Die Mosel genießen, wenn das Boot läuft

Unsere Vereine : Die Mosel genießen, wenn das Boot läuft

Wo ein Fluss ist, sind auch Wassersportler nicht weit. Und so mancher Verein weist mit der Zeit Tradition und Erfolge auf. So auch in Zeltingen. Dort ist die Rudergesellschaft 1927 gegründet worden.

Wobei aller Anfang schwer ist: „Damals starteten die ersten Ruderer mit geliehenen Booten“, sagt Irmhild Lamberty, erste Vorsitzende des Vereins. Die ersten eigenen Boote waren in Berlin gebraucht gekauft und mit der Bahn zur Mosel transportiert worden. Und auch die Aufnahmekriterien für neue Mitglieder waren damals sehr streng. „Es konnte nicht jeder eintreten. Es musste ein förmlicher Antrag gestellt werden“, sagt die Vorsitzende, die sich ausführlich mit der Geschichte des Vereins befasst hat. Im Vorstand wurde dann entschieden, ob die Interessenten in den Verein passen. Menschliche Faktoren und preußische Faktoren waren in der Anfangszeit des Vereins wichtig. „Die neuen Mitglieder sollten ohne Fehl und Tadel sein“, sagt sie. Und auch, wer zu spät zu den Vereins- und Trainingsterminen kam, musste mit Disziplinarmaßnahmen rechnen – bis hin zum zeitweiligen Ruderverbot. Zudem konnten in den Anfangsjahren nur Männer als Mitglied in die Rudergesellschaft aufgenommen werden. „Doch ganz schnell stand der Verein auch Frauen offen“, sagt Marlene Schömann-Finck, Ruderwartin des Vereins.

Überhaupt sind die alten Zeiten mit preußischen Tugenden auch bei der Rudergesellschaft nur noch eine humorvolle Anekdote in deren mehr als 90-jährigen Geschichte. Heute zählt der Verein 110 Mitglieder. Etwa 50 steigen aktiv ins Boot, davon sind die Hälfte Frauen.

In der Altersstruktur spiegelt sich die heutige Gesellschaft wider: Einige Kinder und Jugendliche, dann klafft in der Generation der 20- bis Ende 30-Jährigen eine Lücke aufgrund Studiums, Berufsausbildung und Familiengründung. Mit Ende 30 kommen die Frauen, die Männer mit Anfang 40 wieder zum Rudern, wenn sich die berufliche Situation etabliert und die Kinder groß sind. Ein wichtiger Faktor für die Ruderanfänger in diesem Alter sind gesundheitliche Aspekte. „Frauen fangen früher an, etwas für sich zu tun“, sagt Lamberty. Auch kehren dann Aktive ins Boot zurück, die bereits als Jugendliche gerudert sind. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Verein seine Ausrichtung geändert. In den 1980ern hat die Rudergesellschaft viel Wert auf Spitzensport gelegt und damit Erfolge feiern können. Doch fehlen dafür heute die erforderlichen Betreuer, so dass die Rudergesellschaft heute breitensportorientiert ist, sagt Schömann-Finck. „Gutes Rudern ist der Grundstein, dass man sich gesund bewegt“, sagt sie. Und Lamberty ergänzt: „Wer was für seine Gesundheit tun will, der will saubere Technik lernen.“

Wer mit dem Rudern beginnt, der geht bei den Zeltingern sofort ins Wasser, erklärt Schömann-Finck. In einem Zweierboot ist dann ein fortgeschrittener Ruderer mit dabei, der falsche Techniken sofort korrigiert, sagt sie. Mit fortschreitender Rudererfahrung kommen dann die Kommandos nach und nach von „Alles voraus“ am Start bis hin zu „Ruder halt“ und „Wende über Backbord.“ Wichtig ist die Koordination von Armen, Beinen und Körper, damit der Ruderschlag funktioniert, sagt sie. „Die Technik muss gekonnt werden. Bei einem Viererboot müssen alle das Gleiche machen. Nur im Einklang läuft das Boot“, sagt sie. Den Kindern fällt das Erlernen der Techniken einfacher, sagt sie. „Die denken nicht nach, die lernen, indem sie tun“, sagt sie. Und auch Ehepaare im gleichen Boot ist nicht ganz einfach, sagt sie. „Die harmonieren oft nicht, die muss man auseinandersetzen“, sagt Schömann-Finck mit einem Augenzwinkern.

Manchmal spielt die Natur der Rudergesellschaft auch mitunter einen Streich. Da ist zum einen der Wasserstand, der am Ruderhaus direkt hinter der Zeltinger Schleuse normalerweise zwischen 2,30 Meter und 2,80 Meter liegt. „Dann lässt sich gut rudern“, sagt Schömann-Finck. Doch steigt gerade hinter der Schleuse der Wasserstand schnell. Wenn der Pegel die Marke von 3,30 Meter übersteigt, herrscht Ruderverbot. „Dafür reicht ein starkes Gewitter“, sagt sie.

Ein zweites Problem ist die Blaualge, die 2018 aufgrund des heißen Wetters an Mosel, Rhein und Seen vermehrt aufgetreten ist. „Diese kann zum Durchfall führen“, sagt Lamberty. „Deshalb gilt nach dem Trip auf der Mosel: Boote und Ruder gründlich sauber machen“, sagt sie. Auch das Bootshaus der Zeltinger Rudergesellschaft hat Vor- und Nachteile: zum einen ist die Lage an einer Moselwiese für die Ruderer ideal, um die Boote ins Wasser zu lassen. „Andere Vereine müssen mit ihren Booten Bundesstraßen überqueren“, sagt Lamberty. Andererseits platzt das Ruderhaus, in dem die Boote aufbewahrt werden aus allen Nähten. Doch vergrößern geht nicht: Lamberty. „Wir dürfen nicht bauen, weil wir im Hochwasserbereich liegen.“

Was ist das Schöne am Rudern? „Die Ruhe, das Getragenwerden auf dem Wasser“, sagt Schömann-Finck spontan. „Man kann abschalten und vergisst alles andere“, sagt sie. Zudem sieht die Gegend vom Wasser anders aus. „Es ist total schön, wenn das Boot läuft“, sagt sie.

Aktive Frauen der Rudergesellschaft Zeltingen machen ihr Boot klar – und dann geht es ab auf die Mosel. Foto: Christoph Strouvelle
Und los geht es im Boot auf der Mosel. Foto: Christoph Strouvelle
Irmhild Lamberty, Vorsitzende der Rudergesellschaft Zeltingen. Foto: Christoph Strouvelle
Bei ihr haben viele rudern gelernt: Marlene Schömann-Finck. Foto: Christoph Strouvelle
Das Bootshaus der Rudergesellschaft. Foto: Werner Kappes
So sieht die Bootstechnik von innen aus. Foto: Werner Kappes
Die Zeltinger feiern ihre Weltmeister. Foto: Rüdiger Münch
Im Winter halten sich die Ruderer in der Halle fit. Foto: Marlene Schömann-Finck
Die Frauengruppe der Rudergesellschaft Zeltingen. Foto: Jean Pierre Grill

Weitere Informationen über die Rudergesellschaft Zeltingen 1927 mit Trainingszeiten und Kontaktadressen gibt es im Internet unter www.rgzeltingen.de.

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