1. Die Woch

Unsere Vereine: Sie wollen das Moseltal zum Naturpark machen

Unsere Vereine : Sie wollen das Moseltal zum Naturpark machen

Die Naturparkinitiative Mosel-Umlaufberge setzt sich ein für eine Region mit bemerkenswerter Vergangenheit: Alte Flussschleifen prägen das Landschaftsbild.

(red) Die Mittelmosel-Region möchte Akzente setzen und besinnt sich auf ihre Stärken. Ein eigens dafür gegründeter Verein möchte einen Naturpark etablieren und so die Mittelmosel für Bürger und Besucher attraktiver gestalten. Ein Naturpark könnte den regionalen Wirtschaftsstandort im ländlichen Raum und vor allem die regionale Identifikation in der jüngeren Generation vertiefen.

Das Moseltal gehört zu den bedeutendsten Kulturlandschaften Deutschlands. Es ist ein einmaliges interessantes Beispiel für die geomorphologische Talentwicklung mitteleuropäischer Flusslandschaften. Beeindruckende Schleifen und Mäander, Steilhänge, Weinberge, Felsengärten und ein tief in die Landschaft geschnittenes Flussbett. So kennen und lieben Einheimische und Gäste die Mosel. Wann die abwechslungsreiche Landschaft und die asymmetrischen Flussschleifen entstanden sind und warum sie sich gerade an der Mittelmosel zwischen Trier und Cochem entwickelt haben, ist aus der Talgeschichte zu erklären.

Ganz besonders wird die Entstehung der Moselmäander und deren Geologie an den Umlaufbergen (siehe Hintergrund) deutlich. Der Verein Naturparkinitiative Mosel-Umlaufberge wurde Anfang 2020 gegründet und möchte dieses einzigartige Landschaftsbild langfristig zu einem Naturpark entwickeln – mit all seinen Vorteilen für die Region und kommunale Entwicklung. „Ein solches Gebiet würde sich hervorragend zwischen den schon bestehenden Naturparken Vulkaneifel und Hunsrück-Saar integrieren“, kommentiert der 1. Vorsitzende Markus Fries. Besonders zwischen Brauneberg und Lieser, rechts und links der Mosel, kann man die Flussentwicklung heute noch erleben. Gerade hier, etwas flussaufwärts von Bernkastel-Kues, gab es dramatische Änderungen der Flusslandschaft. „Zusammen mit den Ortsgemeinden und den Tourismusinstitutionen könnten wir gemeinsam regionale Projekte entwickeln. Kontakte zu den Ministerien haben wir schon aufgenommen“, bemerkt Fries.

„Wussten Sie, dass die Ur-Mosel rund 180 Meter über dem heutigen Flussbett verlief und mehrere Kilometer breit war? Dass sie auf ihrem Weg in die Tiefe Täler ausgespült und ganze Berge durchbrochen hat?“, fragt die Naturerlebnisbegleiterin und 2. Vorsitzende Sibylle von Schuckmann-Karp. „Enge Kurven weiteten sich im Lauf der Zeit durch Ausspülung und an mehreren Stellen kam es zum Durchbruch. Zurückblieben trockene Flusstäler und Umlaufberge, die heute nicht mehr von der Mosel umflossen werden. Gleich drei dieser Durchbrüche und Umlaufberge liegen hier unmittelbar beieinander: Das ist einmalig an der Mosel.“

Heute sieht man bei Mülheim und Lieser sich weit in die Landschaft öffnende, breite Täler – ganz anders als sonst an der Mosel, wo zumindest ein Steilhang den Fluss einengt. Erst wenn man diese Täler als Trockentäler eines früheren Flusslaufes erkennt, ahnt man die gewaltigen Veränderungen der Landschaft.

Früher bog die Mosel noch vor Mülheim fast rechtwinklig Richtung Süden nach Burgen ab, umfloss den sehr schmalen Geisberg bei Veldenz und kreuzte bei Mülheim das heutige Bett der Mosel. Hinter dem Brauneberg von Mülheim kommend floss sie in einer weiten Schleife nordwestlich über Maring, Noviand, Osann und Platten und dann zurück an Noviand vorbei, um bei Lieser wieder im heutigen Flussbett anzukommen.

Mechthild Braun, Schriftführerin im Verein hebt besonders die Vorteile für die Lebensqualität der Bürger hervor: „Im unverwechselbaren Landschaftsraum Mosel-Umlaufberge genießen Einwohner wie Touristen die facettenreiche Natur- und Kulturlandschaft. In keiner anderen Moselregion kann man in einer Wanderung von nur zwei bis drei Stunden Moselgeschichte vom Urstromtal bis zum heutigen Flussbett durchlaufen und gleichzeitig Trockentäler, drei Moseldurchbrüche und drei Umlaufberge bestaunen – man muss sie nur wahrnehmen und verstehen.“

Aber keineswegs ist der Verein nur auf alten eingefahrenen Spuren unterwegs – im Gegenteil: das jüngste Vorstandsmitglied Lenz Jakoby, selbst Jungwinzer im Tal klingt euphorisch: „Wir werden mit modernen Medien Erdgeschichte, Natur und Landschaft hautnah erlebbar machen und können so die regionale Identifikation in der jüngeren Generation stärken – wir liegen hier voll im Trend.“

Der Verein ist noch sehr jung, eine Mitgliedschaft steht offen für alle Bürger, kommunalen Träger und Organisationen. Gerade das Engagement aus der Bürgerschaft wird positiv in der Politik aufgenommen. Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Ein Logo wurde auch schon gefunden, und die ersten Flyer sind im Umlauf.

Gerade in der heutigen Zeit, in der Artensterben, Klimawandel und besonders die Corona-Pandemie die Lebensverhältnisse entscheidend beeinflussen, will die Initiative den Blick für den heimischen Lebensraum schärfen und verantwortlich für die nachfolgenden Generationen handeln.

Hintergrund

Wenn der Fluss den Berg zerbricht

Ein Umlaufberg ist ein Berg, der ehemals von einem Fluss umlaufen wurde. Er kann aus einer Flusskrümmung entstehen, wenn zwei Prallhänge einander direkt gegenüber liegen und so viel Material weggeschwemmt wird, dass der  Fluss die Engstelle durchbricht. Die alte Flussschleife wird zum Trockental.

Bei Burgen, Platten, Osann-­Monzel, Veldenz, Mülheim, Lieser, Brauneberg, Maring- Noviand und Siebenborn gibt es auf engstem Raum gleich drei Umlaufberge. Diese einmalige Konzentration, die sich vom Brauneberg aus überblicken lässt, ist ein Alleinstellungsmerkmal an der Mosel.

Extra

Eine besondere Flora und Fauna

In einer einzigartigen Vielfalt präsentiert sich die Region um die drei Umlaufberge. Die Besucher können Ausblicke auf den ehemaligen und den heutigen Flusslauf der Mosel, auf Trockentäler sowie Prall- und Gleithänge bestaunen. Abwechslungsreiche Felsformationen belegen die Entstehung des Flusstals und weisen bei freiliegenden Felsen eine ganz spezielle Fauna und Flora auf.

Dieser extreme Lebensraum, mit sehr warmen, flachgründigen, mineralischen und trockenwarmen Standorten ließ die Arten Strategien entwickeln, die genau an diese Bedingungen angepasst sind. Natürliche Felsengärten für Spezialisten entstehen, die ohne jeden menschlichen Einfluss existieren. Sedum, Steinbrech, Streifenfarn, Wimpernperlgras, Salbei-Gamander, Habichtskräuter und Weinbergslauch sind typische Pflanzenarten dieses Biotops.

Auch Tiere nutzen diesen Lebensraum und legen in den Löchern der Felsen Bruthöhlen an oder brüten auf den Felsvorsprüngen und in geschützten Nischen. Die vom Aussterben bedrohte Zippammer ist hier angesiedelt und noch zu hören. Die Leittierart der Mosel, die Mauereidechse, teilt sich ihren bevorzugten Lebensraum mit der Schlingnatter, Wärme liebenden Tagfaltern und Wildbienenarten. Mit Gartenschläfer, Wildkatze und Rotmilan kommen zudem drei der zwölf Tierarten vor, für die Deutschland eine ganz besondere Verantwortung trägt, weil sie entweder ausschließlich oder zu einem besonders hohen Anteil in Deutschland vorkommen.

Selbst Baumarten kommen mit diesen Bedingungen zurecht. Die Traubeneiche wächst sie sehr langsam und knorrig, bleibt kleinwüchsig und kann sehr alt werden. Der Französische Ahorn als Relikt aus der Eiszeit ist ebenso ansässig wie die Felsenbirne, der Wollige Schneeball und der Echte Kreuzdorn.

In einem Naturpark Mosel-Umlaufberge sollen durch ein Info-Zentrum, an Aussichtspunkten, auf Schautafeln, in „Grünen Klassenzimmern“, bei Workshops, Vorträgen und Erlebnisführungen entlang spannender „Felsengärten“, Natur und Landschaft für Einheimische und Touristen eindrucksvoll erlebbar gemacht werden.

Info

Naturpark-Initiative Mosel-Umlaufberge

Folgende Projekte sind in Planung: Freistellung der Felsköpfe/Felsengärten, Themenwege, Aussichtspunkte, Schulprojekte, eine neue interaktive Webseite und ein wissenschaftliches Forum für 2021.

Kontakt: Markus Fries, Telefon 06535/493 E-Mail markus.fries@naturpark-mosel.de

In einem 3D-Modell hat die Naturparkinitiative die Umlaufberge (Noviander Hüttenkopf, Maringer Berg und Geisberg) nachgebildet und mit einem blauen Seil den ehemaligen Verlauf der Mosel gekennzeichnet. Foto: Daniel John
Ehemalige Moselschleifen und Umlaufberge sind noch heute sichtbar, auch wenn der Fluss zwischen Brauneberg und Andel jetzt fast gerade verläuft. Foto: Naturparkinitiative Mosel-Umlaufberge
Naturparkinitiative Mosel-Umlaufberge Foto: Naturparkinitiative Mosel-Umlaufberge
Naturparkinitiative Mosel-Umlaufberge Foto: Naturparkinitiative Mosel-Umlaufberge
Die Mauereidechse ist Leittierart der Mosel. Foto: Naturparkinitiative Mosel-Umlaufberge

Weitere Informationen gibt es auf  www.naturpark-mosel.de