1. Die Woch

Unsere Vereine: „Mir maache Theater“

Unsere Vereine : „Mir maache Theater“

Heimatverein (HV) Dreis-Brück hört sich gut und „nach Eifel“ an. Hier wird „Heimat“ praktiziert auf besondere  Weise.  Das alljährliche Laien-Theaterspiel, wird wahrscheinlich in diesem Jahr wie vieles der Coronasituation zum Opfer fallen.

Die Arbeit des HV auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“, hat nicht nur einen festen Termin im Plan des Vereins, sondern auch im Veranstaltungskalender der Ortsgemeinde und des Umlandes.

„Heimat“ wird auf der Bühne praktiziert, denn die Akteure sprechen größtenteils Dreis-Brücker „Platt“. „Wir sind ein lustiger Haufen, und deshalb werden bei uns nur Luststücke aufgeführt, damit wir unseren treuen und neuen Zuschauern einen lustigen und humorvollen Abend bieten können, und die Zuschauer sollen frohgemut und mit einem breiten Lachen nach Hause gehen“, erklärt die Vorsitzende Bettina Sicken. In diesem Jahr hat die Truppe „silbernes Jubiläum“, denn der Heimatverein wird 25 Jahre alt.

1995 entstand im Rahmen des Dorferneuerungsprogrammes der Ortsgemeinde Dreis-Brück auf Initiative des Arbeitskreises „Theater und Brauchtumspflege“ der HV Dreis-Brück. Erster Vorsitzender wurde Alfred Pitzen. Im Gründungsjahr fand sich spontan eine Gruppe talentierter Laienschauspieler zusammen, die ein Theaterstück im Dorfdialekt auf die Bühne bringen wollte. Die Bühne wurde von der neuen Gruppe selbst gebaut, so geplant, dass sie bei Bedarf umgestaltet werden kann. Der Schauspielort in der zweiten Heimat, im Haus Vulkania, war geschaffen.

Gesagt – getan, alle aufwendigen notwendigen Arbeiten wurden gemeinsam in Angriff genommen. Mit Hilfe privater und öffentlicher Unterstützung ging man ans Werk, und nach vielen intensiven Probeabenden war es dann endlich soweit: Die erste Aufführung „Zwei programmierte Schlitzohren“ im Haus Vulkania war restlos ausverkauft und diese Premiere wurde ein Riesenerfolg.

Bei den letzten Vorstands- Neuwahlen wurde den Damen und zwei Herren viel Verantwortung übertragen, denn die Wahl endete wie folgt: erste Vorsitzende Bettina Sicken,  zweite Vorsitzende Gabi Drückes , Kassiererin Janine Pesch, Schriftführer Alexander Hennen, Beisitzer Natalie Marthen und Maximilian Hennen.

Drei Regisseure bereiteten die Akteure in den vergangenen 25 Jahren bis heute auf die Darbietungen vor: Zuerst und über viele Jahre war es Maria Langshausen, dann Frank Bauer, und derzeit übernimmt diese Arbeit Helga Nosbers mit Hilfe von Uli Hennen.

Insgesamt 44 aktive Mitglieder stehen für die Theatersaison zur Verfügung.

Aktive Mitglieder sind nicht nur für die Rollenplanung gefragt, sondern werden auch gebraucht, um die Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Zum Beispiel muss der Thekendienst organisiert werden, die Eintrittskasse muss besetzt sein, der Auf- und Abbau der Tribüne und Bühne muss geregelt werden. Ohne die Vielzahl der Mitglieder wäre eine solche Veranstaltung nicht machbar.

Der HV freut sich auch über 18 inaktive Mitglieder, die durch ihre Beitragszahlungen das Ensemble unterstützen. Mittlerweile sind die Theatervorstellungen im Haus Vulkania, die jeweils an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden stattfinden, weit über die Kreisgrenze hinaus bekannt und beliebt, und es werden sogar Theaterbesucher aus den naheliegenden Städten erwartet.

Die Dreis-Brücker Luststücke sind immer ausverkauft, meistens schon beim ersten Kartenvorverkauf am ersten Adventssonntag. Restkarten kann man vielleicht noch über die HV-Internetseite www.hv-dreis-brueck.de ergattern.

Bisher hat der Heimatverein 23 verschiedene heitere Bühnenstücke aufgeführt, Die hohen Besucherzahlen und der überwältigende Applaus geben den Darstellern immer wieder die notwendige Motivation neue Stücke zu finden und einzustudieren.

Fast 1200 Besucher zählen die Dreis-Brücker Theaterspieler in jedem Jahr, und da ist Teamgeist gefragt. Neun bis zwölf Schauspieler unterhalten das Publikum im „Eifelplatt“, zwei Souffleusen, eine Regie und eine Person an der Technik sind mit verantwortlich für einen reibungslosen Ablauf der Abende, und diese Besetzung gilt für fünf Vorstellungen im Jahr; und diese Vorstellungen sind stets ein voller Erfolg.

„Immer wieder  nehmen wir gerne neue, interessierte Personen und inaktive Mitglieder in den Verein auf“, sagt die  Vorsitzende Bettina Sicken. Wegen des praktizierten „Dorf-Plattes“ ist der HV auch zu einem echten Kulturträger in dem Dorf mit dem Doppelnamen geworden.

„Zur Gemeinde haben wir ein Superverhältnis. Sie unterstützt uns in vielerlei Hinsicht beim Tribühnenaufbau mit Hilfe eines Unimogs, der von der Gemeinde zum Transport der Bühne ausgeliehen wird“, freut sich Vorsitzende Sicken und weist auf den Ablauf einer „Theatersaison“ hin: „Mit den Proben beginnen wir schon Anfang September an jedem Donnerstag. Zum Auftakt wird der Text des Stückes zweimal durchgelesen um Kenntnis in Inhalt und Rollenverteilung zu erlangen; dann geht es mit den Textheften auf die Bühne zum ernsthaften aber lustigen Proben. Ab Dezember kommen sogar die Sonntage als Probentage hinzu.“ Die Stellwände der Bühne sind selbstgebaut, lassen schnelle Umbauten zu, und ansprechende Bühnenbilder werden von der Regie vergeben. „Unsere Männer setzen es dann in die Tat um und bauen, was das Zeug hält, Innenhöfe oder Wohnzimmer, sogar ein Kreuzfahrtschiff wurde einmal als Bühnenbild konstruiert. Jedes Theaterstück verlangt sein eigenes Bühnenbild, damit der Zauber auf der Bühne zu einem Erlebnis wird!“

Die Einnahmen werden für die aufwendigen Bühnenbilder benötigt, aber auch eine soziale Ader ist vorhanden. Seit Gründung ist ein fünfstelliger Spendenbetrag für kirchliche und örtliche Maßnahmen wie zum Beispiel der Renovierung von Kirchen, Unterstützung der Jugendfeuerwehr, Neubau einer Feuerwehrgarage, Spende zur Anschaffung eines Deffibrillators oder auch grenzüberschreitende Aktionen gestiftet worden. Muss man auch für Künstlerkleidung einen Betrag einkalkulieren? Am besten sind die antiken Stücke, die man bei Oma im Kleiderschrank auf dem Speicher findet. Nur dann und wann werden neu Klamotten gekauft.

Neben dem Theaterspielen gibt es noch ein besonderes „Stück Heimat“ zum Wohl der Gemeinde für die HV-Mitglieder, denn ihre aktive Hilfe ist zur Tradition geworden durch Einakter oder Sketche bei der Senioren-Weihnachtsfeier mit Übernahme der Bewirtung beim Seniorenausflug. Hier hat die Abkürzung „HV“ eine zeitweise andere Bedeutung, nämlich „Helfer-Verein.“ Nun hofft man auf das Ende, das Ende der Corona-Einschränkungen, denn bald ist September, die Zeit des Probenbeginns, und mit den Laienspielern hofft das verwöhnte Publikum wieder auf lebendige Abende.

Drei Fragen an Bettina Sicken, erste Vorsitzende des HV Dreis-Brück

Der Heimat-Verein Dreis-Brück ist mittlerweile ein Traditionsverein – warum macht Ihnen hier die Arbeit als Vorsitzende Spaß?

Ich habe den Vorsitz erst am 20. Juni 2020 übernommen. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit meinem Vorstandsteam und hoffe, dass ich den Verein wie bisher erfolgreich nach vorne bringen kann.

Wie arbeitet der HV mit seiner Vorsitzenden darauf hin, dass auch Nachwuchs angesprochen wird ?

Nachwuchs ist natürlich ein großes Thema. Früher gab es auch eine Kindertheatergruppe. Aber wir haben bisher niemanden gefunden, der  eine solche Gruppe leiten möchte oder zeitlich konnte. Wir würden es sehr begrüßen, hier nochmals jemanden zu finden.

Haben die Vorsitzende und der Vorstand mit dem HV in Zukunft noch etwas Besonderes vor?

Der neue Vorstand des HV Dreis-Brück (von links nach rechts): Alexander Hennen,  Natalie Marthen, Janine Pesch, Gabi Drückes,  Bettina Sicken und Maximilian Hennen. Foto: Heimatverein Dreis-Brück
Ein gelungener Anfang: Der erste Auftritt des HV-Dreis-Brück im „Haus Vulkania“ anno 1995. Foto: Heimatverein Dreis-Brück
Im Januar stand das Lustspiel „Die Gedächtnislücke“ auf dem Programm. Foto: Heimatverein Dreis-Brück

Anlässlich unseres diesjährigen Jubiläums haben wir der Ortsgemeinde zwei Relaxliegen gestiftet, die am 15. August bei einer Wanderung eingeweiht werden. Eine Bank wird in der Ortslage Brück aufgestellt und die andere Bank in Dreis am Stausee. Nächstes Jahr findet ein gemeinschaftliches Jubiläum der ortsansässigen Vereine unter dem Motto „Vereinsjubiläum 411 + 1 Jahre“ statt, welches 2020 coronabedingt abgesagt werden musste. Hier sind wir natürlich ebenfalls dabei und mit eingebunden. Ob wir in diesem Jahr wieder Theater spielen können, bleibt abzuwarten. Wegen der Corona-Pandemie gestaltet es sich bisher schwierig, überhaupt solch eine Veranstaltung in unserem gewohnten Rahmen führen zu können.