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Bedrohte Tierarten kehren zurück doch sie sind nicht allen wilkommen

Hintergrund : Von Jägern, Landschaftsarchitekten und Schädlingsbekämpfern

Der Wolf war seit 1850 vollkommen aus Deutschland verschwunden. Seit dem Jahr 2000 wächst die Wolfspopulation in Deutschland stetig. Kehrt der Wolf auch in die Region Trier zurück? Biber und Wildkatze sind bereits heimisch, der Luchs ist ein Sonderfall.

Der Wolf, wie andere Raubtiere, trägt seinen Teil zum ökologischen Gleichgewicht bei, indem er die Wildbestände in Grenzen hält. Wenn Pflanzenfresser wie Reh und Rotwild sich ohne natürliche Feinde vermehren können, begrenzen sie durch ihr Fressverhalten die Pflanzenvielfalt. Darüber hinaus halten Wölfe den Wildbestand gesund, da sie bevorzugt kranke und schwache Tiere jagen. Weil Wölfe bei der Jagd auf Wild meist nur ein Tier erbeuten können und auch Aasfresser sind, neigen sie nach Möglichkeit dazu, mehrere Tiere zu töten, um später zum Kadaver zurückkehren zu können.

Dieses Jagdverhalten verursacht jedoch dort Probleme, wo Nutztierhaltung stattfindet, denn der Wolf sucht sich die einfachste Beute und findet sie in den Herden der Schäfer. Schafe seien besonders anfällig für Wolfattacken, erklärt Günther Czerkus, Sprecher des Bundesverbands der Berufsschäfer und selbst Schäfer im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Schafe sammeln sich bei Gefahr an einer Stelle. Dieses Verhalten machen sich Schäfer beim Hüten der Schafe zu Nutze. Bei einer Wolfsattacke allerdings könne es dadurch zu bis zu 40 toten Tieren kommen. Die größte Belastung für die Schäfer ist dabei laut Czerkus nicht der finanzielle Schaden, denn für Wolfsrisse werden sie vom Land entschädigt, sondern die mentale Belastung. Der Schäfer fordert dazu auf sich in die Position seines Berufsstands zu versetzen. „Stellen Sie sich vor: Jedes Mal, wenn das Telefon nachts klingelt, erwarten Sie ein Blutbad.“

Czerkus spricht sich trotzdem dagegen aus, dem Wolf den Schutzstatus zu entziehen, denn wie schon jetzt bei Füchsen würden Schäfer dann nicht mehr für Wolfsattacken entschädigt. Das würde allerdings spätestens dann für die Schäfer Realität werden, wenn die Wolfspopulation stark steige, befürchtet Czerkus.

Momentan müssen sich die Schäfer in der der Region Trier noch keine Sorgen machen. Laut Moritz Schmitt, Projektleiter des Projekts Wolf bei der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland Pfalz, bietet die Region durch ihre großen undurchschnittenen Waldflächen und großen Wildvorkommen zwar einen guten Lebensraum für den Wolf. Es habe sich aber noch keiner in freier Wildbahn angesiedelt. Ob und wann es zu einer Ansiedlung komme, lasse sich wissenschaftlich nicht bestimmen, so seine Einschätzung. Wer in der Region Trier momentan einen Wolf beobachten möchte, kann das also nur in Wildgehegen und Tierparks.

Der europäische Biber hat nach mehr als 170 Jahren wieder ein Zuhause in der Region Trier gefunden. Der fleißige Landschaftsarchitekt wurde in den vergangenen Jahren etwa im Alfbachtal in der Nähe von Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) und im Irsental in der Nähe von Sevenig (ebenfalls Eifelkreis Bitburg-Prüm) beobachtet, wie der Naturschutzbund Südeifel freudig auf seiner Homepage verkündet. Auch an Mosel, Saar und Leuk sowie im Hochwald soll es Spuren von ansässigen Biberfamilien geben. Auf der Vebreitungskarte des Biberzentrums Rheinland Pfalz lässt sich erkennen, dass die meisten der etwa 160 Biber, die mittlerweile wieder in Rheinland-Pfalz leben, in der Region Trier heimisch sind.

Das größte Hindernis für die Wiederansiedlung in der Region Trier stellte der kanadische Biber dar, der sich im vorherigen Lebensraum des europäischen Bibers ausgebreitet hatte. Um zu verhindern, dass dem europäischen Biber der Lebensraum genommen wird, fangen Institutionen wie die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord und Vereine wie die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie kanadische Biber und kastrieren sie. Der kanadische Biber sei aktuell deswegen keine Bedrohung mehr für den europäischen, sagt der Biberexperte des Naturschutzbundes Südeifel, Markus Thies. Er werde geduldet, solange er sich nicht vermehre, da er die Landschaft für den europäischen Biber vorbereite, führt Thies weiter aus.

Für die Biodiversität spielt der Biber eine wichtige Rolle, weil er durch den Bau seiner dammartigen Behausungen begradigte Flüsse renaturiert und somit verschiedenen Wassertieren und allerlei Arten von Pflanzen einen Lebensraum schafft.

Die Überflutungen ufernaher Landstriche, die durch die Biberdämme entstehen, sowie die Dämme selber können allerdings zum Problem für Landwirtschaft und Fischerei werden. Für die Region Trier, wo die Fischerei meist eher Hobby als Beruf ist, gibt Alfred Reichert, Präsident der Fischer-Union-West, Entwarnung: „Es sind keine Probleme mit dem Biber festzustellen, da dieser kein Fischräuber ist.“

Man wolle die Fischerei naturnah ausüben, weswegen auch Kurse  zum Umgang mit Schutzgebieten und bedrohten Arten zur Erlangung des Fischereischeines dazugehörten.

Wildkatzen gab es schon immer  in der Region Trier, auch wenn das scheue und nachtaktive Tier selten zu beobachten ist. Wildkatzen sind keine verwilderten Hauskatzen. Sie sind vom „Stubentiger“ vor allem durch ihren sehr viel dickeren und stumpf endenden Schwanz zu unterscheiden. Ob man einen Streuner oder eine Wildkatze vor sich hat, lässt sich mit letzter Sicherheit aber nur durch einen genetischen Test feststellen. Die Wildkatze gilt in Deutschland als sogenannte Verantwortungsart, ihr gilt also besondere Priorität in der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Nicht nur die Natur, auch Landwirtschaft und Försterei profitieren von der Mäuse- und Rattenjagd des Räubers Der Nationalpark Hunsrück Hochwald hat sich dem Schutz der Wildkatze verschrieben. Dort leben ungefähr 65 Tiere. Dadurch kommt dem Nationalpark enorme Bedeutung für den Erhalt der Wildkatze zu. Außerhalb des Naturparks ist der Autoverkehr, die größte Bedrohung für die Wildkatze. Obwohl Wildbrücken wie an der B407 im Hochwald eine gute Präventionsmöglichkeit darstellen gibt es noch viele Totfunde. Der Landesverband Rheinland Pfalz des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die BUND Kreisgruppe Trier Saarburg betreiben deswegen ein Totfundmonitoring, dass Todesort und Todesursache feststellt, um Bedrohungen für die Wildkatze zu ergründen und neue Präventionsmaßnahmen zu finden.

Wenn Anwohner der Region Trier eine tote Wildkatze sehen, können sie ihren Fund online bei einer der beiden genannten BUND-Stellen melden.

   Eine Wildkatze läuft mit einer Maus durch ihr Gehege.
Eine Wildkatze läuft mit einer Maus durch ihr Gehege. Foto: dpa/Martin Schutt
 Während der europäische Biber (links) bereits seinen festen Platz in der Region hat, müsste der Luchs (rechts) zunächst angesiedelt werden.
Während der europäische Biber (links) bereits seinen festen Platz in der Region hat, müsste der Luchs (rechts) zunächst angesiedelt werden. Foto: © Naturpark Saar-Hunsrück/VDN/Beyer
 Ein Rotluchs
Ein Rotluchs Foto: Pixabay

Der Luchs kann sich anders als der Wolf nicht selbst in der Region Trier ansiedeln, da er ein viel passiveres Ausbreitungsverhältnis zu Tage legt. Luchse siedeln sich ausschließlich in der direkten Nachbarschaft zu ihren Artgenossen an. Das Projekt „EU Life“ hat 2016 aus diesem Grund Luchse in der Schweiz und der Slowakei gefangen, um sie im Pfälzerwald anzusiedeln. Diese Ansiedlung ist momentan das einzige Vorkommen von Luchsen in Rheinland Pfalz.