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Trier
Agilität und Tempo sind gefragt

Die „Minis“ der Hockeyjugend beim „Möhrenziehen“, bei dem die Kraft trainiert wird.
Die „Minis“ der Hockeyjugend beim „Möhrenziehen“, bei dem die Kraft trainiert wird.
Trier. Beim Hockey langweilt sich keine Gehirnhälfte, viel Koordination wird benötigt: Der zwischen 22,4 und 23,5 Zentimeter kleine Ball muss im Laufen mit dem Schläger gesteuert werden, und gleichzeitig braucht es noch Überblick über die Position der Mannschaftskameraden.

Schnell wird es obendrein, denn sehr erfahrene Spieler können den Ball auf über 140 Stundenkilometer schießen.

Die Mischung aus Agilität, Technik und Tempo hat Martin Böhler schon vor vielen Jahren begeistert. Zusammen mit Gleichgesinnten engagiert er sich in Trier für die Jugendarbeit im Hockeysport. Unter dem organisatorischen Dach des Post-Sportvereins Trier hat dieser in der Moselstadt eine Heimat gefunden. „Hockey hat durchaus Tradition in Trier, aber es ist eher eine Randsportart geblieben“, analysiert Böhler. Bundesweit sehe es ähnlich aus: Profiligen mit Berufsspielern existierten, im Gegensatz zu anderen Ländern, in Deutschland nicht. „Bei internationalen Turnieren sind die Deutschen aktuell trotzdem sehr erfolgreich“, verweist der Hockey-Fan auf die funktionierende Amateurarbeit.

Diese beginnt auch in Trier bereits im Jugendbereich: Ab dem Einstiegsalter (sechs bis acht Jahre) werden mehrere Altersstufen bis zur U 18 im Training angeboten. „Unser Ziel ist, eine eigene Mannschaft in jeder Altersklasse aufzubauen“, sagt Böhler. Bei einigen Stufen funktioniert das schon, bei anderen kooperiert man für die Mannschaftsaufstellung mit befreundeten Vereinen in Luxemburg und Neunkirchen. Der Spielbetrieb in der Verbandsliga setze sich aus Turnieren im Drei-Wochen-Abstand zusammen. Im Sommer finden die Veranstaltungen auf Kunstrasenplätzen statt, in den kälteren Monaten geht es mit angepassten Regeln in der Halle weiter. Durch die zeitlichen Abstände sei es organisatorisch noch vertretbar, kombinierte Teams aufzustellen. „Ohne den engagierten Einsatz der Eltern wäre es aber trotzdem kaum möglich“, meint der Vertreter der Hockey-Abteilung.

Auch die Trainer arbeiten bei dem Verein ohne Bezahlung. Eine dieser Ehrenamtlichen ist Jacqueline Baasch. Sie übt derzeit mit den ganz Jungen, die meist um die acht Jahre alt sind. „Hockey ist sehr technisch, aber fordert auch Geschicklichkeit. Am besten ist es, möglichst früh zu lernen, wie man Chef des Balls wird“, stellt sie beim Training auf dem Kunstrasenplatz des Trierer Moselstadions eine Grundübung vor. Statt wildem Gekeile mit den Schlägern geht es um möglichst sichere Führung des Balls an den Gegenspielern vorbei. Jeweils zwei Tore auf beiden Seiten des Übungsfelds eröffnen zusätzlich erste taktische Überlegungen und Schussmöglichkeiten.

Eine Torwart-Position ist bei diesen Basisübungen noch nicht besetzt. Diese Aufgabe sei aber beim Hockey besonders wichtig und anspruchsvoll, erläutert Böhler. Weswegen das Torwart-Training in Trier einen besonderen Stellwert genieße. „Der Tormann oder die Torfrau darf weder den Ball festhalten noch ihn einfach unkontrolliert wegschlagen.“ Neben Reflexen sei eine ganz präzise Schlagtechnik gefragt. Die Tor-Position ist auch von der Ausstattung her aufwendiger. Während es die einfachen Kunststoffschläger für Einsteiger schon ab 15 Euro gebe und man auch im Bereich ab Altersklasse U 10 mit 30 bis 60 Euro an Ausrüstung zurechtkomme, gingen beim Torwart die Kosten rasch in die Höhe. Der Verein halte daher die Helme, Schutzpolster und dergleichen in einem eigenen Fundus zum Verleihen vor. „Wenn jemand Spaß als Torwart hat, soll das nicht dadurch ausgebremst werden, dass er einige Hundert Euro ausgeben muss“, begründet Böhler.

So wie im Tor gelten auch auf dem Feld klare Regeln, die sicherstellen, dass Geschick und nicht Körpereinsatz belohnt wird. Im Gegensatz beispielsweise zum Eishockey sind robuste Tackling-Manöver beim Feld- und Hallenhockey absolut tabu. Und während beim Fußball immer noch heftig über den Nutzen des Videobeweises für Fair-Play diskutiert wird, hat man bei Hockey-Turnieren schon vor vielen Jahren eine Lösung gefunden. Längere Spielunterbrechungen gibt es hier nicht, der Schiedsrichter auf dem Feld erhält die Analyse vom Video-Team unmittelbar per Funk. Und leichtfertig eingefordert werde das Verfahren auch nicht, erläutert Böhler. Zwar könnten beide Mannschaften einen Videobeweis beantragen. „Wird dabei allerdings festgestellt, dass die Situation regelkonform war, erlischt für das beantragende Team für den Rest des Spiels das Recht, eine Video-Klärung anzufordern.“