| 11:09 Uhr

Konz-Karthaus
Vom Schuhmacher zum Sozialreformer

Das Gründungsfoto aus dem Jahr 1918 zeigt die ersten Vorstände der Karthäuser Kolpingsfamilie mit Präses Jakob Reif (hinten Mitte).
Das Gründungsfoto aus dem Jahr 1918 zeigt die ersten Vorstände der Karthäuser Kolpingsfamilie mit Präses Jakob Reif (hinten Mitte).
Konz-Karthaus. Adolph Kolping (1813–1865) gilt als Wegbereiter der katholischen Sozialbewegung. Am 6. Mai 1849 gründete der gelernte Schuhmacher und Priester in Köln den Gesellenverein. Diesen stellte er in einer Predigt mit den Worten vor: „Unser Wahlspruch aber ist: Beten und Lernen und Arbeiten, alles mit Ernst und doch mit Fröhlichkeit.“

Dem folgt seit 100 Jahren die Kolpingsfamilie in Konz-Karthaus, die von ihrem Präses Jakob Reif am 11. August 1918 ebenfalls als Gesellenverein gegründet wurde. „Wandernden Gesellen sollte so ein familiäre Struktur und damit Halt geboten werden“, erklärt der heutige Präses Martin Nober. Für Reif war diese Vereinsgründung aber auch ein Gegengewicht zu einer Entwicklung seiner Zeit und begründete das mit den Worten: „Der Gesellenverein wurde ins Leben gerufen, weil im Mai 1918 sozialistische Agitatoren in der Eisenbahnwerkstätte Konz auf die Jugend einwirkten und der bestehende Jünglingsverein nicht genügte.“

Trotz Problemen in den letzten Kriegsmonaten und Nachkriegsjahren entwickelte sich ein reges Vereinsleben. Im Kaisersaal wurde sogar mit eigener Musikkapelle Theater gespielt.

„Heute versteht sich die Kolpingsfamilie als eine Vereinsgemeinschaft, die allen Altersgruppen unserer Gesellschaft Aktivitäten und Gestaltungsmöglichkeiten bietet“, erklärt dazu der Vorsitzende, Alibert Schmitt.

Feste Programmpunkte im Vereinsjahr und gut besuchte Traditionsveranstaltungen in Karthaus sind Neujahrsfrühschoppen, Heringsessen an Aschermittwoch, Maibaumfete und Sommerfest, Familientag im Sommer, Kolpinggedenktag im Dezember und der Heiligabend der offenen Tür.

Die Kolpingsfamilie bietet auch heimische Kleinkunst. Weiter finden Vorträge über verschiedene Themen im Rahmen der Erwachsenenbildung statt, Gitarrenkurse stehen im Angebot und sportliche Betätigung in einer Fußballsportgruppe, geführte Wanderungen und Tischtennisturniere.
Den Vereinsmitgliedern geben montags der Seniorentreff und freitags ein offener Treff die Möglichkeit des geselligen Beisammenseins.

Je ein Vereinsmitglied ist gewähltes Mitglied im Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat der Pfarrei St. Johann. Die Kolpingsfamilie freut sich über jeden unverbindlichen Besuch. Eine Mitarbeit bei allen Veranstaltungen ist immer gefragt.

Udo Lambert ist Seniorenbeauftragter. Der 75-Jährige ist seit 60 Jahren Mitglied der Kolpingsfamilie. Sein Anreiz war: „Die hatten damals eine Tischtennisplatte.“ Außerdem wurde einmal im Jahr ein Zeltlager veranstaltet, für den damals 15-Jährigen eine tolle Sache mit Gleichaltrigen in der freien Natur zu campieren. Vier Jungkolpinggruppen gab es damals. „Mit Älteren zusammen haben wir sogar Diskotheken veranstaltet“, kann sich Lambert noch gut erinnern.

Ab 1954 hat die Kolpingsfamilie in einer ehemaligen Reichsarbeitsdienstbaracke ein festes Zuhause. Ab 1961 ist nach dem Genossenschaftsprinzip sogar eine ganze Kolping-Siedlung mit 15 Häusern entstanden.

Doch der Verein kämpft heute ums Überleben. Das Durchschnittalter stieg kontinuierlich auf mittlerweile weit über 50 Jahre. Aus der ehemaligen Kolpingjugend wurden gestandene Familienväter, die das Problem allerdings auch nicht lösen konnten, und auch nicht die Tatsache, dass evangelische Christen mittlerweile gern gesehene Gäste sind.

„Die Idee mit dem Zeltlager haben wir wieder aufgegriffen als Vater-Kind-Wochenende, aber die Teilnehmer sind meist keine Mitglieder“, beschreibt Vorsitzende Schmitt die Situation. Er und seine Mitstreiter hoffen darauf, dass sich das segensreiche Wirken der Kolping-Nachfolger herumspricht und neue, aktive Mitglieder gewonnen werden können.

Jakob Reif war der Gründervater und erste Präses der  Kolpingsfamilie Karthaus.
Jakob Reif war der Gründervater und erste Präses der Kolpingsfamilie Karthaus.
Das sind die Mitglieder der Karthäuser Kolpingsfamilie, die 1919 noch Gesellenverein hieß.
Das sind die Mitglieder der Karthäuser Kolpingsfamilie, die 1919 noch Gesellenverein hieß.
Beim Stadtteilfest zeigte die  Kolpingsfamilie ihre Geschichte in Bildern.
Beim Stadtteilfest zeigte die Kolpingsfamilie ihre Geschichte in Bildern.
Der Vorstand im Jubiläumsjahr: Udo Lambert, Josef Schneider, Alibert Schmitt, Martin Nober (Präses), Josef Maximini und Walter Bartel (von links) .
Der Vorstand im Jubiläumsjahr: Udo Lambert, Josef Schneider, Alibert Schmitt, Martin Nober (Präses), Josef Maximini und Walter Bartel (von links) .