Unsere Vereine: 115 Jahre und kein bisschen leise

Unsere Vereine : 115 Jahre und kein bisschen leise

Der Musikverein Harmonie Konz-Könen 1904 feiert am 21. und 22. September in der Mehrzweckhalle am Sportplatz ein besonderes Jubiläum. Dirigent Paul Claes übergibt den Taktstock an Sohn Robin. 

Der Musikverein 1904 Könen hat vieles überstanden, darunter zwei Weltkriege. Die Harmonie ist geblieben. Am 21. und 22. September wird wieder Geburtstag gefeiert. In der Mehrzweckhalle am Sportplatz stellt sich der Verein in altem Glanz und neuen Klängen vor.

Aus der Chronik:

1904 bis 1918 – Die Anfänge

Die Musik war bei den alten Griechen die umfassende Bezeichnung für alle schönen Künste. Sie ist gleichsam die Mutter dieser Künste. Ab dem frühen Mittelalter engte sich dieser Begriff auf den Bereich der Tonkunst ein.

Um die Jahrhundertwende begann die Blütezeit der volkstümlichen Vereine in der näheren und weiteren Umgebung. So haben sich im Jahre 1904 auch in Könen die beiden kleinen Musikgruppen Nikolaus Weis (gegründet 1902) und Peter Hein (gegründet 1900) zum Musikverein „Harmonie“ Könen 1904 zusammengeschlossen, um fortan gemeinsam alle weltlichen und kirchlichen Veranstaltungen mit ihrer Volksmusik zu bereichern. Als erster Dirigent leitete Nikolaus Weis aus Tawern die Blaskapelle bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Von 1914 bis 1918 ruhte das Vereinsleben.

1918 bis 1939 – Die Blütezeit der Musikcorps

Nach dem Kriegsende wurde der Verein neu ins Leben gerufen. Die Dirigententätigkeit übernahm wieder Peter Hein. Es kam die Weimarer Zeit und das „Tausendjährige Reich“. Das war die Blütezeit für alle Musikkorps. Auch der Könener Verein wurde immer wieder, gewollt oder ungewollt, zu allen feierlichen Anlässen und Aufmärschen herangezogen. Der Verein nahm zu an aktiven und inaktiven Mitgliedern.

1945 bis 1949 –  Der Neuanfang

Es folgte der unselige Zweite Weltkrieg. Die Männer wurden zu den Fahnen gerufen und jegliches Vereinsleben ruhte erneut. Nach dem Ende des Krieges mit seinen verheerenden Auswirkungen auf Land und Leute sah es sehr einsam um den Musikverein aus. 1945 musste der altbewährte Dirigent Peter Hein bei einem Bombenangriff sein Leben lassen. Zehn Musiker waren nur noch aus dem unheilvollen Krieg heimgekehrt. Alle vereinseigenen Musikinstrumente gingen in den Wirren des Krieges verloren, so dass man mittellos dastand. Mit großartiger Unterstützung des damaligen Pastors Nikolaus Calmes, der 1977 als Ehrenmitglied verstarb, spielte die Kapelle ab 1946 mit geliehenen Musikinstrumenten und Noten bei der Fronleichnamsprozession und begleitete die Erstkommunionkinder mit Musik zur Notkirche, die im langjährigen Vereinslokal Kugel eingerichtet war. Die Pfarrkirche war durch einen Bombentreffer beschädigt.

Die Leitung der Musikkapelle übernahm der ehemalige Militärmusiker Josef Hein, Sohn des vorherigen Dirigenten.

Als Dank der aus dem Kriege heimgekehrten zehn Musiker beschlossen diese alljährlich in den frühen Morgenstunden am 1. Mai eine Wallfahrt zur Marienkapelle auf dem Löschemer Berg, oberhalb von Wasserliesch gelegen, durchzuführen. Diese nunmehr schon zur Tradition gewordene Wallfahrt wird auch heute noch gerne von den aktiven Musikern wahrgenommen. Viele Könener schließen sich dieser Wallfahrt an.

1949 erfolgte der erste weltliche Auftritt und zwar gemeinsam mit dem Gesangverein „Lyra“ Könen bei einem Weihnachtskonzert zugunsten des Wiederaufbaus der Könener Pfarrkirche.

50er und 60erJahre – Die Wiedergründung des Vereins

So kam es erst im August 1950 zur Wiedergründung des Musikvereins. 15 aktive und 19 inaktive Mitglieder hatten sich zu diesem Zweck in der Gastwirtschaft Kugel eingefunden.

Zum Vorsitzenden wählte die Versammlung Franz Heiser, der 1978 im Alter von 89 Jahren verstarb. Für seine Verdienste beim Wiederaufbau des Vereins erhielt er die Ernennung zum Ehrenpräsidenten. Als Dirigent bestätigte man Josef Hein.

Viele Jugendliche interessierten sich für den Verein und wollten ein Musikinstrument erlernen. Die Ausbildung übernahm Josef Hein. Durch die gezielte Förderung der Jugendarbeit stellte sich bald der Erfolg ein und 1955 konnte erstmals eine Jugendkapelle beim Feuerwehrfest in Kanzem auftreten. Bei den folgenden Kreisjugendmusiktagen stellten die jeweils neu aufgebauten Jugendkapellen ihr Können immer wieder unter Beweis. Seit 1984 werden die Jugendmusiktage der Gruppe Saar-Obermosel im Kreismusikverband Trier-Saarburg regelmäßig besucht.

Die Stiftungsfeste, seit 1954 im fünf-jährigen Turnus, waren jeweils stolze Meilensteine in der Vereinsgeschichte. Insbesondere nach diesen Festen waren die Jugendlichen immer wieder so von der Musik begeistert, dass sie in großer Zahl eine Ausbildung beim Musikverein begannen.

70er bis 90er – Gründung der Partnerschaft mit Charny, Burgund

Seit der Gründung der Partnerschaft im Jahre 1970 zwischen der französischen Gemeinde Charny/Burgund und Könen hat sich der Musikverein aktiv an der Fortentwicklung der Beziehungen beteiligt. In den vielen wechselseitigen Begegnungen ist ein ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis zwischen den Vereinen „Independante“ Charny und „Harmonie“ Könen entstanden.

Im Februar 1981 übergab Dirigent Josef Hein den Dirigentenstab an Gerhard Claes. Josef Hein stand dem Musikverein über 50 Jahre als aktiver Musiker, davon 35 Jahre als Dirigent zur Verfügung. Aufgrund seiner Verdienste wurde er zum Ehrendirigenten ernannt. All zu früh verstarb Josef Hein im Juni 1984. Sein Nachfolger Gerhard Claes musste aus gesundheitlichen Gründen im Juli 1989 den Dirigentenstab niederlegen.

Seit August 1989 ist Paul Claes Dirigent, der ebenso wie seine Vorgänger aus dem eigenen Nachwuchs des Musikvereins stammt.

2004 – Das hundertjährige Bestehen

Im Mai 2004 konnte das Jubiläumsfest zum 100-jährigen Bestehen gefeiert werden. Anlässlich dieses Jubiläums wurde dem Musikverein in einer Feierstunde die PRO Musica-Plakette überreicht, die die langjährige Arbeit im Dienste der Blas- und Volksmusik würdigt.

2009 – Einweihung des Vereinsheims

Das älteste vorhandene Foto vom Musikverein Könen stammt aus dem Jahr 1929. Um darauf zu posieren musste man den Ersten Weltkrieg überlebt haben. Foto: Verein
Die Pro-Musica-Plakette erinnert an den 100. Geburtstag des Musikvereins Könen im Jahre 2004. Die Urkunde ist vom damaligen Bundespräsident Johannes Rau unterschrieben. Foto: Herbert Thormeyer
Fleißiges Proben in Räumen der Grundschule führt zu Erfolgserlebnissen. Foto: Herbert Thormeyer
Der Musikverein Könen beim Marsch zum Weinfest 1959 in Konz. Foto: Verein

Nach zweieinhalbjähriger Umbauzeit konnte am 29. und 30. August 2009 im Rahmen des 105-jährigen Jubiläums das neue Vereinsheim eingeweiht werden, an dem seit Februar 2007 gearbeitet worden war. Mit einer Eigenleistung von sensationellen 6667 Arbeitsstunden wurde die Alte Schule den Bedürfnissen der Musiker angepasst und umgebaut.

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