Ein Kind der Nordschleife

Fahrbericht : Ein Kind der Nordschleife

Wer einen Hyundai fuhr – und natürlich auch sein eigenen nannte -, der galt eigentlich von dem Zeitpunkt an, als dieses südkoreanische Unternehmen zu Beginn der 1990er Jahre hierzulande Fuß fasste,  als jemand, der mit (Sach)verstand, mit wirtschaftlichen Aspekten und dem Blick auf den Alltagsnutzen an diese Sache heranging.

Hyundai stand schnell im Ruf, gute, zuverlässige Autos zu einem Preis zu offerieren, der erheblich unter dem der geschätzten Konkurrenz lag.

Doch im Lauf der Jahre wandelte sich das Bild, wie der Autoriese aus dem fernen Korea bei uns wahrgenommen wurde und auch wahrgenommen werden wollte.  Das ging los über diverse Coupés, über den Veloster, über das wie im Handstreich neu postulierte Design und findet jetzt seine Krönung in einem richtigen „Kracher“. Einem Fahrzeug, das einem Autobauer, der seit Jahren mit Macht nach dem Titelgewinn in der Rallye-Weltmeisterschaft strebt, zur Ehre gereicht. Der Emotion-Variante des Kompaktwagens i30, dem i30N.

Alleine die technischen Daten machen deutlich, dass man sich dieses Fahrzeug (fast) nur über „den Bauch“ und sehr viel weniger „über den Kopf“  zulegen wird. Wobei auch dann noch die Qual der Wahl zwischen „ein bisschen Bauchgefühl“ und der „vollen Ladung“ offeriert wird. Wer sich mit im i30N behutsam in Richtung zulässiger und beherrschbarer  Grenzen der Physik nähern möchte, der sollte zunächst ein kleines Rätsel gelöst haben, das der Namensgebung nämlich. Der Buchstabe „N“ steht l für das Hyundai-Entwicklungszentrum in Namyang. Vor allem aber auch  für einen Ort, der in der Region vertrauter und mit viel mehr Empathie ausgestattet ist; die Nordschleife des Nürburgrings.

Die knapp 23 Kilometer lange Berg- und Talbahn mit ihren höchsten fahrerischen Ansprüchen ist die Wiege des i30N. Dort wurde getestet, gefahren, selektiert, verfeinert und verbessert. Insgesamt 480 Runden von Hatzenbach bis Antoniusbuche musste der Kandidat über sich ergehen lassen, bis die perfekte Fahrwerksabstimmung gefunden war.  Hinter alle dem steht  Albert Biermann, bis 2014 stellvertretender Leiter der  M-Performance-Division von BMW. Dessen Credo lautet: „Extremer Fahrspaß ist uns wichtig.“ Und eben den empfanden wir auch bei unseren Erkundungen mit dem i30N in der Region. Wir fuhren die „Performance“-Edition mit 275 PS. Darunter gibt es noch eine Basisversion mit 250 „Pferden“.  Angesprochen sind – wen wundert’s – Fahrerinnen und Fahrer mit sportlichen Ambitionen hinter dem Lenkrad.  Dafür  sind in vielerlei Hinsicht die Voraussetzungen geschaffen worden. Wie etwa eine Launch Control, die die notwendige Traktion beim Start sofort auf die Straße bringt. Oder ein  Sportfahrwerk mit adaptiven Stoßdämpfern und eine elektronisch geregelte Differenzialsperre, die sich  „N Corner Carving Differential“ nennt.   Das Zwischengas geben zum perfekten Gangwechsel beim Herunterschalten, können wir auch vergessen. Das übernimmt eine automatische Zwischengasfunktion, schaltbar über eine Taste im Lenkrad.

 „Herz und Hirn“  des Hyundai i30N ist der  2,0-Liter-Benzindirekteinspritzer, den Hyundai beim 24h-Rennen zweimal hintereinander  auf Herz und Nieren geprüft hat.  Gekoppelt ist das Aggregat an ein knackiges manuelles Getriebe, mit sechs kurzen und präzisen schaltbaren Wegen. Wer sein Sportauto nicht nur sehen, fühlen, und bewegen, sondern auch hören will, der darf sich am Sound des i30N erfreuen. Die Sportabgasanlage beinhaltet  in der Performance-Variante eine variable Klappensteuerung, deren Akustik  sich  dem  gewählten Fahrprofil anpasst.

Der i30N erfüllt aber auch, ganz wie der „kreuzbrave“ i30, alle Anforderungen eines Alltagsfahrzeugs mit hohem Nutzwert.  Dazu gehören zahlreiche Assistenzsysteme,  eine City-Notbremsfunktion, Smart-Key-System mit Start/Stopp,  Klimaautomatik, und  Rückfahrkamera.  Regensensor und dunkel getönte Scheiben ab der B-Säule komplettieren den Spaß.

Auch im Innenraum ist der I30N konsequent auf sportliches Ambiente ausgelegt.      . Foto: Jürgen C. Braun

In der „Performance“-Variante gibt es den Hyundai i30N ab 32 200 Euro. Nach oben ist mit „Goodies“ wie Komfortpaket (1700 Euro), Schiebedach (1100 Euro) oder Navi-System für den acht Zoll großen Farb-Bildschirm inklusive digitalem DAB+ Radioempfang (750 Euro) noch viel Luft.