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Vereine
Zwischen Event und Tradition

Verschiedene Flugzeuge – mit und ohne Motor – sind beim Flugplatzfest zu sehen.
Verschiedene Flugzeuge – mit und ohne Motor – sind beim Flugplatzfest zu sehen. FOTO: Christoph Strouvelle
Traben-Trarbach. Fliegen hat an der Mosel Tradition. Jedenfalls in Traben-Trarbach. „1913 ist hier ein Fräulein Charlotte Möhring geflogen“, sagt Stefan Theisen, Geschäftsführer des Deutsch-amerikanischen Segelflugclubs (DASC) Traben-Trarbach.

Charlotte Möhring ist eine Frau mit Geschichte. Denn sie ist die zweite Frau gewesen, die in Deutschland einen Motorflugschein gemacht hat.

105 Jahre später zeigt sich der DASC als moderner Verein, mit vereinseigenem Flugplatz, auf dem Piloten mit Segelflugzeugen, Motorseglern, Ultraleichtflugzeugen und Maschinen der sogenannten ECO-Klasse, das sind viersitzige Motormaschinen, starten und landen können.

Doch das gilt nicht nur für Vereinsmitglieder. Denn die grasbedeckte Piste mit 750 Metern Länge und 30 Metern Breite ist ein öffentlicher Verkehrslandeplatz. „Wir haben im Land den einzigen Verkehrslandeplatz mit Graspiste“, sagt Cheffluglehrer Bela-Brice Engels. „Es gibt alte historische Flugzeuge, die nicht auf Asphaltbahnen starten und landen können“, erläutert Thieser.

Wenn ein Flugzeug in Traben-Trarbach landen will, muss sich der Pilot rechtzeitig anmelden. Übers Wochenende ist der Tower im Sommer regelmäßig besetzt. An anderen Tagen fährt ein Vereinsmitglied, das die Befähigung zum Flugleiter – ähnlich einem Fluglotsen – absolviert hat, zum Tower, gibt dem anfliegenden Piloten die notwendigen Infos wie Windrichtungen und sagt ihm, ob andere Flugzeuge in der Luft sind. Anschließend weist er ihm eine Parkfläche zu. „Zudem garantieren wir, dass der Flugplatz in Ordnung ist“, sagt Krämer. Was nicht selbstverständlich ist. Der Vorsitzende verweist auf Wildschweine, die innerhalb kürzester Zeit eine Landebahn umgraben und unbrauchbar machen können.

Rund 100 Mitglieder hat der DASC laut Hermann Krämer, dem ersten Vorsitzenden des Vereins. „Wir sehen uns als Teil des Event-Angebots, so wie der Kletterpark“, sagt er. So bietet der Verein Rundflüge über Mosel, Eifel und Hunsrück an. Dafür stehen acht vereinseigene Flugzeuge zur Verfügung: ein Motorsegler, eine Ultraleicht- und eine Motormaschine und drei Segelflugdoppelsitzer. Außerdem besitzt der Verein noch zwei Einsitzer für den Segelflug. Alle zwei Jahre stellt sich der Verein beim Flugtag vor.

Wer in Traben-Trarbach das Fliegen gelernt hat, hat mit dem Segler angefangen. „Die Liebe zum Flug kommt vom Segelflug. Das Spiel der Kräfte der Natur prägt“, sagt Thieser. Bis zu 1000 Kilometer können bei idealen Bedingungen ohne Motor zurückgelegt werden. Der Vereinsrekord, aufgestellt in Südfrankreich, liegt bei 1200 Kilometern. In der Region seien 500 Kilometer möglich, an Spitzentagen bei idealen äußeren Bedingungen auch 600 bis 700 Kilometer.

Gegründet worden ist der DASC 1954. Maßgeblich beteiligt waren die amerikanischen Piloten vom Flugplatz Hahn. „Ein Drittel der Gründungsmitglieder waren Amerikaner“, sagt Thieser. Prominentester Vertreter der US-Streitkräfte auf dem Hahn war Charles Yeager, der erste Überschallpilot der Welt.

Wichtig ist dem DASC die Ausbildung von jungen Menschen. Zahlreiche Vereinsmitglieder hätten in Traben-Trarbach ihre ersten Flugversuche gestartet und später eine berufliche Laufbahn zum Piloten, Fluglotsen oder Flugzeugwart eingeschlagen.

  • Weitere Informationen zum DASC Traben-Trarbach gibt es auf der Internetseite des Vereins unter www.moselflugplatz.de
Eine historische Antonov An-2 war im August 2018 eine der Attraktionen in Traben-Trarbach.
Eine historische Antonov An-2 war im August 2018 eine der Attraktionen in Traben-Trarbach. FOTO: Christoph Strouvelle
Cheffluglehrer Bela-Brice Engels an einem Segelflugzeug beim Flugplatzfest des DASC.
Cheffluglehrer Bela-Brice Engels an einem Segelflugzeug beim Flugplatzfest des DASC. FOTO: Christoph Strouvelle
Zum Flugplatzfest kommen regelmäßig viele Besucher.
Zum Flugplatzfest kommen regelmäßig viele Besucher. FOTO: Christoph Strouvelle
Flugleiter Norbert Groß, Cheffluglehrer Bela-Brice Engels, Vorsitzender Hermann Krämer und Geschäftsführer Stefan Thieser (von links) sind Vorstandsmitglieder des DASC Traben-Trarbach.
Flugleiter Norbert Groß, Cheffluglehrer Bela-Brice Engels, Vorsitzender Hermann Krämer und Geschäftsführer Stefan Thieser (von links) sind Vorstandsmitglieder des DASC Traben-Trarbach. FOTO: Christoph Strouvelle
Viele Knöpfe: Das Cockpit der historischen Antonov An-2, die beim DASC zu Gast war (siehe unten).
Viele Knöpfe: Das Cockpit der historischen Antonov An-2, die beim DASC zu Gast war (siehe unten). FOTO: Christoph Strouvelle