1. Die Woch

Landwirtschaft: Strukturwandel im Land der Rüben und Reben

Landwirtschaft : Strukturwandel im Land der Rüben und Reben

Immer weniger Betriebe mit immer weniger Mitarbeitern bewirtschaften die landwirtschaftlichen Flächen im Land. Es gibt allerdings auch Bereiche, die wachsen.

Wenn nicht gerade eine Pandemie die Welt beherrscht, treffen sich um diese Zeit im Jahr viele Menschen, die mit Landwirtschaft zu tun haben, zur Internationalen Grünen Woche in Berlin. In diesem Jahr wurde auch diese Veranstaltung zu einem rein virtuellen Event.

Am Mittwoch und Donnerstag gab es im Internet eine Reihe hochkarätig besetzter Veranstaltungen. Die Verkostung aller möglicher land- und weinwirtschaftlich erzeugter Lebensmittel, sonst ein bedeutender Teil des Geschehens, entfiel. Nicht entfallen ist jedoch, dass das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz in Bad Ems pünktlich zur Grünen Woche die aktuellsten Zahlen zur Entwicklung der Landwirtschaft im Land vorgelegt hat. Sie belegen, dass der Strukturwandel in diesem für die Region besonders wichtigen Wirtschaftszweig unvermindert fortschreitet.

So bewirtschafteten zum Erhebungsstichtag, dem 1. März 2020, in Rheinland-Pfalz 16 400 Betriebe insgesamt 709 700 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Knapp 1700 Betriebe oder zehn Prozent von ihnen wirtschafteten ökologisch. Sie bewirtschafteten eine Fläche von 83 100 Hektar. Davon befanden sich rund 13 Prozent in der Umstellung von konventioneller zu ökologischer Bewirtschaftung.

Ein Vergleich zu 2010 zeigt, dass vor zehn Jahren noch 20 600 Betriebe am Werk waren. Ein Minus von gut einem Fünftel. Bei nahezu gleichbleibender landwirtschaftlich genutzter Fläche führt die Abnahme der Betriebszahl zu einem Wachstum der übrig bleibenden Betriebe: Die durchschnittliche Betriebsgröße im Jahr 2020 betrug laut Statistischem Landesamt 43 Hektar. 2010 waren es 34 Hektar.

Parallel zu diesem Trend wuchs die Zahl der Öko-Betriebe deutlich. Denn 2010 gab es davon im Land erst 800. Ihre Fläche war mit 36 000 Hektar weniger als halb so groß wie 2020.

Die zahlenmäßig meisten Betriebe (35 Prozent) haben ihren Produktionsschwerpunkt im Weinbau. Auf den Ackerbau sind 28 Prozent der Betriebe spezialisiert. Auf Futterbaubetriebe – wie beispielsweise Milchviehhalter – entfallen knapp 23 Prozent.

Doch der Strukturwandel macht auch vor dem Weinbau nicht halt: Die Größenstruktur verändert sich auch hier hin zu weniger Betrieben mit größeren Rebflächen. 2010 waren es noch 9500 Stück, 2020 nur noch 6600. Ein durchschnittlicher Betrieb bewirtschaftete 2020 knapp zehn Hektar Rebfläche, 2010 waren es knapp sieben Hektar.

Rund 6200 Betriebe hielten zum Stichtag Vieh. Durchschnittlich verfügen sie über einen Viehbesatz von 46 sogenannten „Großvieh­einheiten“. Insgesamt schrumpft der Viehbestand im Land nach Angaben der Statistiker jedoch weiter. Dabei verliert die sogenannte Anbindehaltung weiter an Bedeutung. Insgesamt sind 77 800 Arbeitskräfte in der rheinland-pfälzischen Landwirtschaft tätig, davon sind 21 Prozent vollbeschäftigt. Die Zahl der ständigen Arbeitskräfte, die nicht zur Familie des Hofeigentümers gehören, stieg auf 14 500 Arbeitskräfte. Ihr Anteil an den Arbeitskräften insgesamt liegt bei 19 Prozent.

 Insgesamt arbeiten aber immer weniger Menschen in der Landwirtschaft: Im Rahmen der Erhebung 2010 wurden noch 99 400 Arbeitskräfte erfasst.

Und die Zukunft sieht für viele Betriebe alles andere als rosig aus: Denn nur in jedem fünften Familienbetrieb, dessen Leiterin oder Leiter 55 Jahre oder älter ist, gibt es laut Statistischen Landesamt eine Hofnachfolge.

Zugleich stieg der durchschnittliche Pachtpreis für landwirtschaftlich genutzte Fläche binnen zehn Jahren deutlich: Betrug er 2020 rund 261 Euro pro Hektar, so waren es 2010 nur 199 Euro gewesen. Damit ist das durchschnittliche Pachtentgelt seit 2010 jährlich um rund 3,1 Prozent gestiegen.