Diskotheken: Als Marusha in Wittlich auflegte

Diskotheken : Als Marusha in Wittlich auflegte

Ausnahmezustand mit 4000 Leuten, Militärpolizei, die mit Schlagstöcken auf Besucher losgeht und Clubs, die Gäste aus Frankfurt angelockt haben. Einige Anekdoten aus der Clubgeschichte der Region.

Stargate, Prüm

20 Jahre lang war Dirk Adams (47) als DJ unterwegs. Drei Jahre lang hat er im Stargate in Prüm aufgelegt. Auch in der Milleniums-Silvesternacht. „Da waren bestimmt 2000 Menschen im großen Saal. Diese Nacht werde ich nicht vergessen.“

Das Stargate war Ende der 90er gefragt. „Der Laden wurde super angenommen. Da wurde bis um fünf, halb sechs richtig geil gefeiert. Obwohl die Gäste viel getrunken haben, war es sehr friedlich. Es war ein dankbares Publikum.“

Der große Saal war einer Pyramide nachempfunden. An den Wänden gab es Hieroglyphen. Es lief Techno oder Hip Hop. Im anderen Saal gab es Dancefloor, Partymusik und Partytänze. „Von Jung bis Alt hat da jeder seines gefunden.“

Ab 2001 flachte das aber ab, so Adams. Dort und in anderen Großraumdiskos.

Riverside, Trier

Auch im Riverside in Trier hat Adams manchmal in den 90ern aufgelegt. „Das Riverside war viele Jahre ein Knaller und hat die City leergefegt. Die hatten teilweise sechs Tage die Woche eine Mottoparty. Da zogen mehrere Tausend Leute den Abend durch. Das war ein geiler Laden, da ging die Post ab.“

Dominique Koch (42) alias DJ Carnage 23 sagt über das Riverside: „Oft haben die Türsteher Gäste nicht reingelassen etwa, weil sie die falschen Schuhe anhatten. Das weckte natürlich eine noch größere Begehrlichkeit.“

Der Partyraum hatte eine Après-Ski-Atmosphäre, im anderen Saal lief Discofox. Eine Besonderheit war die höhenverstellbare Bühne, die bei Konzerten hochgefahren wurde. Es traten unter anderem die damals sehr bekannten Gruppen NSYNC (mit Justin Timberlake) und Snap auf. Die Back­street Boys kamen zu einer Autogrammstunde vorbei. Und sogar Michael Jackson sollte auftreten – aber daraus wurde nichts. 2006 schloss das Riverside.

Colosseum, Wittlich

Das Colosseum ist laut Adams ein „richtiger Großraumladen“ gewesen. „Über mehrere Ebenen gab es Tanzplateus und oben eine umlaufende Empore. Es wurden abartige Feten gefeiert. Ich habe dort eineinhalb Jahre aufgelegt. Wenn Marusha oder Mark Oh da waren, herrschte dort Ausnahmezustand. Das war einige Jahre der place to be.“

Koch erzählt, es hätten bis zu 4000 Gäste reingepasst. Das gab es vorher in dieser Form nicht. „Alles war extrem modern, es gab die fetteste Anlage, das meiste Licht und man wurde von Kellnern auf der Tanzfläche bedient. Es gab einen extremen Zulauf. Selbst aus Koblenz kamen die Leute.“

Backstuw, Daun

Die heutige Triererin und gebürtige Eifelerin Jutta Albrecht war damals viel in der Backstuw in Daun. „Der Name rührte von der ehemaligen Besitzerfamilie her, die dort eine Brotfabrik hatten.

Ende 1968 mietete Wolfgang Teusch das Gebäude, das seine Blütezeit Anfang der 1990er hatte, aber in den 1970ern legendär war. Von der Bitburger Airbase und aus der Dauner Kaserne  kamen die Soldaten, vom nahen Nürburgring schon mal flotte Formel I- und II-Fahrer. So manche Ehe hat hier ihren Anfang gefunden.

Meine Zeit dort war von 1976 bis 1980, bis ich zum Studium ging. Aber noch viele Jahre danach trafen sich die Abi-80er zur Dauner Kirmes im August in der Backstuw.

Das Aus kam dann 2001 wegen finanzieller Probleme, und der Abriss erfolgte 2003. Heute befindet sich dort ein Kino.“

Kajüte, Binsfeld

„Die Kajüte war der Knaller“, sagt Adams. Wobei man „ist“ sagen muss: Die Kajüte gibt es seit mehr als 50 Jahren und hat sich aus einer Kneipe heraus entwickelt.

Das Interieur ist einem U-Boot nachempfunden. Es gibt viel Schiffsausstattung. Früher lief viel Hip Hop und Soul, aber auch Elektronisches.

„Die Kajüte kannten meine Eltern schon“, sagt Adams. Heute gibt es dort 70er und 80er-Partys, Oktoberfest-Afterpartys und Hip-Hop-Throwback-Abende.

Madison, Trier

„Die DJs im Madison waren ihrer Zeit voraus“, sagt Dominique Koch. „Da wurde Musik gespielt, die erst ein Jahr später im Radio kam.

Der Trierer Autor Frank Jöricke weiß: „Das Madison war in den 80ern die angesagteste Disko im Umkreis von 200 Kilometern. Es kamen Leute aus Saarbrücken und Frankfurt.“

Yvette‘s, Speicher

„Das Yvette‘s war ein Ami-Schuppen“, erinnert sich Dirk Adams. „Da rannte alles hin. Es gab viele Räume und Ebenen und ein cooles Ambiente. Der DJ stand auf einem Balkon und spielte ,schwarze Musik’.

Ich war schon mit 15 dort und habe meine ersten Züge als DJ gemacht. Der DJ dort hat mich gefördert, deswegen bin ich DJ geworden. Es gab allerdings auch viele Schlägereien und die eine oder andere Razzia. Es waren viele US-Soldaten dort“, erinnert sich Adams.

„Dann kam die amerikanische Militärpolizei mit ihren Schlagknüppeln, hat alle auseinander geprügelt und erst danach Fragen gestellt. Die Amis haben einen sehr coolen Move reingebracht.

Dirk Adams legte in der Diskothek Stargate in Prüm auf. Foto: Dirk Adams

Die deutschen Frauen waren verrückt nach den Amerikanern. Die haben den Deutschen die Mädels ausgespannt. Da gab es viel Ärger, aber auch sehr viel Coolness. Das kann man mit deutschen Läden nicht vergleichen.“

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