1. Die Woch

Unsere Vereine: So geht Integration

Unsere Vereine : So geht Integration

Seit fünf Jahren sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Café Asyl in Daun um das Wohl und die Integration der Flüchtlinge bemüht. Allerdings macht Corona zurzeit das Leben schwer.

„Wir haben schnell erkannt, dass wir was tun mussten“, sagt Rita Schmaus aus Daun. Als Vorstandsmitglied und Mitarbeiterin der Tafel hatte sie bereits Ende 2014 den ersten Kontakt mit den Flüchtlingen aus Syrien und anderen Ländern. Weder kannte sie die Sprache noch andere Gepflogenheiten aus dem neuen Kulturkreis. Man habe sich irgendwie verständigt, „meistens mit Händen und Füßen“, sagt Rita Schmaus.

Schnell wurde überlegt wie man helfen könne, die Idee zum Café Asyl war quasi geboren, aber wo sollte man hin? Es war bekannt, dass das Haus der Jugend (HdJ) montags geschlossen hatte. In Absprache mit dem Stadtbürgermeister und dem Vorstand des HdJ gab es dann grünes Licht für einen Treffpunkt: das Café Asyl im HdJ. Bereits im Vorfeld haben sich aufgrund eines Aufrufs im Trierischen Volksfreund mehr als 20 freiwillige Helfer gemeldet, „nach und nach kamen immer mehr Hilfsangebote dazu, die sich um die anfänglich bis zu 100 Migrantinnen und Migranten kümmerten“, sagt Schmaus, die das HdJ-Projekt leitet.

Die Türen des Café Asyl öffneten sich am 2. Februar 2015. So konnte den Immigranten in vielen Lebenslagen geholfen werden. Informiert über den Treffpunkt habe man die Flüchtlinge während der Öffnungszeiten der Tafel, der Ausländerbehörde und über Flyer in verschiedenen Sprachen. Fahrdienste der Helfer brachten die Menschen auch aus den anderen Dörfern nach Daun. „Das war anfangs total überlaufen, wir hatten W-Lan und nun konnten die Leute endlich mit der Heimat Kontakt aufnehmen“, sagt Rita Schmaus. Es wurden Deutsch- und Alphabetisierungskurse angeboten, Nähmaschinen angeschafft und Nähkurse gegeben, eine Fahrradwerkstatt eröffnet sowie viele andere Projekte. Bis heute alles finanziell unterstützt von Spenden der Menschen aus der Region.

Den vielen jungen Männern, die unter den Flüchtlingen waren, gab man unter der Leitung von Markus Thielen in einer Mitmachwerkstatt des HdJ die Gelegenheit, sich handwerklich ausbilden zu lassen. So entstand eine Lounge mit Überdachung gleich hinter dem HdJ. Ein spezieller Kurs „Deutsch im Handwerk“ führte die jungen Männer schon nach einem Jahr hinein ins Berufsleben, sei es als Aushilfsjob oder Hilfsarbeiter bei verschiedenen Unternehmen. „Heute sind viele bereits fest angestellt“, weiß Rita Schmaus.

Eine kleine Gartenanlage mit Hochbeeten hinter dem HdJ, ebenfalls erbaut in der Mitmachwerkstatt, erlaubte es den Frauen ihre Kräuter, Zucchini oder Paprika zu ernten. Und ja, die Frauen wollten kochen. Es dauerte nicht lange, bis von den Verantwortlichen des Projekts Café Asyl eine Gelegenheit gefunden wurde. Die evangelische Kirchengemeinde stellte fortan einmal im Monat dienstags ihre Küche zur Verfügung. Hier konnten die Immigrantinnen aus verschiedenen Ländern ihre gewohnten Speisen zubereiten „und wir haben dann immer alle zusammen gegessen“, sagt Schmaus.

Eine der Immigrantinnen, Hanifa Mohamad, hat inzwischen sogar ein Kochbuch geschrieben, das vom Café Asyl herausgegeben wurde. Die Syrerin hat ebenso bereits zwei Kochkurse in der Volkshochschule angeboten. „Sie ist mit ihrer Familie hier angekommen“, freut sich Rita Schmaus.

Bereits einige Monate nach der Eröffnung des Cafés Asyl wurde ein großes Sommerfest gefeiert, überhaupt wurden jährlich alle Feste gefeiert wie sie fielen und die Sitten und Bräuche wie Weihnachten oder Karneval erklärt. So erinnert Rita Schmaus sich gerne an ein großes Weihnachtsfest, bei dem mehr als 300 Flüchtlinge im Kundencenter eines spendablen Unternehmens in Daun mitfeierten.

 Das Hochbeet hinter dem Haus der Jugend in Daun gab die Inspiration zum heutigen Garten in der Darscheider Straße.
Das Hochbeet hinter dem Haus der Jugend in Daun gab die Inspiration zum heutigen Garten in der Darscheider Straße. Foto: Rita Schmaus
 Rita Schmaus bei der Arbeit.
Rita Schmaus bei der Arbeit. Foto: Lydia Vasiliou
 Der Café-Asyl-Garten in der Darscheider Straße wurde während der Corona-Pandemie neuer Treffpunkt des Vereins. Foto: Rita Schmaus
Der Café-Asyl-Garten in der Darscheider Straße wurde während der Corona-Pandemie neuer Treffpunkt des Vereins. Foto: Rita Schmaus Foto: Rita Schmaus
 Ein Ausflug des Vereins Café Asyl in den Dauner Erlebnispark.
Ein Ausflug des Vereins Café Asyl in den Dauner Erlebnispark. Foto: Rita Schmaus
 Weihnachts-Bescherung im Café Asyl.
Weihnachts-Bescherung im Café Asyl. Foto: Rita Schmaus
 Büffet bei einer Party im Café Asyl in Daun. Foto: Rita Schmaus
Büffet bei einer Party im Café Asyl in Daun. Foto: Rita Schmaus Foto: Rita Schmaus
 Gemeinsames Essen im Café Asyl. Foto: Rita Schmaus
Gemeinsames Essen im Café Asyl. Foto: Rita Schmaus Foto: Rita Schmaus
 Tag der offenen Tür im Café Asyl.
Tag der offenen Tür im Café Asyl. Foto: Rita Schmaus
 Elternschule im Café Asyl mit Lena Marx (rechts).
Elternschule im Café Asyl mit Lena Marx (rechts). Foto: TV/Rita Schmaus

Aber dann kam Corona. „Von heute auf morgen hatten wir keine Heimat mehr“, bedauert Schmaus, denn die Räumlichkeiten dürfen nur sehr eingeschränkt genutzt werden. Glücklicherweise gibt es aber noch den Garten in der Alten Darscheider Straße, der von der Erbengemeinschaft Jung 2017 zur Verfügung gestellt wurde. Hier kann man sich auch in Corona-Zeiten an der frischen Luft treffen, den Garten bewirtschaften oder einfach nur reden. Über das Projekt „Dialogbotschafter“ des Landes Rheinland-Pfalz, das das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe und in der Integrationsarbeit fördert, habe man Fördergelder bekommen und damit drei Gartenhäuschen errichten können, so dass man sich nun auch unter Corona-Bedingungen treffen könne, sagt Rita Schmaus, „unser großes Ziel ist es, in unser altes Café Asyl zurück zu können oder wegen der Corona-Auflagen einen größeren Raum zu finden“.