1. Die Woch

Unsere Vereine: Taktik, Technik, Tempo

Unsere Vereine : Taktik, Technik, Tempo

Der Tischtennisclub Talling hat sich durch seine langjährigen guten Ergebnisse und eine gute Nachwuchsarbeit weit

In der Turnhalle in Thalfang fliegen die Bälle. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. An sieben Tischtennisplatten stehen rund 30 Schüler und Jugendliche und üben Schläge mit der Vorhand und der Rückhand. Und wenn einer der kleinen Zelluloidbälle über die Platte fliegt und in den Weiten der Halle verschwindet, dann ist das kein Problem: Ein Griff in einen Eimer, in dem sich hunderte Bälle befinden, und los geht es mit dem nächsten Ballwechsel. Inmitten der vielen Jugendlichen befinden sich mit den beiden 69-Jährigen Reinhard Krämer und Egon Kreis sowie dem 71 Jahre alten Otto Kreis drei Senioren, die den Jungen und Mädchen zur Seite stehen. Bei den fitten Senioren handelt es sich um die drei noch Aktiven von ehemals 19 Jugendlichen aus dem 220-Einwohnerort Talling, die den Tischtennisclub 1963 gegründet haben. „Wir wollten alle Tischtennis spielen“, erinnert sich Egon Kreis.

Da es sich ausschließlich um Jugendliche handelte, musste die Frau des damaligen Dorflehrers als Vorsitzende des Vereins einspringen. „Damals wurde ich als Zwölfjähriger zum Kassierer des Vereins gewählt“, erinnert sich Egon Kreis. „Die erste Tischtennisplatte haben wir uns vom Restvermögen des damals aufgelösten Gesangvereins gekauft“, sagt er.

Sein Bruder und er hatten mit dem Tischtennis auf dem Küchentisch angefangen. Ein Kantholz ersetzte das fehlende Netz in der Mitte. „Irgendwann wurde es unserer Mutter zuviel“, lacht Kreis. Mit der Vereinsgründung wurde dann die Basis geschaffen, dass die Tallinger bis heute im Tischtennissport aktiv sind. 153 Mitglieder zählt der Verein, der sich auf sportlicher Ebene ausschließlich dem Tischtennis verschrieben hat. Und das habe Bedeutung für die gesamte Gemeinde, sagt Pressewart Krämer. „Unzählige sportliche Erfolge auf regionaler und überregionaler Ebene und die entsprechende Berichterstattung [...] haben Talling über die Grenzen der Region bekannt gemacht“, schreibt Krämer in einer Festschrift des Vereins. „So verwundert es nicht, dass der kleine Hunsrückort überall im Rheinland mit dem rührigen Tischtennisclub in Verbindung gebracht wird“, führt er weiter aus. Die Ortsgemeinde profitiert auch in anderer Sicht vom TTC Talling. Denn sowohl beim Spiel- und Sommerfest als auch beim Karneval gehört der Verein zu den treibenden Kräften im Ort.

Insgesamt 14 Mannschaften treten derzeit für den TTC Talling an. Das sind sechs Herrenmannschaften, eine Seniorenmannschaft, vier Jugendmannschaften und drei Bambinimannschaften. Zehn Jahre hat der Verein sogar in der Rheinlandliga gespielt. Die erste Herrenmannschaft spielt derzeit in der Bezirksliga. Mit dabei sind Egon Kreis und Reinhard Krämer als 69-jährige. In dieser Mannschaft spielt mit Johannes Rienermann auch ein 17-Jähriger. „Wo hat man das sonst noch, dass fast 70-jährige zusammen mit einem 17-jährigen in einer Mannschaft spielen?“ fragt Egon Kreis. Dabei hat es einige Zeit nicht gut ausgesehen mit den Aktiven des TTC Talling. Denn Mitte der 1980er Jahre seien zahlreiche Spieler weggegangen, teils aus beruflichen Gründen, teils, weil sie für andere Vereine gespielt haben, sagt Egon Kreis. Doch nach einiger Zeit habe man die Delle überwinden können. „Sie sind alle wieder zurückgekommen“, freut er sich. Einen weiteren Aufschwung bei den Mitgliederzahlen brachten die Probleme anderer Vereine, Verantwortliche für die Führungs- und Vorstandsarbeit zu gewinnen, was zu entsprechenden Vereinsauflösungen führte. Dadurch sind 2001 Aktive aus Malborn und Thalfang sowie 2004 Spieler aus Neumagen-Dhron zum TTC Talling gestoßen. Heute hat der TTC Talling in Neumagen-Dhron eine Außenstelle, wo Otto Kreis das Jugendtraining leitet.

Egon und Otto Kreis nehmen auch regelmäßig an Europa- und Weltmeisterschaften für Senioren teil. Die beiden sind schon nach Alicante (Spanien), Tampere (Finnland), Bremen und Helsingborg (Schweden) zu den Meisterschaften gefahren, an denen zwischen 400 und 500 Spieler teilnehmen. Egon Kreis feierte dort auch persönliche Erfolge. In der Vorrunde in Tampere war er zwar gegen Konkurrenten unterlegen und so ausgeschieden. Doch die Verlierer der Vorrunde ermittelten in einer Trostrunde ihren eigenen Sieger. „Die Trostrunde habe ich gewonnen“, sagt Egon Kreis. Was bedeutet, dass er in von der zweiten Hälfte der Teilnehmer der Beste war. Dieses Jahr fahren die Brüder zur Weltmeisterschaft nach Bordeaux.

Nachwuchs kommt über Schulen

Die Anzahl der Mitglieder des TTC Talling ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Pressewart Reinhard Krämer führt dies auf die intensive Nachwuchsarbeit speziell von Otto Kreis zurück. Der 71-Jährige ist seit seiner Pensionierung vor sechs Jahren jede Woche in den drei Grundschulen der Verbandsgemeinde Thalfang unterwegs und unterrichtet dort jeweils eine Stunde lang Tischtennis in einer AG. „Wir fangen an mit Luftballons und Schläger“, sagt er. Dann folgen die Tischtennisbälle mit Schläger, und dann erst folgt die Arbeit am Tisch. Es sei notwendig, bereits in den Schulen mit der Nachwuchsarbeit zu beginnen, sagt Kreis. Beim Fußball kommen die Kinder von selbst. Bei allen anderen Sportarten müsse man an die Schulen gehen sagt er. Offensichtlich macht Kreis das mit Erfolg. Denn beim TTC Talling sind zwölf Jungen und fünf Mädchen bis zwölf Jahren aktiv. Bei den Jugendlichen sind es 16 Jungen und drei Mädchen.

Die Nachwuchsarbeit hat in Talling eine große Tradition. In den 1980er Jahren hat der TTC Talling durch Flugblätter in den Dörfern Schönberg, Talling und Neunkirchen für das Jugendtraining des TTC Talling geworben, sagt Pressewart Reinhard Krämer. „Der TTC hatte damals eine Rekordzahl an Jugendmannschaften“, sagt er. Von 2004 bis 2009 habe man dann mit einer Tischtennis-AG an der damaligen Thalfanger Hauptschule Werbung für den TTC machen können, bis dann der Fokus mehr auf die Grundschulen gelegt wurde. „Wir verstehen uns als Ausbildungsverein“, sagt Otto Kreis, der sich als ehemaliger Grundschullehrer auf die Ansprache von Kindern und Jugendlichen versteht. Wer weiterkommen will, beispielsweise über ein Kadertraining, braucht die Unterstützung der Eltern. Das könne der Verein nicht leisten, sagt Otto Kreis. Dazu gehören beispielsweise auch die Zwillinge Sophie und Hannah Speidel. Sie sind im Zuge eines Schnuppertrainings bei der Veranstaltung „Thalfang spielt“, an der sich der TTC Talling Kindern und Jugendlichen vorgestellt habe, auf den Tischtennissport aufmerksam geworden. „Wir hatten direkt Lust auf Tischtennis“, sagen sie. Hannah freut sich bei Minimeisterschaften oft über einen ersten Platz. Ihre Schwester belegt meist zweite und dritte Plätze, sagt sie. Sophie hat sich aus Zeitgründen inzwischen wieder vom Kadertraining in Trier zurückgezogen. „Tischtennis macht richtig Spaß, man verliert nicht die Lust“, sagen die beiden Schwestern unisono. Es sei interessant, wie viele verschiedene Schläge und Aufschläge es gibt.

Sie waren 1963 als Jugendliche bei der Vereinsgründung beteiligt und trainieren bis heute noch den Nachwuchs: Egon Kreis, Reinhard Krämer und Otto Kreis. Foto: Christoph Strouvelle
Reinhard Krämer zeigt den Nachwuchsspielern, wie es geht. Foto: Christoph Strouvelle
Diese Nachwuchsspieler des TTC Talling haben bei Regionsmeisterschaften erste, zweite und dritte Plätze belegt. Foto: TTC Talling/Egon Kreis
Sophie und Hannah Speidel erreichen in ihrer Altersgruppe vordere Platzierungen. Foto: Christoph Strouvelle
Johannes Rienermann ist mit 17 Jahren jüngster Spieler in der 1. Mannschaft des TTC Talling. Foto: Christoph Strouvelle
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