfinanzierung zogen Männer durch Boverath und sagten an jeder Haustür den Hahnenspruch auf, um Bargeld oder Eier zu erhalten, die am Dorfplatz gebraten und verkauft wurden – die Geburtsstunde der Backfest-Schlawenzeleier.“

An Pfingsten 1979 wurde das erste offizielle Backfest in Boverath mit der Kirmes gefeiert. Nachdem die beiden Backöfen auf Vordermann gebracht waren, lebte die alte Tradition wieder auf, die weit über Dauns Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde.

Der Zusammenhalt im Dorf ist wichtig, und so gibt es den beliebten „Dorftreff“, der jeweils am ersten Dienstag im Monat stattfindet. Hier treffen sich überwiegend Senioren, die Wanderungen unternehmen, basteln, spielen, zum Heringsessen und zum Fastnachts­kaffee­kränzchen erscheinen.

Außerdem fördert der Verein die Tradition der „Hillisch“, des Polterabends: Zur Hochzeit männlicher oder weiblicher Mitbewohner wird dann ein altes Wagenrad aufgebockt, mit Ketten angetrieben und eine Sense mit lautem Gekreische geschärft, begleitet von überlieferten und geübten „Hillisch­liedern“ aus alter Zeit.

Drei Fragen an den Vorsitzenden Manfred Sartoris, Polizeihauptkommissar bei der Polizeiinspektion Daun, als Bezirksbeamter für den Bereich der ehemaligen Verbandsgemeinde Hillesheim zuständig:

Haben Sie bei diesem vielseitigen Vereinsprogramm noch Zeit für andere Hobbys, oder ist der Verein zu Ihrem Hobby geworden ?

Manfred Sartoris: Fürs Radfahren und Musikhören bleibt mir am Rande noch Zeit, weil ich neben meinem Beruf und dem Vorsitz in Boverath weiterhin ehrenamtlich als stellvertretender Vorsitzender im Verein „Bürger für Bürger“ in der Verbandsgemeinde Daun, Ausschussmitglied der Stadt Daun und Mitglied des Ortsbeirates Boverath bin.

Gelingt es Ihnen auch, Jugendliche und den Nachwuchs für den Verein zu gewinnen, und können Sie die Mädchen und Jungen für Arbeiten einsetzen?

Sartoris: Um den Nachwuchs brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Ein großer Teil unserer Angebote ist auf Jugendliche und Heranwachsende abgezielt. Was die Neuerungen angeht, haben wir der Jugend angeboten, deren Ideen und Vorschläge anzunehmen und – sofern diese satzungskonform sind – finanziell und logistisch zu unterstützen.

Wie sieht die Zukunft aus? Wollen Sie interessante Aktionen in den Verein einbringen, und woran haben Sie dabei gedacht?

Sartoris: Für die nahe Zukunft beabsichtigt unser Verein, den dorfnahen Bolzplatz wieder herzurichten. Außerdem wollen wir ein kleines Stück Land außerhalb des Dorfes kaufen, damit der Stellplatz des St.-Josef-Martinsfeuers dauerhaft gesichert ist. Ein weiteres großes Projekt läuft bereits: Matthias Brauns hat bereits umfangreiche Recherchen angestellt, Unterlagen beschafft und Archive durchfostet, um eine Dorfchronik zu erstellen. Die Zusammenstellung und der Druck der Chronik wird für uns auch eine Herausforderung in finanzieller Hinsicht bedeuten. Wir sind jetzt schon gespannt auf das Ergebnis.

Das Backfest an Pfingsten zählt zu den Höhepunkten im Dorfgeschehen. Das Steinofenbrot wird bereits donnerstags vor Pfingsten im alten Backhaus gebacken, um dem großen Andrang gerecht zu werden. Dieses Jahr fällt es der Corona-Pandemie zum Opfer. Foto: Verein
Beim Dreck-weg-Tag ziehen die Mitglieder des Vereins alle an einem Strang. Foto: Verein
Die Kinder klappern traditionell in der Karwoche. Dieses Jahr haben sie vom Balkon aus geklappert. Foto: Verein
Geraten beim Backfest mächtig ins Schwitzen: Dieter Oster (links) und Rudolf Göden.  Foto: Verein

Kontakt: sartoris@kuvv-boverath.de