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Trittenheim
Wo sich Schwarzer Bär und Mauereidechse treffen

Der Fährfels bei Trittenheim an der Mosel.
Der Fährfels bei Trittenheim an der Mosel. FOTO: Christina Bents
Trittenheim. Der Fährfels in Trittenheim ist ein imposanter Schieferfels. Seit 1500 Jahren werden dort Reben angebaut. Die Pflanzen- und Tierwelt an dem schroffen Fels ist sehr vielfältig – und der Wein aus dem Wingert ausgezeichnet.

Viel Arbeit haben sich die beiden Winzer Helmut Clüsserath und Gerhard Eifel gekauft, als sie 1997 den Fährfels von der Stiftung des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums Trier erstanden haben. Der Fährfels ist ein mächtiger Fels in der Lage Trittenheimer Apotheke. Er besteht aus Devonschiefer. Auf mehreren Terrassen, die mit Schiefermauern befestigt sind, wachsen rund 2000 Rieslingreben aus dem Pflanzjahr 1900.

„Wir teilen uns die Arbeit im Fährfels mit dem Weingut Gerhard Eifel“, erzählt Verena Clüsserath, vom Weingut Clüsserath-Weiler. „Es ist alles Handarbeit in diesem Weinberg, 115 Stufen sind es, bis man dort ist, aber dafür wird man jedes Jahr mit einem besonderen Wein belohnt.“

Eine Sonnenuhr zeigt, wie sonnig es auf dem nach Südwesten exponierten Hang ist.
Eine Sonnenuhr zeigt, wie sonnig es auf dem nach Südwesten exponierten Hang ist. FOTO: Christina Bents

Die Trauben für 500 bis 1000 Liter Wein ernten die Winzer hier, den das Weingut Clüsserath-Weiler feinherb ausbaut. „Der Wein hat einen ausgeprägten mineralischen Charakter, mit einer kräutrigen Note“, erklärt Clüsserath. „Manche Weintrinker meinen auch, den Wermut, der am Fährfels wächst, herauszuschmecken.“

Ein Blick vom Fährfels auf die Zwillingsfährtürme aus der Kurfürstenzeit.
Ein Blick vom Fährfels auf die Zwillingsfährtürme aus der Kurfürstenzeit. FOTO: Christina Bents

Damit die über 100 Jahre alten Reben weiter Früchte hervorbringen, muss man sie besonders pflegen. „Man muss genau überlegen, wie viel Trauben man ihnen noch zumuten kann, deshalb schneiden wir sie ertragsreduziert an, halten das Bodenleben in Ordnung, indem wir Humus einbringen“, sagt Clüsserath. „Und alle zwei bis drei Jahre reißen wir den Boden mit der Hacke, von Hand, auf.“ Da seien dann Vertreter beider Weingüter dabei.

Die Aussichtsplattform auf dem Fährfels mit Blick auf Trittenheim.
Die Aussichtsplattform auf dem Fährfels mit Blick auf Trittenheim. FOTO: Christina Bents

Um zum Fährfels zu gelangen, muss man nach den Treppenstufen ein kleines Pfädchen entlang gehen, so gelangt man zu einem Aussichtsplateau, dass die beiden Weingüter geschaffen haben. Um zu zeigen, wie viele Sonnenstunden es im Fährfels gibt, haben sie zudem eine Sonnenuhr aufgestellt.

Es sind aber nicht nur die Reben, die sich am Fels, der die Wärme sehr gut speichert und abgibt, wohlfühlen, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt. Deshalb ist der Fährfels auch als „Leuchtpunkt der biologischen Vielfalt“ ausgezeichnet.

Dort wachsen Pflanzen, die sonst eher in mediterranen Gefilden vorkommen, beispielsweise der Goldlack, der aus den Mittelmeerländern stammt und warme, nähr- und stickstoffreiche Böden an Sonnenstandorten mag. Im April und Mai sieht man ihn dicht wachsend auf dem Felsen.

Eine Legende erzählt davon, wie er in den Felsen kam. Ein Winzer namens Kornelius Fritsch wanderte 1897 von Trittenheim nach Amerika aus. Am Abend vor seiner Abreise kletterte er auf den Felsen und verstreute Goldlacksamen, damit sein Heimatdorf und seine liebste Freundin ihn nie vergessen sollten.

Neben dem Goldlack sind im Fährfels roter Klatschmohn, Weißklee, Wicken, Ehrenpreis und Komparslattich zu finden – alles Pflanzen, die viele Insekten anlocken. In den Trockenmauern finden Fetthenne, scharfer Mauerpfeffer, Moose, Farne und Flechten gute Lebensbedingungen.

Auch Mauereidechsen und Weinbergsschnecken leben hier. Wespen, Fliegen, Spinnen, Käfer, Wanzen, Marienkäfer und Vögel halten Schädlinge von den Reben fern. Eine Vielfalt an Schmetterlingen wie Zitronenfalter, Mauerfuchs, Kohlweißling und sogar den „Schwarzen Bär“, der auf der „Roten Liste“ der gefährdeten Tiere in Deutschland steht, kann man beobachten.

Seinen Namen hat der Fährfels übrigens, weil dort ursprünglich die Fähren landeten und man das Seil der Ponte im Fels verankern konnte. Rund 100 Meter entfernt vom Fährfelsen steht einer der beiden Fährtürme, die in kurfürstlicher Zeit errichtet worden sind und als einziges Fährturmpärchen an der Mosel unter Denkmalschutz stehen.