Trier: Mehr Ärzte gegen mehr Einkommen

Trier : Mehr Ärzte gegen mehr Einkommen

Ein Blick auf die Zahlen des Statistischen Landesamts lässt einen die eigene Heimat völlig neu begreifen. Sei es in der Schule oder im Straßenverkehr. Umso interessanter wird es im Vergleich mit dem Nachbarn. Kreis gegen Trier: Die Zahlen verraten, wer in welchen Bereichen die Nase vorn hat

In Sachen macht dem Kreis Trier-Saarburg keiner so schnell etwas vor. In Trier mag es mehr kulturelles Angebot an einem Ort geben – was übernachtende Touristen angeht, hängt der Kreis Trier-Saarburg mit 1,2 Millionen Übernachtungen die Stadt (800 000) aber deutlich ab.

Konkret heißt das: Trierer Betriebe boten vergangenes Jahr fast 5000 Betten an, während den Touristen im Kreis doppelt so viele zur Verfügung standen. Allerdings sind die Trierer Übernachtungsmöglichkeiten erheblich besser ausgebucht als im Kreis. Dort liegt die Bettenauslastung mit 30,1 Prozent (110 Übernachtungen/Bett/Jahr) im rheinland-pfälzischen Mittel. In der Stadt Trier sind die Betten 160-mal im Jahr belegt, das entspricht einer Auslastung von 44 Prozent.

Zu viele Autos in Trier-Zewen und Igel. Dagegen soll der Moselaufstieg helfen, der es in den Bundesverkehrswegeplan geschafft hat. Foto: Friedemann Vetter. Foto: Friedemann Vetter

Wenn man bedenkt, dass Trier und Kreis mehr oder weniger gleich viele touristische Übernachtungsgäste anlockten (430 000 beziehungsweise 360 000 pro Jahr), wird klar: Trier ist offensichtlich für kurze Besuche beliebt – die Touristen, die den Kreis besuchen, bleiben lieber länger.

Ein Blick in die Zahlen, die das statistische Landesamt veröffentlicht, verrät noch einiges mehr über die Stadt, was die meisten so wohl noch nicht wussten.

In Sachen Wirtschaft hängt die Stadt Trier den Kreis Trier-Saarburg ab. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist eine Kennzahl, die anzeigt, wie viele Waren und Dienstleistungen in einem Gebiet pro Jahr verkauft werden. Das BIP des Kreises beträgt pro Kopf 19 000 Euro. Das der Stadt Trier liegt bei 42 000 Euro pro Kopf. Das heißt: Der Gesamtwert der Waren und Dienstleistungen, die in Trier produziert werden, ist etwa doppelt so hoch wie der im Kreis.

Wer nun denkt, dass die Landwirtschaft in den ländlichen Regionen einen großen Anteil an der wirtschaftlichen Leistung hat, liegt allerdings falsch. Die Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei machen gerade einmal 1,7 Prozent der Bruttowertschöpfung im Kreis aus (in Trier 0,1 Prozent). Sowohl in der Stadt als auch im Kreis machen Dienstleistungen den größten Teil der Bruttowertschöpfung aus.

Hier macht sich das Stadt-Land-Gefälle mit am stärksten bemerkbar. In Trier sind 291 Ärzte niedergelassen. Da sind Allgemeinmediziner, Fachärzte, Zahnärzte und andere eingerechnet. Im Kreis Trier-Saarburg – dem Gebiet, auf dem mehr Bürger wohnen –, gibt es nur 169 niedergelassene Ärzte.

Apropos Bürger: Die Einwohner des Kreises sind im Schnitt älter als die der Stadt Trier. Die größten beiden Altersgruppen im Kreis sind die 50- bis 64-Jährigen und die 65- bis 79-Jährigen. Sie machen jeweils 26 Prozent der Bevölkerung aus. In Trier sind diese Gruppen kleiner. Dort dominieren die 20- bis 34-Jährigen mit 28 Prozent, das entspricht 31 128 Personen, von denen wohl viele Studenten sind.

Insgesamt leben nach den Zahlen des Landes in Trier 110 000 Menschen (Stand 2016). Im Kreis Trier-Saarburg leben mit 148 000 deutlich mehr Menschen. Knapp zehn Prozent von ihnen sind Ausländer; in der Stadt sind es 13 Prozent.

Im Kreis haben die Menschen mehr Platz zum Wohnen. In Trier hat jeder Einwohner rund 43,8 Quadratmeter Fläche zum Leben. Im Kreis sind es fünf Quadratmeter oder gut zehn Prozent mehr (48,4 Quadratmeter). Einfamilienhäuser bieten in Trier rund 134 Quadratmeter Fläche für ihre Bewohner. Im Kreis Trier-Saarburg sind sie im Schnitt fast 140 Quadratmeter groß.

47 der 62 allgemeinbildenden Schulen im Kreis sind Grundschulen. Im Kreis gibt es außerdem fünf Realschulen plus, fünf Gymnasien, vier Förderschulen und zwei Berufsbildende Schulen an drei Standorten. Zusätzlich gibt es zwei Hauptschulen und eine Integrierte Gesamtschule.

Insgesamt 13 224 Schüler besuchen zurzeit diese Schulen. In Kindertageseinrichtungen und in der staatlich geförderten Kindertagespflege im Kreis wurden vergangenes Jahr etwa 6139 Kinder betreut.
In Trier ist der Anteil der Menschen größer als im Kreis Trier-Saarburg, die eine Grundsicherung für Arbeitssuchende bekommen – also Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld. In Trier sind es 7000, was einen Anteil von 7,4 Prozent ausmacht. Im Kreis sind es 4000 Menschen, was einen Anteil von 3,6 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Wer in der Stadt wohnt, kommt besser ohne Auto aus. Die Zahlen des statistischen Landesamts zeigen: Auf 100 Stadtbewohner kommen 45 Autos, im Kreis Trier-Saarburg sind es 64 Autos auf 100 Einwohner. Neben den Autos fahren auch zahlreiche Busse, LKW und andere Gefährte in der Stadt.

Spannend ist auch ein Blick auf die Pendler. Jeden Morgen und jeden Abend gibt es unter der Woche eine riesige Bewegung von Menschen, die in den Kreis fahren, um dort zu arbeiten. Ihnen entgegen kommen die, die den Kreis verlassen.

Die zweite Gruppe ist deutlich größer: 11 600 Pendler fahren morgens von außerhalb in den Kreis, 26 700 fahren morgens aus dem Kreis heraus – zum Beispiel nach Trier. In Trier sieht das sogenannte Pendlersaldo, also Einpendler minus Auspendler, anders aus. Es fahren 21 300 mehr Menschen in die Stadt, als aus der Stadt heraus fahren, um zu arbeiten.

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