Wetter: Dürre, Stürme und Hochwasser

Wetter : Dürre, Stürme und Hochwasser

Dürre, Sturm, Starkregen und Hochwasser – mit diesen extremen Wetterereignissen hat sich die Region in den vergangenen Jahren immer häufiger auseinandersetzen müssen. So machte sich die starke Trockenheit im vergangenen Sommer in Missernten bei den Landwirten bemerkbar. Die Winzer hingegen freute es – der Weinjahrgang 2018 war einer der besten seit Langem.

  Müssen sich die Bürger in der Region an diese mediterranen Temperaturen gewöhnen? „Dieses Jahr hatten wir einen trockenen Sommer, die Jahre zuvor war er immer sehr verregnet“, sagt Meteorologe Dominik Jung. Auch künftig, so der Experte, werde es noch regnerische Sommer geben. Doch Trockenheit und Starkregen könnten sich häufen. „Ich gehe davon aus, dass solche extremen Wetterereignisse zunehmen werden. Das Klima der Zukunft wird dadurch geprägt sein, dass es mehr extreme Wetterereignisse gibt.“

Eine weitere Entwicklung sei auch die Heftigkeit der Unwetter. Als ein Beispiel nennt Jung Gewitter, die in den vergangenen Jahren zwar nicht häufiger aufgetreten sind, aber durch Ereignisse wie Starkregen, Hagel und Stürme heftiger geworden seien. Stürme und Hochwasser suchen seit Anfang der 90er Jahre immer wieder die Region in den Wintermonaten heim. „Die Ursache“, sagt der Meteorologe, „sind häufig Tiefs, die vom Atlantik vorbeiziehen. Sie bringen häufig Stürme oder Orkane und Hochwasser.“

Diese Wetterextreme hält er für Folgen des Klimawandels. „Zu unterscheiden sind der natürliche und der anthropogene – also von Menschen gemachte – Klimawandel“, erklärt Jung. „Der natürliche Klimawandel ist nichts Dramatisches. Ihn gibt es schon immer. Welchen Anteil der von Menschen verursachte Klimawandel an den Wetterextremen hat, ist auch unter den Klimaforschern umstritten.“

Professor Dr. Günther Heinemann, Leiter des Fachbereichs Umweltmeteorologie an der Universität Trier, forscht seit vielen Jahren zum regionalen Klimawandel in Europa und zu Klimaprozessen in der Arktis. Er gibt Antworten auf die Fragen nach dem Klima der Zukunft. Wie werden sich die Winter in den nächsten Jahrzehnten in der Region wandeln? Nach Heinemanns Beurteilung werden sich die Winter in den kommenden 20 Jahren nicht stark verändern. Schnee werde es dann immer noch geben. Aber er prophezeit auch: „Die Schneemenge wird zurückgehen. Schnee wird sich immer mehr zu Regen verschieben“. Die Anzahl der Schneetage ist in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen und werde weiter zurückgehen. „In 35 bis 50 Jahren wird es weniger kalte Winter geben“, sagt der Forscher, „Und die kalten Winter werden nicht mehr so regelmäßig sein.“

Auch die Regenverteilung im Jahresverlauf werde sich verändern. Laut Heinemann werde sich der Regen stärker auf den Winter verlagern. Die Folgen dieser Verschiebung könnten häufigere Hochwasser im Winter und mehr Hitzewellen im Sommer sein. Als Hitzewelle definieren Meteorologen Phasen von fünf oder mehr aufeinanderfolgenden Tagen, an denen eine Temperatur von mindestens 30 Grad erreicht wird.

„Derzeit treten Hitzewellen im Schnitt alle fünf bis zehn Jahre auf. In 35 bis 50 Jahren werden sie regelmäßig auftreten. Man muss also fast jedes Jahr mit ihnen rechnen“, erklärt der Professor der Trierer Uni. „Dieser Fall wird eintreten, wenn man annimmt, dass der CO2-Ausstoß nicht nennenswert reduziert wird.“

Nach Heinemanns Meinung ist solch ein Szenario realistisch. Er geht davon aus, dass Hitzewellen in 60 bis 70 Jahren in der Region zur Normalität werden. „Allerdings wird der Oberrheingraben stärker von Hitzewellen betroffen sein als die Region hier um Trier.“

Im Juni 2018 lief dieser Kanal in Pittenbach (Eifelkreis Bitburg-Prüm) über und überschwemmte die Straße . Foto: Fritz-Peter Linden
Der Orkan Kyrill sorgte 2007 für Verwüstung. Er riss großflächig Bäume um, die wie hier Straßen versperrten. Foto: Rosenschild Ilse
Beim Weihnachtshochwasser im Jahr 1993 versanken viele Orte an der Mosel – wie hier Kesten – in den Wassermassen. Foto: Nora John

Als bedeutenden Faktor für diese Entwicklung des Klimas in Europa betrachtet er die Erwärmung der Arktis. „Dort ist die Erwärmung doppelt bis dreifach so hoch wie hier.“  Durch die Erwärmung verändere sich der Luftstrom über der Arktis, der sich wellenförmig bewegt. Diese Wellenbewegung werde weniger. Dadurch stehen die Hoch- oder Tiefdruckgebiete starr und ziehen nicht weiter. Das sei die Ursache für extreme Wetterereignisse wie längere Hitzephasen. „Man dachte, dass sich die Arktis erwärmt und folglich sich auch die gesamte Atmosphäre erwärmt. Das ist aber nicht so. Bei den Auswirkungen gibt es regionale Unterschiede“, sagt der Experte. So beschränkten sich Starkregen oder Gewitter auf einen lokalen Punkt und das Dorf wenige Kilometer weiter bleibe von den Wassermassen verschont.

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