1. Die Woch

Motor: Mazda bleibt sich auch beim Stromer treu

Motor : Mazda bleibt sich auch beim Stromer treu

Der MX-30 passt in die Unternehmensphilosophie der Marke aus Japan – Ein Pendlermobil mit ganz speziellen Vorzügen.

Der japanische Hersteller Mazda, dessen Gründungsjahr mit 1920 datiert ist, ist immer für Überraschungen gut. Auch nach 100 Jahren. Denn der innovative Autobauer, der immer noch den Fortbestand des Verbrennungsmotors predigt und gemeinsam mit der Universität in Hiroshima an einem Kraftstoff aus Mikro­algen forscht, hat jetzt sein erstes Elektroauto vorgestellt. Und Mazda wäre nicht Mazda, wäre auch in diesem Fall – nämlich beim neuen MX-30 – das eine oder andere nicht ein wenig anders und unkonventioneller als bei den Modellen der Konkurrenz.

Während nämlich die meisten Hersteller mit großen Energiespeichern und demzufolge auch entsprechenden Reichweiten Punkte sammeln wollen, propagieren die Japaner andere Vorzüge ihres ersten Stromers. Sie setzen auf das sogenannte „Rightsizing“-Konzept. Das besagt, dass eine alltagstaugliche Reichweite zugunsten des geringeren Fahrzeuggewichts und demzufolge auch einer optimierten CO2-Bilanz kleiner ausfallen darf. 310 Kilogramm des 1,7 Tonnen schweren MX-30 entfallen auf den Akku. Die Reichweite beträgt nach kombinierter EFZ-Norm 237 Kilometer. Das Fahrzeug mutiert dadurch zu einem typischen Pendlermobil. Für Leute, die ihre Routen, die Dauer und Plätze ihres Aufenthalts und die dortigen Lademöglichkeiten kennen, ist das durchaus akzeptabel.

Das hat aber auch zur Folge, dass das nur 35,5 Kilowattstunden starke Lithium-Ionen-Akku-Paket im Fahrzeugboden sich ausschließlich über den bordeigenen Wechselstromlader aufladen lässt. Sogar bei einer 22-kW-Wallbox fließen somit nur bis zu maximal 6,6 kW in die Batterie. Für eine volle Ladung braucht man dann auch knapp 4,5 Stunden. Das wäre mit einem dreiphasigen Kabel in etwa der Hälfte der Zeit erledigt. Dieser Umstand wirkt sich auch an der Schnellladesäule aus. Dort steht der MX-30 mit 50 kW maximaler Ladeleistung runde 40 Minuten für eine Füllung auf 80 Prozent. Und schließlich dauert an einer normalen 16-Ampere-Hausaltssteckdose das Laden bis zu zwölf Stunden.

Optisch besteht dagegen kein Anlass, den Nörgler zu geben. Der 4,40 Meter lange Japaner geht mit seiner abfallenden Dachlinie in Richtung Coupé. Das deckt sich dann auch mit dem Äußeren des Verbrennermodells CX-30. Was jedoch sofort als signifikanter Unterschied auffällt, sind die beiden gegenläufig öffnenden Fondtüren. Das bedeutet – wie auch einst beim Mazda RX-8 mit Keiskolbenmotor – den Verzicht auf eine B-Säule. Das Prinzip mit seiner fast 90 Grad großen Öffnung hat durchaus Vorteile in punkto Einstieg oder auch als Sicherheitselement beim Aussteigen von Kindern. Es ist aber auch produktionstechnisch aufwendig und hat sich in den wenigsten Fällen bei Konkurrenzmodellen wie etwa dem Opel Meriva auf Dauer durchgesetzt. Der Kofferraum allerdings lässt im Vergleich zum CX-30 einige Liter liegen. Übrig bleiben noch etwa 366 Liter. Im Innenraum stößt man auf die „schwebende“ Mittelkonsole, auf der der Schaltknauf und der runde Schalter für den 8,8-Zoll-Infotainment-Bildschirm im Armaturenträger angebracht sind. Hinzu kommt ein weiterer sieben Zoll großer Berührungs-Bildschirm für die Klimatisierung. Da der Kardantunnel sich erübrigt, hat Mazda eine zusätzliche Ablagefläche geschaffen. Die ist übrigens – ein Hinweis auf die Gründerjahre des Unternehmens – mit Kork bezogen.

Passend dazu sind Teile aus recycelten PET-Flaschen für die obere Türverkleidung sowie je nach Ausstattung ein eigens angefertigtes weißes oder braunes Kunstleder, das echtem Leder ähnlich sieht. Aber: Tierfreunde haben in diesem Fall keinen Grund, sich zu ärgern.

Zu der recht kleinen Batterie kommt ein passender Elektromotor mit 145 PS. Der beschleunigt den Fronttriebler in 9,7 Sekunden auf Tempo 100. Um nicht noch mehr an Reichweite zu kappen, ist bei Tempo 140 Schluss mit Vortrieb. Wie bei Stromern typisch, stehen die 271 Newtonmeter Drehmoment von Beginn an zur Verfügung, was einen recht rasanten Start garantiert. Das übliche „One-Pedal-Driving“ von Elektroautos, also das Steuern des Antriebs und Abbremsen ist auch beim MX-30 möglich. Zudem ist der e-Crossover mit vielen elektronischen Helfern in punkto Sicherheit und Komfort ausgestattet.

Der Not­brems­assistent beispielsweise erkennt jetzt nicht nur Fußgänger und Radfahrer, sondern macht mit einer zusätzlichen Kreuzungsfunktion beim Abbiegen auf eine möglicherweise drohende Kollision aufmerksam.

Mit dem MX-30 steigt auch der japanische Autobauer Mazda ins Elektro-Zeitalter ein. Fotos: Jürgen C. Braun Foto: Jürgen C. Braun

Zu den Preisen: Neben der seit Juli geltenden staatlich erhöhten Umweltprämie und der Senkung der Mehrwertsteuer plus Hersteller­rabatt mutieren diverse Stromer inzwischen fast zu Schnäppchen. Mazda gewährt neben der Einstiegsversion (ab 32 646 Euro, mit 16 Prozent Mehrwertsteuer) noch eine exklusive Einführungsvariante mit weiteren 2534 Euro Preisvorteil. Summa summarum steht der Mazda MX-30 mit First-Edition-Paket für 33 134 Euro nach Abzug der Umweltprämie von derzeit 9480 Euro für 23 654 Euro in den Schauräumen der regionalen Händler.