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Tradition
Audienz beim Lokal-Adel

Moselweinkönigin Laura Gerhardt aus Traben-Trarbach (Mitte) wird von den Prinzessinen Bärbel Ellwanger aus Trier (links) und Denise Wagner aus Veldenz unterstützt.
Moselweinkönigin Laura Gerhardt aus Traben-Trarbach (Mitte) wird von den Prinzessinen Bärbel Ellwanger aus Trier (links) und Denise Wagner aus Veldenz unterstützt. FOTO: TV / Hans-Peter Linz
Trier/Wittlich/Bitburg/Prüm/Daun. Monarchen liebäugeln nicht nur mit Wein. Auch andere Produkte eignen sich zum Königsmacher. Der Fantasie sind dabei in der Region keine Grenzen gesetzt: Milch, Viez, ja sogar Bohnen haben einige Eifeler und Moselaner ihre Kronen zu verdanken. Aber ist auch hier eine Abnahme der Bewerber zu beobachten?

Klar: Wein wächst nicht überall. Dafür braucht es das richtige Klima, die richtigen Hänge, den richtigen Boden. Experten würden sicher noch eine Reihe weitere Gründe einfallen, warum nicht auch in der Eifel oder im Hunsrück Reben gedeihen. Und wo kein Wein, da auch keine Weinkönigin. Dafür haben diese Gegenden aber ihre ganz eigenen, individuellen Regenten. In der Woch stellen sie sich vor:

In Désirée Colljungs Leben spielen Äpfel schon früh eine große Rolle. Ihr Vater stellt seit vielen Jahren Apfelsaft und Viez her. Da passt es gut, dass Colljung am 15. September zur Bollendorfer Apfelkönigin ernannt worden ist. Sie ist damit die 31. Monarchin aus dem Südeifeldorf. Das Amt trägt sie bis September 2019. Dann übergibt sie es ihrer Nachfolgerin. Bis dahin zählt es zu ihren Aufgaben, auf regionalen Festen den Ort Bollendorf zu repräsentieren und Apfelprodukte auch außerhalb der Region unter die Leute zu bringen. Deshalb reiste sie vor Kurzem auch ins französische Baskenland, in die Partnergemeinde Ascain.

Nominiert wird die Apfelkönigin jedes Jahr von der Vereinsgemeinschaft, die auch das Apfelfest auf die Beine stellt. So gehört es in der Gemeinde an der luxemburgischen Grenze seit 1988 zur Tradition. Colljung findet, dass diese noch länger fortgeführt werden sollte, da sie etwas „Besonderes für den Ort ist“.

Und eine weitere Eifelerin hat es auf einen Thron geschafft: Katharina Weber aus Pickließem im Bitburger Land. Weber hat seit frühester Kindheit eine Leidenschaft: Kühe und Milch, die sie am liebsten frisch trinkt. Am 25. November 2017 wurde die Pickließemerin zur Milchkönigin von Rheinland-Pfalz gekürt. Schon früh geprägt durch den Milchviehbetrieb ihres Vaters, studiert sie zurzeit Agrarwirtschaft mit dem Schwerpunkt Ökonomie­tiere. Mit der Milchwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft (Milag), die die Wahl ausrichtet, ist sie auch in Grundschulen unterwegs. Bei Veranstaltungen wie dem Trierer Erntedankfest hält sie Reden zur Lage der Landwirte, die seit Jahren mit niedrigen Milchpreisen zu kämpfen haben. Es liege ihr am Herzen, sagt sie, den Menschen zu vermitteln, „wie viel Arbeit und Leidenschaft hinter dem Produkt Milch steckt“.

Die Milchkönigin von Rheinland-Pfalz wird alle zwei Jahre gewählt. Katharina Weber bleibt also noch ein Jahr Zeit, „um die Leute zu überzeugen, dass Lebensmittel nicht selbstverständlich sind“.

Wird es eine Thronfolgerin geben? Michael Horper, Milchbauer und Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, gibt ein deutliches „Nein“ auf die Frage, ob die Anzahl der Bewerberinnen abnimmt. In den vergangenen Jahren seien es sogar zu viele gewesen, sodass man eine Vorauswahl treffen musste. „Bei jungen Menschen ist die Milchkönigin beliebt.“

Die Idee mit der Viezkönigin stammt wohl von Leo Lenerz, Inhaber des Eifeler Scheunencafés in Gillenfeld. Der Gedanke kam ihm, als sein Schwager von der Wahl der Trierer Glühweinkönigin erzählte. Weil das mit dem Weinanbau in der Vulkaneifel nun mal schwierig ist, besonnen sich Lenerz und sein Schwager lieber auf den Apfel: „So kamen wir über Glühviez zu ‚nur Viez‘.“

Ziel war es, dass die Ferienregion um das Pulvermaar an Popularität gewinnt. Seit 2012 wird von einem Wahlgremium, bestehend aus dem Ortsbürgermeister, zwei Frauen und Lenerz, die Viezkönigin gewählt. Lange überlegen musste diese Jury meistens nicht. Denn meistens gab es nur eine Bewerberin. „Wenn es zwei gab, wurde der anderen das Amt für das nächste Jahr versprochen“, meint Lenerz.

Die amtierende und siebte Regentin ist Michelle Lehnen aus Kaperich. Kürzlich trat sie auf dem Bonn-Fest auf. Aber auch zu verschiedenen Messen wie der Vakanz in Luxemburg oder der Touristikmesse in Limburg wird die Viezkönigin eingeladen. Dieses Jahr war sie sogar auf der Grünen Woche in Berlin.

Michelle Lehnen schloss ihre Ausbildung als Bauzeichnerin ab und steckt jetzt mitten in einer neuen: Straßenbauerin. Das hält sie aber nicht davon ab, auch bei der Herstellung von Viez mitzuhelfen.

In Daun war die Wahl des Bohnenkönigs am Dreikönigstag ein festes Ritual. Seit 1864 richtete der Männergesangsverein (MGV) Daun zusätzlich zur Königswahl jedes Jahr einen Bohnenball aus. Den gibt es länger nicht mehr. Und auch der Bohnenkönig ist inzwischen Geschichte. Gewählt wurde folgendermaßen: Nach dem sogenannten Herrenessen wurden Kuchenstücke an die Mitstreiter ausgeteilt. Ziel war es, eine darin versteckte weiße Bohne zu finden. Wer sie als erster fand, repräsentierte für ein Jahr den MGV Daun als Bohnenkönig. Seit der Auflösung des MGV im Jahr 2014 gibt es diese Tradition nicht mehr: Seit drei Jahren bleibt der Thron des Dauner Bohnenkönigs verwaist.

Am Monat Mai gefällt Natascha Gruben besonders, dass der Sommer sich ankündigt und die Blumen wachsen. Jedes Jahr am ersten Mai wird in Bitburg-Mötsch eine Maikönigin gewählt. Dieses Amt hat derzeit Gruben inne.

Heiko Jakobs, Ortsvorsteher, beschreibt den traditionellen Ablauf des ersten Mai: Die Maikönigin fährt gemeinsam mit ihren Prinzessinnen in einer Pferdekutsche in der Parade mit. Musikalisch begleitet wird das ganze durch den Musikverein. Wie die Wahl zur Maikönigin aufkam – darüber sind keine Informationen bekannt. Gruben stellt seit den letzten Jahren fest, dass es weniger Bewerberinnen gibt. Schuld daran sind laut der amtierenden Regentin die schwächeren Jahrgänge. Und wie sieht es bei der Wahl zur Moselweinkönigin aus?

Laura Gerhardt, die amtierende Monarchin, glaubt fest an die Zukunft der Tradition. Ihr frühes Interesse an Wein hat sie ihrem Opa, einem Winzer, zu verdanken. Lauras Wunsch war es auch schon vor ihrem Sieg zur Moselweinkönigin, internationale Weinwirtschaft zu studieren. Erst vor kurzem reiste sie im Namen der Auslandshandelskammer und der deutschen Botschaft nach Dublin. Auf einem Fest anlässlich der deutschen Einheit präsentierte Gerhardt dort die Produkte aus der Region.

„Kann ich den Wein direkt kaufen?“, sei der Satz gewesen, den sie an diesem Tag am häufigsten zu hören bekam, sagt sie: „Durch die Krone kommt man viel einfacher ins Gespräch.“ Für Gerhardt sind Weinköniginnen immer noch zeitgemäß. Die junge Moselweinkönigin schätzt die Popularität der Moselweinkönigin durch die Social-Media-Präsenz sogar weitaus höher als früher ein.

Die aktuelle Bollendorfer Apfelkönigin Désirée I. (Colljung, rechts)  mit Vorgängerin Laura I. (Jubelius).
Die aktuelle Bollendorfer Apfelkönigin Désirée I. (Colljung, rechts) mit Vorgängerin Laura I. (Jubelius). FOTO: Daniel John
Zuständig für den Apfelwein: Viezkönigin Michelle Lehnen repräsentiert ein Traditionsgetränk.
Zuständig für den Apfelwein: Viezkönigin Michelle Lehnen repräsentiert ein Traditionsgetränk. FOTO: TV / privat
Aufstieg in der Monarchie:  Die ehemalige Prinzessin Natascha Gruben (links) ist die aktuelle Mötscher Maikönigin und hat Antonia Keil (Mitte) abgelöst; rechts: Annika Schabo.
Aufstieg in der Monarchie: Die ehemalige Prinzessin Natascha Gruben (links) ist die aktuelle Mötscher Maikönigin und hat Antonia Keil (Mitte) abgelöst; rechts: Annika Schabo. FOTO: tv / Bettina Bartzen
Shooting mit Kuh: Katharina Weber ist die Milchkönigin von Rheinland-Pfalz.
Shooting mit Kuh: Katharina Weber ist die Milchkönigin von Rheinland-Pfalz. FOTO: e_eifel <e_eifel@volksfreund.de>+SEP+e_eifel <e_eifel@volksfreund.de>