1. Die Woch

Motor: Schweden all inclusive

Motor : Schweden all inclusive

Volvo gibt bei der Elektrifizierung seiner Modellreihen Gas – Fahrbericht mit dem SUV XC90 B6

Viele Hersteller arbeiten an der (Teil-)Elektrifizierung ihrer Modellpalette. Volvo nimmt sich da nicht aus, im Gegenteil. Der skandinavische Autobauer macht Nägel mit Köpfen und hat klare Ziele, die auch so kommuniziert werden. Volvo will nämlich keine Verbrenner mehr entwickeln. Bis zum Jahr 2025 soll die erste Million der elektrifizierten Volvos unterwegs sein. Ständiger Begleiter auf diesem Weg ist ein Mild-Hybrid-System, das sukzessive Eingang in das gesamte Modellprogramm finden soll. Wir fuhren das große SUV XC90 B6 mit einem 300 PS-Aggregat und eben dieser elektrischen Unterstützung.

Ein völlig neu konzipierter Zweiliter-Vierzylinder kooperiert dabei mit dem Mild-Hybriden. Dessen Herzstück sind ein integrierter Startergenerator (ISG), ein 48 V-Bordnetz und ein Bremsener­gie-Rückgewinnungs-System. Das soll beim Anfahren und beschleunigen helfen und den Kraftstoffverbrauch senken.

Einher mit der Teil-Elektrifizierung geht bei Volvo auch die Änderung der Nomenklatur, der Benennung der Fahrzeugmodelle. Der B6 Mild Hybrid AWD, (als reiner Verbrenner auch als T6 AWD bekannt) ist für den neuen Modell-Jahrgang seit Februar 2020 bestellbar.

Das B steht bei Volvo in Zukunft für die Mild-Hybride, die dazugehörige Zahl zeigt die Leistungsstufe an. Im Falle unseres Testwagens also der B6. Welchen Nutzen hat der Fahrer oder die Fahrerin aber und was bemerkt man von den neuen „Heinzelmännchen“ an Bord? Oder besser: Was merkt man zwar nicht, partizipiert aber von den 14 PS Leistung und den 40 Nm des Elektromotors?

Zunächst einmal: Nach dem XC90 kommt bei Volvo – nichts mehr. Zumindest von den Ausmaßen her: 4,95 Meter lang, 1,77 Meter hoch, 2,01 Meter breit. Das ist die Statur eines schwedischen Eishockey-Cracks aus der ersten Sturmreihe. Umso feinfühliger gibt sich der von Komfort, edler Armaturen-Verarbeitung sowie allen möglichen Assistenten überhäufte Wegbegleiter beim Losfahren:

Dreht man also den bekannten Kristallknopf in der Mittelkonsole hört man – nichts. Umso mehr registriert man den Start dank des elektrischen Kompressors: Zwar fehlt das typische Kompressorgeräusch, dieses feinfühlige hochsurren, doch die fast 2,2 Tonnen Stahl setzen sich mühelos, kraftvoll und dennoch kultiviert in Bewegung. Der Mild-Hybrid, der in andere Baureihen der Schweden Einzug halten wird, hat seine Vorteile aufgrund des ständigen Stop and Go vor allen Dingen in der Stadt.

Das Wesentliche, so unser Eindruck, ist aber bei diesem Fahrzeug nicht so sehr der neu entwickelte Zweiliter-Vierzylinder und es ist auch nicht das Zusammenspiel des Verbrenners mit den Systemrelevanten Daten. Der XC90 ist vor allem das, worunter man einen Volvo versteht: Premium-Fahrzeug mit viel konfigurierbarem Raum. Eines, das den Weg zu neuer (zusätzlicher) regenerativer Energie weist und auf dem Weg in die (Teil-)Autonomie ist. Dank des Pilot Assist. Ein System, das – wenn es denn über die Lenkradtaste eingeschaltet ist – dem Fahrer/der Fahrerin dabei hilft, innerhalb der Fahrbahnmarkierungen zu bleiben, eine bestimmte Geschwindigkeit oder einen zuvor festgelegten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu halten. Voraussetzung: Bei 130 km/h ist Schluss, und der Fahrer muss beide Hände am Lenkrad halten.

Ganz ehrlich. Das System ist etwas für, im positiven Sinne, „Technik-Bekloppte“. Wer sich nicht damit auseinandersetzt, wird keine Freude daran haben und vor allem keinen Nutzen daraus ziehen. Hat man sich aber einmal mit Interesse in die Welt des Pilot Assist gestürzt, so wird einem dieser Weg nicht als Labyrinth sondern als wundersame Entdeckungsreise vorkommen.

In diesem Fahrzeug offenbart sich die „schöne, neue Volvo-Welt“. Und wer hat’s gemacht? Nein, nicht die Schweizer. Sondern die Schweden. Und darauf weisen sie am Heck des Fahrzeugs – klein, aber fein mit Schriftzug und Flagge – hin: „Made by Sweden.“