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Traben-Trarbach
In Traben-Trarbach wird Geschichte lebendig

Matthias Heuser und Elke Reinhold am Hammerflügel, dem kostbarsten Stück der Ausstellung.
Matthias Heuser und Elke Reinhold am Hammerflügel, dem kostbarsten Stück der Ausstellung.
Traben-Trarbach.   Wenn das Ehepaar Böcking durch seine Villa streift und dabei den Waschfrauen, den Dienstmädchen in der Küche zusieht und derweil die Stadtgarde ihren Dienst tut, die Hochzeitsgesellschaft feiert und Johann Wolfgang von Goethe seine Aufwartung macht, dann ist Museumsnacht in der Barockvilla Böcking in Traben-Trarbach.

Insgesamt sind etwa 80 Akteure in historischen Gewändern unterwegs und machen die Geschichte lebendig. Hunderte Besucher lockt dieses Ereignis zur Museumsnacht, die jeweils Ende September stattfindet. Dabei weiß der Museumsleiter Christof Krieger das Engagement seiner Vereinsmitglieder zu schätzen. Er sagt: „Ohne die Begeisterung und das Engagement der Akteure wäre das hier nicht möglich.“

Der Förderverein organisiert aber nicht nur die eine Veranstaltung im Jahr, sondern es hat sich im Laufe der Jahre ein umfangreiches Kulturprogramm, das von historischen Ausstellungen und Vorträgen über literarische Veranstaltungen, Konzerte und Kunstausstellungen reicht, entwickelt.

Seit 1980 wird das Mittelmosel-Museum Traben-Trarbach vom Museumsverein betreut, der 2003 in Förderverein Mittelmosel-Museum umbenannt wurde. Der Verein bewahrt bis heute das Erbe des Museumsgründers Dr. Ernst Willen Spies. Schon 1928 hatte Spies in Trabener Rathaussaal eine erste historische Dauerausstellung eingerichtet, mit Zwischenstation in einem anderen Gebäude an Trabener Ufer, bevor sie 1955 endgültig in der Barockvilla Böcking ihr Domizil bezog.

Das wertvollste Exponat des Museums ist der historische Hammerflügel, der 1811 von der Klavierbauerin Nannette Streicher, der damals einzigen Frau unter 180 Klavierbauern in Wien, gefertigt wurde. Nachdem das Instrument 1988 dank einer großzügigen Spende wieder spielbar gemacht worden war, konnte am 200. Geburtstag des Instruments, im Jahr 2011, dessen originale Schellackpolitur und die Lederhämmer wiederhergestellt werden. Christof Krieger erklärt: „Mit einigen unserer Exponate, wie etwa dem Hammerflügel oder der Prunkvase Friedrich-Wilhelms IV., brauchen wir den Vergleich, auch zu größeren Museen der Region, nicht zu scheuen.“ Weiter stellt er fest: „Die Barockvilla Böcking ist als öffentlich zugängliches Bürgerhaus des 18. Jahrhunderts mit ihrer qualitätvollen Einrichtung nicht nur für die Stadt Traben-Trar­bach und die gesamte Moselregion, sondern selbst in Rheinland-Pfalz einzigartig.“

Neben den Einrichtungsgegenständen und den einzelnen Räumen wie dem Musik- und Rokokosalon, dem Empireschlafzimmer und der herrschaftlichen Küche haben die Bewohner der Barockvilla Böcking eine interessante Geschichte, die sich im Haus wiederfindet. Sie zeigt sich auch anhand der Besucher, die dort einkehrten.

So fand beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe auf dem Rückweg vom Kriegsschauplatz der „Kampagne in Frankreich“, im November 1792, nach einer abenteuerlichen Bootsfahrt auf der stürmischen Mosel, bei Ludwig Böcking, einem Enkel des Hauserbauers, Unterschlupf. 1902 war der Dichter und Jugendfreund Picassos, Guillaume Apollinaire, in der Villa Böcking zu Gast. Er war bei Verwandten der Böckings in Bad Honnef zwei Jahre als Hauslehrer tätig.

Dieses Erbe zu erhalten, ist ohne finanzielle Mittel nicht möglich. Seit 1963 gehört das Haus der Stadt Traben-Trarbach und wurde von 1967 bis 1969 grundlegend saniert. Einen Etat, der über den unmittelbaren Unterhalt des Gebäudes und für die Aufrechterhaltung des Museumsbetriebs hinausgeht, gibt es nicht. Einnahmen hat der Förderverein allein durch Mitgliedsbeiträge der 200 Vereinsmitglieder, der bei 10 Euro liegt, kontinuierlichen Spenden der Museumsbesucher und namhafte Einzelspenden. In den letzten zehn Jahren kamen so mehr als 100 000 Euro zusammen, die vorwiegend für die Restaurierung einzelner Exponate Verwendung fanden. Der Museumsleiter erklärt: „Es gilt, den besonderen Charakter des Hauses entsprechend dessen Alleinstellungsmerkmal als barockes Bürgerhaus auch für kommende Generationen zu erhalten und zu bewahren.“