1. Die Woch

Kultur: Mit Kreativität durch die Krise

Kultur : Mit Kreativität durch die Krise

Abstands- und Hygieneregeln machen der Kultur- und Freizeitbranche das Leben schwer. Neue Konzepte sind gefragt.

Ach, was waren das noch für Zeiten: Die Maske wurde allenfalls am Rosenmontag aufgesetzt, aber ansonsten wurde gefeiert, was das Zeug hält. Meistens mit Anstand, aber ganz sicher nicht mit Abstand. Social distancing war als Sozialphobie noch ein Fall für den Psychiater. Nicht einmal ein halbes Jahr ist das her. Und nun ist bildlich gesprochen noch immer Aschermittwoch. Dorf- und Stadtfeste: abgesagt; Freizeit- und Kulturveranstaltungen: in ihrer bisherigen Form nicht erlaubt; Diskotheken: noch immer geschlossen.

Kaum eine Branche ist so von den Corona-Maßnahmen betroffen wie Kulturschaffende und Schausteller, aber auch Messebauer, Caterer, Veranstaltungstechniker und alle, die in normalen Zeiten dafür sorgen, dass Menschen in ihrer Freizeit gemeinsam Spaß haben können.

Mittlerweile gibt es wieder zahlreiche Veranstaltungen, die wir in der WOCH ankündigen können. Im Rahmen der staatlichen Vorgaben haben sich Veranstalter kreative Konzepte einfallen lassen, um zumindest ein Minimum an Kultur- und Freizeitaktivitäten wieder möglich zu machen.

Überall, auch in Trier, sprossen Autokinos aus dem Boden, die ihre Blütezeit in den 1970er Jahren hatten, weil junge Leute dort eingermaßen ungestört einander näher kommen konnten. Mit An- und Abstand war es da oft nicht weit her. In Corona-Zeiten sind aber zweifellos eher die öffentlichen Abstands- als die elterlichen Anstandsregeln für den neuen Boom verantwortlich. Und so etablierten sich neben den traditionellen Filmvorführungen auch Autokino-Konzerte. Das Trierer Autokino ist mittlerweile wieder geschlossen, dafür gibt es am kommenden Wochenende zwei Filmvorführungen auf dem Flugplatz Bitburg.  Auf dem Land, also im größten Teil unseres Verbreitungsgebiets, ist der fahrbare Untersatz oft auch ein Trecker. Und so erlebte die Eifel ihre erste Treckerdisco, organisiert von der Landjugend Daun.

Die Kreativität auf die Spitze getrieben hat das Mosel Musikfestival mit seinem Format „Kopfhören“: ein Live-Event ohne Live-Musik, mit Beschallung aus dem Kopfhörer. Für den Abschluss am Samstag, 29. August, gibt’s dann aber echte Künstler auf einer echten Bühne, open Air am Kurfürstlichen Palais.

Auch der Trierer Kulturhafen am Zurlaubener Ufer bietet Künstlern die Gelegenheit zu einem Auftritt unter freiem Himmel. Und in Nachbarschaft des großen Riesenrads kommt fast ein wenig Moselfest-Stimmung auf.

Bald wird die Outdoor-Saison zu Ende gehen. Aber es gibt bereits Konzepte, die Kulturgenuss in Innenräumen ermöglichen sollen. Das Konz Musik Festival hat sein Programm von 13 auf fünf Konzerte reduziert, weicht vom Kloster Karthaus auf die Kirche St. Nikolaus aus, um Abstandsregeln einhalten zu können. Denn in den Sälen dürfen längst nicht alle Plätze besetzt werden; im Forum Daun zum Beispiel bleiben von mehreren Hundert noch ganze 87 übrig. Ähnliches gilt für die Tufa Trier, doch auch dort wird es demnächst wieder Kleinkunst geben.

Heute sieht eine Party so aus: Treckerdisco der Landjugend Daun. Foto: Vladi Nowakowski

Ob sich das dann noch als wirtschaftlich erweist, ist eine ganz andere Frage: Künstler, Beleuchter und Tontechniker können nicht auf den größten Teil von Gage oder Lohn verzichten; Kosten für Strom oder Heizung fallen in gleicher Höhe an; die Ticketpreise lassen sich nicht mal eben verdreifachen; Hygienekonzepte kosten zusätzliches Geld. Für Künstler, die auf Auftritte in Kneipen und Discotheken oder auf Stadt- und Dorffesten angewiesen sind, könnte es – bei aller Kreativität – dennoch eng werden.