Das Spiel der Könige

Unsere Vereine : Das Spiel der Könige

Ob Schach in Indien oder Persien entstand, ist Can Kandemir ziemlich egal. Der Neunjährige sitzt im Training mit anderen Gleichaltrigen unterm Dach des Klosters Karthaus, wo die Schachfreunde fünf Räume für sich haben, einmalig für solch einen Verein im ganzen Land.

„Schachspielen ist gut fürs Gehirn und die Schule. Ich bin gut in der Schule“, ist Cans Erfahrung mit dem wohl berühmtesten Brettspiel der Menschheit.

„Schach ist toll, weil man sich im Kopf anstrengen muss“, findet auch der elfjährige Oliver Schneck, dem er am Brett gegenüber sitzt. Trainer Nigel Hebbard stellt die Figuren ganz raffiniert auf und fragt: „Wie kriegt ihr den Gegner jetzt mit vier Zügen matt?“

Wenn einer nicht gleich draufkommt, dem hilft auch schon mal der Vorsitzende Gerhard Klein auf die Sprünge. Der 69-jährige ehemalige Mathematik- und Physiklehrer steht den Schachfreunden seit 1978 vor. Stolz ist er auch auf die Mädchengruppe im Verein, denn: „Es ist wichtig, dass die Mädchen nicht gleich gegen Buben spielen, denn sie sind etwas zurückhaltender und scheuen mehr das Risiko.“ Der studierte Pädagoge bedauert das außerordentlich, denn seiner Ansicht nach können Frauen viel mehr als sie sich selbst zutrauen. Ein Beispiel ist Sophie Biermann, die vor zwei Jahren Rheinland-Pfalz-Meisterin wurde. Die 15-jährige Tabea Schilz ist sicher: „Schach nutzt vielleicht nicht bei allen Fächern, aber ganz bestimmt bei Mathematik.“

Auf Regalen stehen reihenweise Pokale, die Zeugen großer Erfolge in Turnieren, bis zur Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Vier Mädchen des Vereins holten vor zwei Jahren in Düsseldorf den 14. Platz unter 20 Teams.

Die Aktiven spielen in fünf verschiedenen Ligen, von der C-Klasse bis hoch zur Rheinland-Liga. „Wir können diesmal alle Klassen halten“, sagt Vorsitzender Klein stolz. „Leider“, so bedauert er, „verliehen wir oft gute Talente, wenn sie beruflich oder fürs Studium in eine andere Stadt ziehen.“ Aber auch diese jungen Leute nehmen die positiven Effekte, wie verbesserte Merkfähigkeit, Problemlösungsvermögen und Gedächtnis, mit in ihr späteres Leben. Besondere Schachbegabungen können über den Verband auch besonders gefördert werden. Dafür gibt es hoch qualifizierte Trainer, wie Wolfgang Langer von der SG Trier, mit dem der Verein eng zusammenarbeitet.

Kinder können schon ab dem zarten Alter von sechs Jahren spielerisch ans Schachspiel herangeführt werden. „Dabei ist aber wichtig, dass die Eltern das unterstützen“, sagt Klein.

Foto: Herbert Thormeyer
Foto: Herbert Thormeyer
Foto: Verein Schachfreunde Konz-Karthaus
Foto: Verein Schachfreunde Konz-Karthaus
Foto: Verein Schachfreunde Konz-Karthaus

In diesem Alter hat auch Ernst Schmitz mit dem Schachspiel begonnen. „Ich habe Schach als Kind von Soldaten und russischen Kriegsgefangenen gelernt“, erinnert sich der heute 80-Jährige, der in diesem Sport eine gute Möglichkeit sieht, bis ins hohe Alter im Kopf fit zu bleiben. Viele Nationen spielen bei den Schachfreunden mit. So hat dieses internationale Spiel auch einen integrativen Effekt.  

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