Motor: Mehr „N“ als „Line“

Motor : Mehr „N“ als „Line“

Im Fahrbericht der Woche dieses Mal ein ganz besonderes Mittelklasse-SUV von Hyundai.

Mit dem Begriff „Line“ verbinden viele Autohersteller Fahrzeuge ihres Programms, die zwar optisch an leistungsmäßig stärkere Versionen einer bestimmten Modellreihe erinnern, dabei aber nur vom Anblick her auf „Macho“ getrimmt sind. Das heißt, sie haben in der Regel ein paar Schweller und Schürzen mehr, breitere Radhäuser, einen auffälligeren Kühlergrill und auch ein paar zusätzliche sportliche Features im Interieur. Ansonsten aber fehlt es ihnen an „Mucki“ unter der Haube im Vergleich zu der wahren Ausgabe, deren Namen sie tragen.

Solche Fahrzeuge sind genau das Richtige für Leute, die sich gerne etwas von der Masse abheben möchten, aber nicht unbedingt den Wunsch nach Leistungssteigerung verspüren.

So ist das auch bei unserem Testfahrzeug der Woche, dem „Hyundai Tucson N-Line“. Ein SUV, dessen Erscheinungsbild richtig schön „aufgepeppt“ wurde, der aber nicht die gleichen Leistungsdaten wie die „N“-Fahrzeuge des koreanischen Herstellers (zum Beispiel der i30 N) aufweist. Nicht „N“, sondern „N-Line“ also.

Ist so etwas nun ein willkommenes Angebot „light“ oder doch eher eine Mogelpackung. Hält ein „N-Line“-Fahrzeug das, was es auch wirklich verspricht?

Dieser Frage sind wir nachgegangen mit der 177 PS starken Version mit 1,6-Liter-Turbo, Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb. Das wichtigste zunächst: Dieses Auto ist alles andere als eine „lahme Kiste“. Die dritte Version des 4,48 Meter langen Mittelklasse-SUV bekam im Herbst 2018 ein Update. Die N-Line-Version basiert auf der zweithöchsten Ausstattungsstufe „Style“ und ist so eine Art „Black Beauty“. In unserem Fall in Verbindung mit der Farbe „Shadow Grey“. Viel Schwarz also im Grill, an der Dachreling, den Schwellern oder den Außenspiegeln. Hinzu kommen ebenfalls schwarze 19 Zöller, statt 18er Felgen.

Das „N“-Ambiente setzt sich im Innenraum fort mit sportlicheren Sitzen mit „N Line“-Logo und roten Kontrastnähten. Dazu gesellt sich ein „N Line“-Sportlenkrad, ein ebensolcher Wahlhebel für das Getriebe, ein schwarzer Dachhimmel und Alu-Pedalerie. Ein Soundsystem von Krell mit acht Lautsprechern ersetzt die serienmäßige Audioanlage.

Da es in diesem Fall nicht wie beim i30 eine wirkliche „N“-Version gibt, ersetzt die „N-Line“ beim Tucson diese quasi adäquat.

Das heißt, dass die klassischen Werte eines Mittelklasse-­SUV, also bequemer Einstieg, erhöhte Sitzposition, viel Raum für die Insassen und das Gepäck einher gehen mit überraschend komfortablen wie auch sportlichen Fahrleistungen.

Der 177 PS starke, aufgeladene Benziner, generiert aus seinen 1,6 Litern Hubraum jede Menge an Leistung, die er auf die vier angetrieben Räder bringt. Ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe sorgt für eine punktgenaue Übertragung der Kraft auf die Straße.

Trotz des relativ hohen Aufbaus macht dieses SUV auch in ­engen Kurven­radien noch sehr viel Fahrspaß, offenbart keine Wankneigungen und zieht dank Allradantriebs ohne Untersteuerungstendenzen durch die oftmals verwinkelten Landstraßen der Region.

Der Innenraum des Hyundai Tucson ist übersichtlich. Foto: Jürgen C. Braun

In diesem Falle, so unser Fazit, ist die „N-Line“-Ausstattung eigentlich mehr als nur ein Ersatz und beileibe kein Fake. Der Hyundai Tucson „N-Line“ ist mehr „N“ als Line.