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Schleiden
Mehr als 10 000 Arten im Nationalpark

Ein im Gründungsjahr 2004 markiertes Mausohr ging den Forschern 2017 wieder ins Netz.
Ein im Gründungsjahr 2004 markiertes Mausohr ging den Forschern 2017 wieder ins Netz.
Schleiden. Im Nationalpark Eifel ist laut dem Leistungsbericht 2017 erstmals die Marke von mehr als 10 000 erfassten Tier- und Pflanzenarten überschritten worden. Darunter sind nach Angaben von Michael Röös, Leiter der Nationalparkverwaltung, mehr als 2300 gefährdete Arten. „Für uns ist die Brillengrasmücke die Art des Jahres 2017“, sagt Sönke Twietmeyer vom Fachgebiet Forschung und Dokumentation.

„Im vergangenen Jahr konnte erstmals für Mitteleuropa ein Brutnachweis dieser Vogelart, die eigentlich im Mittelmeerraum lebt, erbracht werden.“ Die Elterntiere zogen auf der Dreiborner Hochfläche fünf Jungvögel auf. Herausragend sei zudem der in Nordrhein-Westfalen vom Aussterben bedrohte Wendehals, der mit mehr als acht Brutpaaren im Nationalpark lebt. Er zählt zu den sieben im Nationalpark Eifel vorkommenden Spechtarten.

Die weitaus artenreichste Gruppe der 10 050 Arten ist mit über 50 Prozent die der Insekten, vor allem Käfer, Schmetterlinge, Haut- und Zweiflügler.

Wichtiger als die hohe Zahl ist jedoch die Bedeutung der Arten. So gibt es besonders viele nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützte Arten, die von hoher Bedeutung sind: Wildkatze, Biber, viele Fledermausarten, Mauereidechse, Schlingnatter, Kreuzkröte, Nördlicher Kammmolch und Blauschillernder Feuerfalter.

Vor allem die Fledermäuse sind Indikatoren für die Qualität eines Waldes. In den ersten Jahren nach Nationalparkgründung wurde diese Tiergruppe intensiv untersucht und 2017 wieder aufgenommen. Biogeograph Twietmeyer berichtet: „Besonders freute uns, dass wir einen alten Bekannten wieder getroffen haben. Mausohrmännchen X78766 hatten wir im Gründungsjahr 2004 gefangen und beringt. Jetzt ging die Fledermaus wieder ins Netz und ist schon über 15 Jahre alt.“ Fledermäuse können im Vergleich zu anderen Kleinsäugern sehr alt werden.

Besondere Verantwortung trägt der Nationalpark auch für einige seltene Schmetterlingsarten wie den Blauschillernden Feuerfalter und für die Sumpfspitzmaus.

Für die Nationalparkverwaltung stellt die Inventarisierung des Artenbestandes in den ersten zehn bis 15 Jahren eine Grundlage für nachfolgende Forschungsarbeiten. Dann gilt es, Zustand und Entwicklung der Lebensräume im Nationalpark zu untersuchen. Schwerpunkt: Untersuchungen zur Waldentwicklung unter Prozessschutz in Waldbereichen mit unterschiedlicher Naturnähe, auf Freiflächen sowie auf Grünland in freier Entwicklung. Ebenso werden Kleinstlebewesen in verschiedenen Fließgewässern, der Wildtierbestand und sein Einfluss auf die Waldentwicklung Schwerpunkte bilden. 

Für die Brillengrasmücke ist erstmals ein Brutnachweis für Mitteleuropa erbracht worden.
Für die Brillengrasmücke ist erstmals ein Brutnachweis für Mitteleuropa erbracht worden. FOTO: NORBERT UHLHAAS