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Streuobstwiesen: Schwere Zeiten für die Streuobstwiesen

Streuobstwiesen : Schwere Zeiten für die Streuobstwiesen

Die Kulturlandschaft bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen - Experten sehen den Erhalt jedoch als gefährdet an.

Streuobstwiesen klingen idyllisch. Eine schöne Wiese mit Obstbäumen, unter denen man Picknicken kann, im Herbst eigene Früchte ernten, die man zu Marmeladen, Obstbränden oder Viez verarbeitet. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn Obstbäume brauchen Pflege Sie müssen geschnitten werden und von Misteln befreit. Die Wiesen darunter sollten gemäht sein, damit man das Obst im Herbst besser aufsammeln kann. Das Gras, das darunter ist, wurde früher übrigens als Streu für den Stall genutzt, woher der Name auch stammt.

Genaue Zahlen, wie sich die Flächen mit Streuobst entwickeln, gibt es bei den Behörden kaum. Pascal Paulen, DLR Berater Agrar- und Umweltmaßnahmen, kann nur etwas zu geförderten Bäumen im Rahmen des „EULA“-Programms sagen, für die man 5 Euro Zuschuss bekommt. In Daun gibt es 350 Bäume, die eine solche Förderung bekommen, im Eifelkreis Bitburg-Prüm sind es 650, in Trier-Saarburg 600 und im Landkreis Bernkastel-Wittlich 700. Er sagt: „Die Zahlen geben aber keinen realistischen Blick auf die tatsächlichen Bäume wieder, denn beispielsweise in Bitburg-Prüm waren es im Jahr 2015 noch 2300 Bäume, die gefördert wurden.“ Pro Hektar liegt die Empfehlung bei 35 bis 60 Bäumen, es können aber bis zu 99 Bäume auf einem Hektar angepflanzt werden. In den Flächennutzungsplänen gibt es ebenfalls keine definierten Zahlen zu Streuobstwiesen.

Insgesamt sieht der Streuobstberater Jürgen Lorenz die Situation der Streuostwiesen, auf denen Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen zählen, als „ganz schwierig“ an. Er erklärt: „Es gibt zwei gegenläufige Tendenzen.  Zum einen haben wir viele Beratungstermine, bei denen Privatpersonen oder Vereine gerne etwas für die Biodiversität tun möchten, indem sie eine Streuobstwiese anpflanzen.“ In den Streuobstwiesen gibt es eine große biologische Vielfalt. Mit 5000 Tier- und Pflanzenarten sowie 3000 Obstsorten spielen sie hier eine große Rolle.

Weiter sagt Jürgen Lorenz: „Dabei stellt sich aber die Frage, was aus den Bäumen wird, denn sie werden bis zu 80 Jahre alt und müssen betreut werden. Wenn man sie nur setzt und nicht mehr danach schaut, sind sie nach zehn Jahren kaputt. Die Bäume, die in den 50er Jahren gepflanzt wurden, sind jetzt groß.“ Wie viele Obstwiesen nach der Beratung tatsächlich angelegt werden, wird ihm nicht zurückgemeldet. Positiv sieht er, dass immer wieder nach neuen Möglichkeiten der Verwertung des Obstes gesucht wird, Vereine gründen sich, die auf Regionalität wert legen und ihr eigenes Obst haben möchten, viele junge Menschen steigen ein und produzieren ihren eigenen Viez. Es gibt das Netzwerk Wittlicher Streuobstwiesen, der Nabu im Kreis Trier-Saarburg ist sehr aktiv, ein Streuobstforum im Eifelkreis Bitburg-Prüm vom Streuobstbüro Südeifel steht in den Startlöchern. Zudem gibt es Vereine, die aus Ausgleichsflächen Streuobstwiesen mit Patenschaften machen, wie beispielsweise in Hetzerath oder es werden öffentliche Naschgärten angelegt, wie in Irrel. Im Nebenerwerb wird bei Rudi Müller in Pluwig aus Streuobst gekeltert und der Verein Bitz Streuobstinitiative Hunsrück hat sich schon vor mehr als 20 Jahren gegründet.