Erste Hilfe: „Egal was man tut, alles kann helfen“

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Sie haben Angst davor, bei Erster Hilfe etwas falsch zu machen? Brauchen Sie nicht. Denn wie ein Experte der WOCH erklärt, ist die Hauptsache, dass man überhaupt etwas tut. Denn manchmal muss gehandelt werden, sonst ist es zu spät.

Es geht ganz schnell – die Arbeitskollegin oder der Nachbar bricht plötzlich zusammen. Die Menschen in seinem Umfeld sind überrumpelt, wissen gar nicht so richtig, wie ihnen geschieht. Sie geraten in eine Art Schockstarre, werden unsicher und keiner traut sich, etwas zu tun. Das ist der ungünstigste Fall, den man sich vorstellen kann.

Wer Angst davor hat, etwas falsch zu machen, den kann Klaus Hofmann vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) beruhigen: „Generell kann man nichts falsch machen. Gerade bei einem Herzkreislaufstillstand muss man immer handeln. Egal was man tut, alles kann helfen.“ Der Experte weist daraufhin, dass jeder Mensch gesetzlich verpflichtet ist, Erste Hilfe zu leisten. „Wer nichts tut, kann verurteilt werden.“ Wer Erste Hilfe leiste, sei rechtlich vor schadensersatz- oder strafrechtlichen Folgen geschützt, erläutert Hofmann, Leiter des DRK-Bildungswerks Eifel-Mosel-Hunsrück.

Doch was ist zu tun, wenn jemand unvermittelt zusammenbricht? „Erst mal Ruhe bewahren“, rät Hofmann. „Wenn jemand zusammengebrochen ist, sollte man denjenigen erst mal ansprechen und anfassen, um zu sehen, ob er bewusstlos ist.“ An diesem Punkt gebe es drei mögliche Szenarien: „Wenn derjenige wieder aufwacht, ihm schwarz vor Augen und schlecht geworden ist, sollte man ihm die Beine hochlegen, um den Kreislauf zu stabilisieren.“ Kommt der Betroffene nicht zu sich, solle der Helfer die Atmung überprüfen. „Atmet der Betroffene normal, sollte man ihn in die stabile Seitenlage bringen, und die 112 anrufen.“

„Wenn man feststellt, dass derjenige nicht mehr oder nicht normal atmet, muss man mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen und den Notruf wählen“, sagt Hofmann. „Einen Notruf sollte man  im Zweifel immer absetzen“, rät der Experte. „Besonders, wenn jemand bewusstlos ist.“ Aber auch, wenn der Betroffene wieder bei Bewusstsein sei, bei den Helfern aber Unsicherheit herrsche. „In der Notrufzentrale sitzt Fachpersonal, das dem Anrufer Fragen stellt. Die Menschen in der Leitstelle lotsen die Anrufer durch die Situation und geben Anweisungen. Sie können einschätzen, ob ein Krankenwagen nötig ist.“

In vielen Betrieben hängt er im Eingangsbereich an der Wand: Der automatisierte externe Defibrillator (AED). „Auch vor der Anwendung des AED braucht man keine Angst zu haben, sagt der Experte. „Das Gerät spricht mit einem und führt durch die Anwendung.“ Dass ein Helfer einem Bewusstlosen einfach einen Stromstoß verpasse, könne auch nicht passieren. „Das Gerät ist computergesteuert und misst selbstständig die Stromaktivitäten des Herzens“, erläutert er. „Der AED löst nur dann einen Stromschlag aus, wenn er ein Kammerflimmern registriert.“

Wenn der Helfer eine regelmäßige Atmung feststellt, bringt er den Betroffenen in die stabile Seitenlage. Foto: DRK Landesverband RLP / Michael Jarmusch
Bei der Herzdruckmassage wird der Ballen einer Hand auf das untere Drittel des Brustbeins platziert. Foto: DRK Landesverband RLP / Michael Jarmusch
Bei einem Erste-Hilfe-Kurs erlernt die Teilnehmerin, wie man eine Herzdruckmassage korrekt durchführt. Foto: DRK Landesverband RLP / Michael Jarmusch
Auch den Umgang mit dem Defibrillator üben die Kursteilnehmer für den Fall der Fälle. Foto: DRK Landesverband RLP / Michael Jarmusch
Wichtig: Überprüfen, ob der Betroffene regelmäßig atmet. Foto: DRK Landesverband RLP / Michael Jarmusch

Um Unsicherheiten bei der Ersten Hilfe und im Umgang mit dem Defibrillator vorzubeugen, empfiehlt das DRK, alle zwei Jahre einen Auffrischungskurs zu machen. „Studien haben ergeben, dass nach eineinhalb Jahren das Wissen über das richtige Verhalten im Notfall schwindet“, erklärt Hofmann. Solche Kurse bieten auch der Regionalverband Trier-Model der Johanniter oder die Ortsgruppen der Malteser in der Region an.

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