Unsere Vereine: Mit 66 Jahren, da ist der Frohsinn bunt

Unsere Vereine : Mit 66 Jahren, da ist der Frohsinn bunt

Der Name klingt nach Anpacken: Seit 6 mal 11 Jahren gibt es die Karnevalsgesellschaft Hau-Ruck in Saarburg-Beurig. Das Jubiläum wird in vier Kappensitzungen zelebriert. Die Stadthalle Saarburg wird entsprechend dem Motto „66 Jahre Karneval, Hau-Ruck anno dazumal“ dekoriert sein.

Eine Schar von 57 Begeisterten legte 1953 als Karnevalsgesellschaft „Buresche“, dem alten Namen des Ortsteils Beurig, los und entwickelte im Laufe der Jahrzehnte daraus einen der größten und bekanntesten Vereine der Stadt. Tradition hat nicht nur die Umsetzung des jeweiligen Mottos, sondern auch das enorme Interesse an Karten für das jeweils fünfstündige Programm. Da steht man auch schon mal Schlange.

Was ist an dieser Karnevalsgesellschaft besonders? „Wir produzieren im Hau-Ruck Frohsinn für Jung und Alt“, sagt der Präsident Johannes Kölling. Vor allem das hohe Niveau ist ihm wichtig: „Die politischen Gäste kommen gerne, obwohl sie wissen, dass sie durch den Kakao gezogen werden.“ Die Inszenierungen werden immer anspruchsvoller, denn: „Wir werden auch an den Fastnachtssendungen im Fernsehen gemessen.“

Eine enorme Leistung hinter den Kulissen ist dafür nötig. 2016 zog die KG in eine eigene Halle mit Werkstatt ein. Dieses Domizil beherbergt den Fundus, die Abteilung mit zehn bis zwölf Näherinnen, zehn Malerinnen, fünf Frauen, die die Kostümverwaltung bilden, und dem 30-köpfigen Bühnenaufbauteam, das alles in der Halle vorbereitet, bevor das Material in die Saarburger Stadthalle gekarrt werden kann. Jeweils bis Ostern muss das Motto für die kommende Session stehen. Es folgt eine Kreativsitzung, in der Ideen fürs Programm gesammelt werden. Im Sommer tagt der Programmausschuss. Alles nimmt Gestalt an. „Bühnenbilder werden bei uns am Computer entworfen“, verrät Andreas Jager, eine der „Bütten-Granaten“ der KG. Seit 1977 begleiten die Original Wunderländer des Musikvereins Beurig die Sitzungen mit Livemusik. Nur einmal fielen die Sitzungen aus: 1991 während des Zweiten Golfkriegs im Nahen Osten.

Drei Mitglieder erzählen

Er ist Ehrenpräsident und ein Urgestein der KG Hau Ruck: Max Kind. Der 88-Jährige erlebte die Anfänge mit und staunt über die heutigen Möglichkeiten, Humor unters närrische Volk zu bringen. „Am Anfang wurde einfach gefragt: ,Machste mit, hast’n Vortrag?‘, erinnert er sich. Vor 66 Jahren sei alles viel spontaner gelaufen. Alles musste eben im „Hau-Ruck-Verfahren“ laufen. Deshalb auch der Name. Die Kostüme waren viel einfacher, und fürs Bühnenbild genügten ein paar Girlanden und Luftschlangen.

Anna Gitzinger ist Chefin der Tanzgruppen. Die 24-Jährige ist eine Fachkraft mit Trainerschein für Breitensport. Sie arbeitet mit sechs weiteren Trainerinnen zusammen um 80 junge Tänzer und Tänzerinnen ab sechs Jahren fit zu halten. „Die Showtanzgruppe übernimmt immer das Motto der Session“, erklärt sie. Die Proben beginnen spätestens nach den Osterferien. „Parallel dazu geht das Nähteam an den Start. Da muss die Nadel flitzen“, sagt Gitzinger verschmitzt. Wer mitmachen möchte, kann sich per E-Mail an annagitzinger@yahoo.de melden.

Hans-Josef Metrich ist Mitglied im Elferrat, dem „Regierungsgremium“ der KG Hau Ruck. „Das sind fünf Stunden auf der Bühne, immer angestrahlt von Scheinwerfern, ohne dass man das Publikum sieht, sondern nur hört“, erklärt der 63-Jährige. Das heißt aber nicht, dass er sonst die Hände in den Schoß legt, denn: „Beim Auf- und Abbau wird jede Hand gebraucht.“ Und, was viele vergessen: „Nach jeder Sitzung muss kräftig aufgeräumt und geputzt werden.“

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