Vereine: Akteure mit guten Ideen verknüpfen

Vereine : Akteure mit guten Ideen verknüpfen

Verbinden über die Wege von Kunst und Kultur – darum geht es dem Verein menschMITmensch. Der große Flüchtlingszustrom gab im November 2015 den Anschub zur Gründung der gemeinnützigen Initiative.

Projekte wie die „Kunstbrücke Gartenfeld“ an der Eisenbahnüberführung Gartenfeldstraße hinterlassen sichtbare Zeichen für die Arbeit des Vereins.

„Über Kunst kann man miteinander in Austausch kommen, selbst wenn man nicht die gleiche Sprache spricht“, meint Ideengeberin und Vereinsvorsitzende Marion Poma. Solche Erfahrungen habe sie bereits vor vielen Jahren gemacht, als sie für die Europäische Union in Brüssel arbeitete. Dort engagierte sie sich in ihrer Freizeit für Künstler. Beispielsweise organisierte sie über Kontakte im Freundeskreis geeignete Ausstellungsräume. „Ich wirke gerne als ,Verknüpferin‘ –  bringe Menschen und ihre Ideen zusammen“, beschreibt Poma die Sicht auf ihre eigene Rolle. Mit dem Wechsel des EU-Arbeitsplatzes nach Luxemburg setzte sie die Netzwerkarbeit dort und bis nach Trier fort. Daraus entwickelten sich immer wieder Impulse für die Kultur – wie die Entdeckung des alten Trierer Walzwerks als Spielstätte für Aufführungen.

Doch dann tauchte 2015 plötzlich eine neue Herausforderung auf. Wie zahlreiche andere Menschen verspürte Marion Poma damals den Wunsch, sich ehrenamtlich für die ankommenden Flüchtlinge einzusetzen. Wie genau – das sei ihr zu Anfang nicht klar gewesen. Spontan habe sie dann angeboten, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Für einige Monate zogen zwei aus Syrien Geflüchtete bei ihr ein: die Tänzer Ranim Al Malat und Maher Abdul Moaty. Zunächst galt es einige Hürden zu meistern, vor denen viele Neuankömmlinge in Deutschland stehen: Sprache, bürokratische Prozesse bei Arbeits- und Wohnungssuche. Doch rasch kam auch wieder das Thema Kultur auf die Tagesordnung. „Die Idee war, eine künstlerische Performance mit Geflüchteten zu organisieren. Auf der Suche nach Talenten sind wir dann in die Afa (Aufnahmestelle für Asylbegehrende) gegangen“, erzählt Poma. Interessierte fanden sich reichlich, darunter musikalisch begabte Spieler  der Nay-Flöte oder des Saiteninstruments Oud sowie Tanzbegeisterte. Schnell wurde den Beteiligten klar, dass hier mehr als nur eine einmalige Aktion möglich ist.

So entstand die Idee, eine Gruppe zu schaffen, die Konzerte & Co. organisiert und weitere Menschen für Projekte zu gewinnen versucht – ein gemeinnütziger Verein schien dafür geeignet. „Der Start war etwas schwierig und arbeitsintensiv, aber die Erfolge unserer Veranstaltungen beflügelten“, sagt die Vorsitzende. Erfolge wie die Tanztheaterproduktion „One Night Stand“ in der der aus Syrien stammende Tänzer und Choreograph Saeed Hani die Themen Homosexualität und den Umgang der Gesellschaft damit bearbeitete. Dieses in der Tufa Trier uraufgeführte Stück erhielt inzwischen internationale Aufmerksamkeit – wurde zuletzt beim „Full Moon Dance Festival“ in Finnland gefeiert.

Vorführen alleine ist den Akteuren allerdings zu wenig, sie wollen gemäß dem Vereinsnamen Begegnung und Austausch von Menschen fördern. Durch das Kennenlernen sollen aus Fremden Mitmenschen werden. Beispiel für solche Projekte ist die „Kunstbrücke Gartenfeld“.

Bereits dreimal ist die Brücke über die Eisenbahn mit Kunstobjekten geschmückt worden. Jüngst zu sehen war die Installation „Mein Monster“. 226 „Monster“ aus Recyclingmaterial sind hierfür in 22 Workshops in Trier und Luxemburg entstanden. Das Feld der teilnehmenden Gruppen war breit und reichte von Kinderschutzbund über Caritas bis Maison de Relais Luxembourg. Von Anfang an bei allen Kunstbrücken-Projekten mit dabei war auch eine Einrichtung für unbegleitete minderjährige Geflüchtete, die im Trier Stadtviertel Gartenfeld vom Verein Palais und Don Bosco Helenenberg betrieben wird.

Nach den Einstandserfolgen suche der Verein nun vor allem eines, sagt Poma: „Noch mehr Menschen mit guten Ideen, mit denen wir uns vernetzen können.“