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Karneval
Die kleine Fastnacht im November

11.11. – Karnevalssessionseröffnung in Trier: Viele Jecken ziehen von der Porta Nigra zum Kornmarkt.
11.11. – Karnevalssessionseröffnung in Trier: Viele Jecken ziehen von der Porta Nigra zum Kornmarkt. FOTO: Friedemann Vetter
Region. Lars Oliver Ross

Es gibt in der Region zwei Sorten von Menschen: Die eine wird schon jetzt ganz nervös vor Vorfreude darauf, die andere denkt darüber nach, wohin sie sich in Ruhe zurückziehen kann, wenn es wieder losgeht mit der sogenannten fünften Jahreszeit. Diese beginnt für die eingefleischten Narren in vom rheinischen Karneval geprägten Gebieten schon an diesem Wochenende. Zumindest in den Hochburgen des närrischen Treibens in der Eifel und an der Mosel geht die Fastnacht schon im November los – um dann allerdings bis in den Januar hinein nochmal in den Stand-by-Modus zu gehen.

Aber warum beginnt Karneval ausgerechnet am 11.11., schläft bis zum Jahresanfang ein ganze Weile, um dann umso heftiger wieder zu erwachen? Eine Erklärung stützt sich auf die Zahl elf und die neuzeitlichen Formen des Karnevals vor allem entlang des Rheins, wo sich im närrischen Treiben der bürgerliche Protest unter anderem gegen die französische Besetzung zu Beginn des 19. Jahrhunderts artikulierte: Unter anderem zogen zu Karneval die entwaffneten Bürgerwehren als Parodie in komisch bunten Uniformen und mit Gewehrimitaten durch die Straßen. Die Zahl Elf soll dabei spöttisch aufgegriffen worden sein, da sie sich aus den Anfangsbuchstaben der französischen Revolutions-Parole Egalité, Liberté, Fraternité (Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit) zusammensetzt.

Ein zweiter – zumindest hinsichtlich des Datum wesentlich überzeugenderer – Erklärungsansatz bezieht sich auf den Kirchenkalender. Danach haben historisch betrachtet der 11. November und das Fastnachtstreiben im Februar nur bedingt etwas miteinander zu tun. Denn während in den Tagen vor Aschermittwoch vor dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit noch einmal richtig gefeiert wird, bezieht sich der 11.11. auf Weihnachten. Denn die Adventszeit war früher eine zunächst sechswöchige – später vier Wochen dauernde – Buß- und Fastenzeit, und die sechs Wochen vor Heiligabend beginnen am 12. November, so dass der Tag davor als letzte Möglichkeit zum Feiern genutzt wurde. Genau wie zur Fastnacht im späteren Winter wurden dabei die Lebensmittel, die in der Fastenzeit tabu waren, aufgebraucht, also vor allem Eier, Milchprodukte und Fleisch. Damit erscheint der 11. November nicht mehr als „Auftakt des Karnevals“, sondern als eine Art eigenständiger „kleiner Karneval“ im Herbst. Die Idee der „Eröffnung der Session“ im November stammt aus dem 19. Jahrhundert.  Denn der traditionelle Beginn der Fastnachtszeit ist der Dreikönigstag – also der 6. Januar.

Ganz egal, wann die Narren ihre Session beginnen lassen, sicher ist, dass am Aschermittwoch wieder alles vorbei sein wird – und der wird im kommenden Jahr spät sein, nämlich am 6. März.