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Unsere Vereine: 49 Kubik und ein guter Zweck

Unsere Vereine : 49 Kubik und ein guter Zweck

Auf alten Kreidler-Mopeds startet der aus Baustert stammende junge Verein „Bouster 49ers“ eine Spendenfahrt nach Bern.

Viele gute Ideen entstehen am Bierstand. Die Sache hat nur einen Haken. Oft endet der kreative Austausch an der Theke nämlich damit, dass die Idee zwar gut, die Erinnerung daran aber mit jedem weiteren Getränk in Vergessenheit zu geraten droht. Gleichzeitig gibt es aber auch Fälle, in denen die Erinnerung zwar bleibt, sich bei nüchterner Betrachtung aber die Mittelmäßigkeit oder Absurdität einer vermeintlich genialen Idee offenbart. Die Angelegenheit ist also durchaus vertrackt.

Auch die Entstehung des Vereins Bouster 49ers ist eng verknüpft mit einem Bierstand. Und der wiederum stand im vergangenen August beim Mopedtreffen in Brecht. Mopeds oder Mokicks sind gemäß Definition Kleinkrafträder mit geringem Hubraum und begrenzter Geschwindigkeit. Wobei das mit der begrenzten Geschwindigkeit so eine Sache ist. Oder anders formuliert: Es gibt eine offizielle und eine inoffizielle Grenze. Und wie groß der Unterschied zwischen diesen beiden ist, wird bei jedem Moped durch die technische Versiertheit des Eigentümers definiert.

Bei Moped-Tunern besonders beliebt war und ist die Kreidler Florett. Und jeweils mindestens eines dieser Mokicks oder Mopeds haben auch die zehn Gründungsmitglieder der Bouster 49ers in der Garage oder Scheune stehen. Bouster steht für Baustert, dem Sitz des Vereins, und 49 für den Hubraum: 49 beziehungsweise 50 Kubikzentimeter. So ganz genau nimmt man das nicht. Zumal es ja auch Varianten mit 80 Kubik gibt. Doch das führt zu weit.

Probesitzen: Die Maschinen sind startklar für die große Tour. Foto: Uwe Hentschel

Also zurück zum Verein. Der ist noch sehr jung, wurde erst vor wenigen Monaten, am 14. November 2019, gegründet. Und Sinn und Zweck des Vereins ist nicht nur die Freude am Kreidler-Fahren, sondern die Gemeinnützigkeit. Die Bouster 49ers wollen Geld für Kinder- und Jugendhilfeprojekte sammeln und haben sich dazu für dieses Jahr etwas ganz Besonderes ausgedacht. Im Sommer wollen sie mit ihrer Florett-Flotte von Baustert nach Bern fahren.

Warum ausgerechnet Bern? „Die Idee ist mir irgendwann nachts gekommen: Für ein kleines Wunder – in Anlehnung an das Wunder von Bern“, erklärt Udo Brück, Gründungsmitglied und Vorsitzender des Vereins. Im Vorfeld und während der fünftägigen Mopedtour durch den Süden Deutschlands bis in die Schweiz wollen die Bouster 49ers Spenden sammeln. „Wir veranstalten ein paar Feste und ein Benefiz-Golf-Turnier und überlegen uns auch noch weitere Aktionen, um Spenden zu akquirieren“, sagt Brück und betont, dass jeder einzelne Cent gespendet werde. In diesem Jahr geht das Geld komplett an die Vereine Lichtblick und Kinderlachen Eifel.

Das Poloshirt als Navi: Von Baustert geht’s über Saarbrücken, ­Baden-Baden, Freiburg, den Feldberg und Lörrach nach Bern. Foto: Uwe Hentschel

Zu dieser Spendenfahrt inspiriert wurde der Verein aus Baustert durch die Kreidler Allstars aus dem Trierer Land, die während ihrer beiden Benefiztouren „Mit der Florett nach Lloret“ und „Vom Dom nach Rom“ quer durch Europa geknattert sind. „Wir sind froh, dass uns die Allstars bei unserer Tour mit Rat und Tat unterstützen“, sagt Brück.

Gut 700 Kilometer lang ist die Strecke. Die Bouster 49ers gehen davon aus, dass sie täglich rund sechs Stunden auf ihren Böcken sitzen werden. Die Reise führt in fünf Etappen von Baustert über Saarbrücken nach Baden-Baden und Freiburg über den Feldberg und Lörrach bis nach Bern.

Das Sitzfleisch, das dabei beansprucht wird, ist unterschiedlich zäh. Der jüngste Fahrer ist Mitte 20, der älteste Ende 40. Von den Mopeds und Mokicks wiederum ist keines jünger als 38 Jahre. 1982 nämlich meldete das Unternehmen Kreidler mit Sitz in Kornwestheim Konkurs an. Die Marke Kreidler existiert weiterhin, gehört jetzt aber einem anderen Zweiradhersteller. Für eingefleischte Kreidler-Fans spielt das keine Rolle. Für sie bleibt die von 1958 bis 1982 gebaute Florett der Inbegriff eines Mopeds. Was danach oder in Zukunft kommt, interessiert nicht.

Nach der Abgasnorm fragen wir lieber gar nicht erst ... Foto: Uwe Hentschel