Motor: Ein Fall für zwei an der Tanke

Motor : Ein Fall für zwei an der Tanke

Im „Woch“-Fahrbericht heute der Seat Seat Leon Sportstourer „TGI“ – Ein Auto mit unterschiedlichen Brennstoffen

Wer es genauer wissen will, was er denn nun tanken darf, der muss auf den Deckel schauen. In diesem Falle besonders: Denn das Kürzel „TGI“ weist bei unserem Testfahrzeug Seat Leon Sportstourer daraufhin, dass man neben normalem 95er Benzin auch Erdgas (CNG = Compressed Natural Gas) nutzen darf. Oder eigentlich eher soll. Bivalenter, also quasi zweifach nutzbarer, Antrieb, nennt sich so etwas.

Im VW-Konzern, insbesondere bei Seat, ist so etwas keine Revolution. Herum gesprochen hat sich der Einsatz eines Verbrennungsmotors mit zwei unterschiedlichen Brennstoffen aber bisher nur zögerlich. Neu ist lediglich, dass Seat dem Leon Sportstourer jetzt einen 130 PS starken Verbrenner statt des 110 PS starken Vorgängers unter der Haube verbaut hat.

Dieser Umstand hat allerdings auch zur Folge, dass sich auch die Größe der Unterflur-Tanks verändert hat. Beim Vorgänger, einem 1,4 Liter-Aggregat, waren 15 Kilogramm CNG und 50 Liter Benzin die Regel. Bei dem neuen, stärkeren, Motor liegt das Verhältnis bei 17,3 Kilogramm und neun Liter. Was dem Benzintank eher die Rolle als „Bordkanister“ für den Weg zur nächsten CNG-Tankstelle zukommen lässt.

Als erstes haben wir uns also vor der Anlieferung des Testwagens nach der nächsten Erdgas-Tankstelle umgesehen. Die ist in unserem Fall rund 35 Kilometer entfernt. Ok, nicht gerade in der Nähe. Aber da ist man, wenn man mit einem nicht bivalenten Fahrzeug des Spritpreises wegen schon mal von der Autobahn runter aufs „flache Land“ gefahren ist, ähnliche Strecken gewöhnt.

Dennoch ist die Reichweite mit dem neuen, bedeutend kleineren, Benzintank gegenüber dem Vorgänger, erheblich eingeschränkt. Knappe 500 Kilometer, wenn man es nicht darauf ankommen lässt und sich auf den restlichen Benzinvorrat an Bord bei zur Neige gegangenem Erdgas-Vorrat verlässt. Deswegen empfiehlt such auf jeden Fall, sich die App von www.gibgas.de herunter zu laden, die frühzeitig den Weg zur nächsten CNG-Tanke auf allen europäischen Roten anzeigt.

Warum eigentlich Erdgas fahren, fragt sich der an E 5, E 10 und Diesel-Zapfsäulen gewohnte „normale“ Automobilist? Nun, auch die Antwort ist in diesem Falle „bivalent“, also zweifach auslegbar: Da ist zum einen der Spargedanke (das Kilogramm Erdgas kostet im Moment etwa 1,08 bis 1,12 Euro) und dann natürlich der Umwelt-Aspekt. Grün ist „in“ zurzeit. Nicht nur freitags auf der Kids-Demo und nicht nur an der Wahlurne.

So liegen die Emissions-Angaben unseres Seat Leon ST TGI bei 98 g/km. Er ist damit ein Fahrzeug, das nicht nur seinem Besitzer, sondern auch dem Hersteller in punkto Flottenverbrauch ein dickes „Fleißkärtchen“ in Form der CO2-Effizienzklasse A+ beschert.

Seat soll im VW-Konzern eigentlich die sportlich ambitionierten Verbraucher bedienen. Doch seit sich Cupra als eigene Marke etabliert hat, ist unter dem Seat-Dach auch (wieder) etwas mehr Platz für ein etwas gemäßigteres Erdgas-Produkt geworden.

Denn unser Leon Sportstourer ist kein ausgesprochener Renner, aber ein Kombi, der sich durch Konstanz, Laufruhe, aber auch etwas Bedächtigkeit im unteren Drehzahlbereich zu verstehen gibt. Im Blickfeld des Fahrers ersetzt die Füllstandanzeige der drei CNG-Tanks die Anzeige der Kühlwassertemperatur. Ein grünes Symbol zeigt an, wann der Wagen im CNG-Betrieb unterwegs ist. Bei leeren Erdgas-Tanks schaltet der Leon auf Benzinbetrieb um, was man jedoch nicht spürt.

Das alles äußert sich in einer gepflegten, kultivierten Laufruhe des Fronttrieblers, der seine an die Vorderräder übertragene Kraft über eine Siebengang-Automatik erhält. Präferiert man noch den Gangwahl-Hebel „Sport“ oder spielt mit den Schaltwippen am Lenkrad, wird aus dem Erdgas-Kombi zumindest noch ein ambitionierter Freizeitsportler mit einem ausgewogenen Fahrwerk.

Das Display zeigt den Füllstand der CNG-Tanks, des Benzintanks und der Reichweite (Gesamtreichweite) an. Foto: Jürgen C. Braun
Der Tankvorgang unterscheidet sich kaum von Tanken eines konventionellen Benziners oder Diesels. Foto: Jürgen C. Braun

In einem Zeitalter, in dem der Konzern mit dem ID.3 die Elektromobilität als das eigentliche Nonplusultra bewirbt, ist dieses Auto eine interessante Alternative. Zumal man keine negativen Unterscheide im Fahrverhalten feststellt. Für wen ein Stromer (noch) kein Thema ist, dem stellt sich mit dem Erdgas-Leon eine interessante Alternative. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen.

Mehr von Volksfreund