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Tourismus
Es muss nicht immer die Porta sein

Der Historiker und Lateinlehrer Dr. Jan Kuhlmann vom Gymnasium Langen in Geestland (Niedersachsen) schaut sich bei einem Besuch an der Mosel die römische Wasserleitung in Pölich an. Er plant eine Schulfahrt nach Trier und Trier-Saarburg, bei der seine Schüler das römische Erbe  erleben können.
Der Historiker und Lateinlehrer Dr. Jan Kuhlmann vom Gymnasium Langen in Geestland (Niedersachsen) schaut sich bei einem Besuch an der Mosel die römische Wasserleitung in Pölich an. Er plant eine Schulfahrt nach Trier und Trier-Saarburg, bei der seine Schüler das römische Erbe erleben können. FOTO: Marcus Hormes / TV
Pölich/Kastel-Staadt/Langsur. Bei Ausschachtungsarbeiten in Trier muss man immer genau hinsehen. Denn am Fuß der Baugrube könnten Reste eines römischen Tempels lauern. Doch auch jenseits der Stadt gibt es viel zu entdecken.
Harald Jansen

Beim Stichwort Römer fallen den meisten Menschen die Porta Nigra, die Kaiserthermen oder das Amphitheater in Trier und vielleicht noch die Igeler Säule ein. Eher unbekannt dürfte sein, dass es beispielsweise weit weg von der Römerstadt auf einem Plateau oberhalb der Saar ein Theater mit Sitzplätzen für bis zu 3000 Menschen gegeben hat. Oder, dass es auf Aacher und Beßlicher Gemarkung wohl fast schon in Sichtweite zwei kleinstädtische römische Siedlungen gegeben hat.

Ähnlich wie in der Stadt Trier kann man auch im Landkreis eher aus Versehen auf römische Funde stoßen. So beispielsweise 2008, als in Langsur-Mesenich an der Sauer eigentlich nur ein Radweg gebaut werden sollte. Dabei stießen die Bauarbeiter auf alte Mauern. Diese haben sich dann als Beckenreste eines Kaltbades herausgestellt und sind für rund 63 000 Euro so hergerichtet worden, dass der Betrachter heute noch etwas zu sehen bekommt.

Es gibt jedoch auch Fundorte, die zwar bekannt sind. Wo jedoch fast nichts (mehr) zu sehen ist. Bereits im 19. Jahrhundert hat es immer wieder historisch interessierte Dorfschullehrer und Pfarrer gegeben, die Überreste aus der Römerzeit entdeckt haben.

1801 wurde in Trier die bis heute noch bestehende Gesellschaft für nützliche Forschungen gegründet. Im Jahresbericht 1857 berichtet der damalige Domkapitular Johann Nikolaus Wilmowsky über das römische Bad von Wasserliesch. Darin beschreibt er, dass die Pfarrkirche auf einem Hügel steht, der aus Resten einer bis dahin nicht bekannten römischen Villa besteht. 1983 sind deren Reste beseitigt worden, ohne dass sie wissenschaftlich untersucht oder dokumentiert werden konnten. Heute ist nur noch ein Fragment eines Abwasserkanals erhalten.

Doch es gibt auch positive Beispiele. Mitte der 2000er Jahre entdecken Archäologen auf dem Hochplateau von Kastel-Staadt die Reste eines römischen Theaters. Auf insgesamt 34 Sitzreihen konnten einst bis zu 3000 Menschen Platz nehmen.

Es hat zwar einige Jahre gedauert, bis ein Konzept erstellt und die Finanzierung gesichert war. 2012/13 wird dann das römische Denkmal in Kastel so hergerichtet, dass dessen Form heute wieder erlebbar ist. Die Anlage ist frei zugänglich.

Nichts für Menschen mit Platzangst ist ein römisches Relikt, das es zu einem Höhepunkt einer Wanderwegs gebracht hat – ein Abschnitt einer römischen Wasserleitung in Pölich. Durchschnittlich 1,2 Meter hoch ist der rund 50 Meter lange Gang, der oberhalb der Pfarrkirche zu finden ist. Man kann bequem in der Nähe parken oder dort eine Rast auf dem 20 Kilometer langen Seitensprung „Zitronenkrämerkreuz“ des Moselsteigs einlegen.