Wo Clara Viebig lebendig wird

Unsere Vereine : Wo Clara Viebig lebendig wird

Clara Viebig, die 1860 in Trier geboren wurde, gehörte um die Jahrhundertwende zu den meistgelesenen deutschen Autoren. Von einigen Kritikern ist sie damals mit Gerhard Hauptmann und Thomas Mann auf eine Stufe gestellt worden.

Heute ist ihr Werk hauptsächlich durch ihr Buch „Das Weiberdorf“ bekannt.

Die Clara-Viebig-Gesellschaft in Bad Bertrich und der Förderverein Kultur und Geschichte in Eisenschmitt wollen ihr Leben und Werk lebendig erhalten. In Eisenschmitt gibt es seit 2006 das Clara-Viebig-Zentrum, das jedes Jahr 1000 bis 1200 Besucher hat. Bis es gebaut werden konnte, gab es aber einige Hürden zu überwinden.

Das Clara-Viebig-Zentrum:

Eine Ruine im Ortskern stand damals leer und man überlegte, was man damit machen könnte. Denn eine neue Nutzung würde sehr teuer werden und der Name Clara Viebig war im Ort damals noch ein rotes Tuch. Der Vorsitzender des Fördervereins, Georg Fritzsche erklärt: „Wir hatten schon einmal den Versuch eines Eisenmuseums gestartet, der aber gescheitert ist und der Brunnen, der die Geschichte des Weiberdorfs erzählt, sollte eigentlich „Clara-Viebig-Brunnen“ heißen, aber die Bürger wollten das nicht.“ Weiter sagt er: „Sie hat in ihren Büchern sozialkritische Themen angesprochen und den Blick auf das Elend der Menschen gelenkt, die hier in der Eifel gelebt haben. Zudem stand das Buch bei der katholischen Kirche auf dem Index und es hatte seine Handlung hier im Ort. Das kam bei manchem nicht gut an.“ Schließlich hat die Gemeinde das Gebäude im Ortskern gekauft und wollte es öffentlich nutzen. Im Gemeinderat einigte man sich schließlich darauf, dass es ein Haus des Gastes mit Clara Viebig werden sollte. Der damalige Innenminister Walter Zuber wurde eingeladen und sehr herzlich empfangen. Anschließend stellte man ihm das Konzept vor und man konnte mit einem ersten Zuschuss von 250 000 Euro sowie mit einem Schrank voll Literatur von Clara Viebig, den Walter Densborn, der damalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Manderscheid, beigesteuert hatte, loslegen. Insgesamt wurden etwa 500 000 Euro investiert, weniger als zehn Prozent zahlte die Gemeinde Eisenschmitt.

Ein Platz für die Jugend:

Aber nicht nur Clara Viebig und Besucher Eisenschmitts sollten in dem Gebäude ein neues Zuhause finden, auch ein Jugendraum wurde eingerichtet, der bis heute genutzt wird. Georg Fritsche berichtet: „Da gibt es immer wieder Schwankungen, mal sind die Jugendlichen sehr aktiv und nutzen den Raum, dann gibt es aber auch Phasen, in denen er weniger angenommen wird. Jetzt haben sich wieder Jugendliche gefunden, die Interesse haben. Das Ganze steht und fällt aber mit Personen, die Verantwortung dafür übernehmen.“  Er setzt hinzu: „Der Raum ist da, in einem guten Zustand und wir freuen uns, wenn er genutzt wird.“

Veranstaltungen:

Inzwischen ist auch der Innenhof des Clara-Viebig-Zentrums gestaltet worden und hier finden Veranstaltungen statt. Der Förderverein Kultur und Geschichte ist ein sehr reger Verein, der Lesungen, Ausstellungen, Wanderungen, Weinproben oder musikalische Abende organisiert. Dabei haben die 50 Mitglieder und ihr Vorstand alle Generationen im Blick. Es gibt beispielsweise Lesungen von regionalen Kinderbuchautoren, Kindertage oder Puppenspiele. Rund acht Veranstaltungen finden in jedem Jahr statt. Daneben kommen viele Gruppen und Einzelbesucher. Regelmäßig sind Studenten im Clara-Viebig-Zentrum, die sich mit ihrer Literatur beschäftigen. Hier können sie auf drei Etagen sehr viel über Eisenschmitt, die Geschichte des Dorfes, die Eifel und natürlich Clara Viebig und ihr Werk sehen. Es gibt internationale Übersetzungen ihrer Bücher, etwa ins niederländische, bulgarische, italienische, finnische, russische und sogar ins japanische. Verschiedene Experten, sowie die Clara- Viebig-Gesellschaft Bad Bertrich haben an der Zusammenstellung der Ausstellung mitgewirkt. Eifelmaler, Takenplatten und die Entwicklung der Gemeinde sind anschaulich dargestellt.

Das Clara-Viebig Zentrum sieht sehr einladend und gepflegt aus im Ortskern von Eisenschmitt. Foto: Christina Bents
Die Geschichte Eisenschmitts ist ebenfalls im Clara-Viebig-Zentrum dargestellt. Foto: Christina Bents
Das Portrait der Schriftstellerin ist im Brunnen zu sehen. Foto: Christina Bents
Der Brunnen zeigt die Geschichte des Weiberdorfs als Relief. Foto: Christina Bents

Christina Bents

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