1. Die Woch

Natur: Sandarium für Wildbienen & Co.

Natur : Sandarium für Wildbienen & Co.

Das Team vom Naturpark Saar-Hunsrück erklärt, wie Insektenfreunde ein Sandbeet bauen können.

(red) Wildbienenhäuser sind toll, doch rund 75 Prozent der Wildbienen graben zur Eiablage Gänge, Brutröhren mit ihren Beinen oder den Mundwerkzeugen in offene, unbewachsende Bodenstellen. Denn vorhandene Hohlräume nutzen nur rund 20 Prozent der Wildbienenarten. Die meisten Bewohner der Wildbienenhäuser sind häufige Arten, die nicht unbedingt menschliche Nisthilfen benötigen.

Für ein Sandarium wird eine offene Bodenfläche benötigt, die den Wildbienen möglichst circa zehn Monate ungestört zur Verfügung stehen sollte. Dies ist der Zeitraum, wo eine Larve in ihrer Zelle wohnt, wo sie den beigelegten Blütenstaubvorrat frisst, sich häutet und verpuppt, bis sie im Frühling schlüpfen kann. Diese flügge gewordenen Wildbienen leben nur kurze Zeit. In dieser Zeit pflanzen sie sich fort. Die Männchen sterben schon nach drei bis vier Wochen. Die Weibchen, die das Nest bauen, legen vor ihrem Tod ihre Eier noch ab. Mit dieser Nisthilfe aus Sand werden ein idealer Lebensraum und geeignete Strukturen für die einheimischen bodennistenden Wildbienen sowie für erdnistende Insekten und viele andere Kleinlebewesen geschaffen. Auch am Naturpark-Informationszentrum Hermeskeil wird ein Sandarium entstehen, um die Wildbienen zu unterstützen.

Schritt für Schritt zum Sandarium:

Zunächst wird das Gras abgetragen. Dann wird ungewaschener bindiger Sand mit einem gewissen Lehmanteil (er darf nach dem Trocknen nicht auseinander fallen, z. B. Förmchen-Test) aufgetragen Dieser kann zu einem Hügel bzw. zu einer Schräge geformt werden. So kann auch das Regenwasser leichter ablaufen.
Wer sandigen Gartenboden hat, kann direkt eine Freifläche anlegen.
Die Mindestgröße eines Sandariums ist 40 cm in der Länge und Breite sowie ebenfalls 40 cm in der Tiefe, damit die Wildbienen in Kolonien nisten und tiefe Brutröhren graben können. Besonders sonnige, warme Standorte lieben die Wildbienen. Daher soll das Sandarium nach Süden und regengeschützt ausgerichtet sein (damit die Fläche nicht schnell zuwächst). Die Sandfläche ist möglichst offen zu halten, damit kein Pflanzenwuchs aufkommt. Ein sehr vorsichtiges Jäten ist erlaubt. Die Fläche kann einmal jährlich gemäht werden und das Moos kann punktuell mit dem Rechen oberflächig abgetragen werden. Auch kann die Bedeckung des Sandariums z. B. mit Totholz, Ästen, Wurzeln, etc. erfolgen. Das Abdecken mit Brombeer-Ranken und Rosenschnitt lässt auch keine Katzentoilette entstehen.

Am Rand des Sandariums können Futterpflanze wie Thymian, Lavendel, Oregano, Rosmarin, Zitronenthymian, Fetthenne, Glockenblumenarten, Nelkenarten, Johanniskraut, Moschusmalve, Weinraute etc. sowie blühende Sträucher und Bäume als Nahrungsangebot für die Wildbienen gepflanzt werden. Eine optische Umrahmung der Sand-Bodennisthilfe mit Totholzästen oder Natursteinen ist zu empfehlen. Auch zum Schließen der Wildbienen-Brutröhren- und -höhlen sind Totholzzweige sehr nützlich. An diesen Zweigen können die Wildbienen sich Baumaterial abnagen. Ferner stellen diese Totholzzweige auch einen weiteren Lebensraum für andere Wildbienen, wie z. B. für die Holzbienen, die für ihre Eiablage Totholz benötigen, dar.

Förmchen-Test:

Feuchten Sand in ein Förmchen oder Joghurtbecher drücken, umstürzen und schauen, ob der Sandkuchen stehen bleibt bzw. stabil ist und nicht zerrieselt. Ansonsten würden auch die Brutröhren und -höhlen der Insekten zusammenfallen.

Sandarium auf dem Balkon:

Auch auf dem Balkon kann in einem Kasten oder einer Kartoffelkiste etc. ein Sandbeet entstehen. Wichtig ist, dass der Standort regengeschützt ist und im Sommer nicht zu heiß wird sowie sicher vor den Schnäbeln der Vögel mit Brombeer- oder Rosenzweigen gestaltet wird.

Alternativ können auch mehrere Bretter nebeneinander auf eine Ackerfläche oder auf eine von Bewuchs freie Beetfläche gelegt werden. Darunter können Wildbienen und Insekten nisten.

Tipp: Schaffung luckig bewachsener oder vegetationsfreier Bodenflächen:

• Der alte, ungewaschener bindige Sand aus dem ehemaligen Sandkasten kann als Baumaterial für die Nistplätze der Wildbienen dienen.

• Schaffung von vegetationsfreien Bodenflächen, diese nicht auflockern oder hacken und möglichst nicht gießen.

• Verlegen von Gartenplatten in Sand statt in Splitt.

• Gartenwege nicht mit Rindenmulch abdecken.

• Anlegung von offenen Böschungen mit locker bewachsender Magerwiese.

 Sandbruthöhle der Sandbiene.
Sandbruthöhle der Sandbiene. Foto: Naturpark Saar-Hunsrück/VDN-Fotoportal/gega

• Im Herbst an verschiedenen Standorten im Garten das Gras ziemlich kurz schneiden, so dass im Frühling offene Bodenflächen zu finden sind, wo frisch geschlüpfte Wildbienenweibchen ihre Eier ablegen können und damit die heranwachsenden Larven überwintern können.

  • Informationen über den Naturpark  bei der Naturpark-Geschäftsstelle Hermeskeil, Telefon 06503/9214-0 und info@naturpark.org.