Leben: Fasten hat heute viele Gesichter – auch in der Region Trier

Leben : Fasten hat heute viele Gesichter – auch in der Region Trier

Wer heutzutage fasten möchte, hat viele Optionen, dies zu tun. Vom religiösen Fasten über das gesundheitliche bis hin zum digitalen Fasten: Die Auswahl ist groß. DIE WOCH hat recherchiert, aus welchen Motiven und wie heute gefastet wird.

Gesundheitliches Fasten, auch Heilfasten, ist für viele schon lange eine Möglichkeit abzunehmen. Aber Fasten bedeutet nicht gleich Gewichtsverlust. Und Verzicht bedeutet nicht gleich gesund. Also wie kann man so fasten, dass das gewünschte Ziel erfüllt wird und man gleichzeitig gesund bleibt? Zu diesem Zweck gibt es mehrere Fastenarten.

Das Intervallfasten ist eine davon. Wer sich das vorgenommen hat, kann zum Beispiel zwischen zwei Methoden wählen: der Methode 16:8, bei der man über Nacht 16 Stunden lang pausiert und tagsüber innerhalb von acht Stunden zwei Mahlzeiten zu sich nimmt. Oder der Methode 5:2, bei der man fünf Tage in der Woche normal essen darf und zwei Tage lang fast nichts. An diesen Tagen sollen schnell verdauliche Kohlenhydrate möglichst nicht konsumiert werden (Kartoffeln, Zucker, Weizenbrot zum Beispiel) und stattdessen Kalorienarmes gegessen werden. Es gilt also, die Kalorienzufuhr deutlich zu reduzieren. Das soll dem Körper beibringen, von seinen Reserven zu leben.

Das Intervallfasten hilft nicht nur beim Abnehmen, sondern soll zudem vor Diabetes (Typ 2) schützen und bei Krebstherapien unterstützend wirken.

Beim Früchtefasten wird empfohlen, pro Tag etwa fünf Portionen frisches Obst oder leicht gedünstetes Gemüse essen. Es ist eine Methode des Intervallfastens und dient der Stabilisierung und Stärkung des Immunsystems. Dauerhaft ist diese Ernährung nicht ratsam, da es nach einiger Zeit zu einer Mangelversorgung an Eiweiß und Fett kommt. Kranke oder alte Menschen, stillende Mütter oder Schwangere sowie Kinder und Jugendliche sollten nicht Früchtefasten.

Ein Kontrast zum Früchtefasten ist das Basenfasten. Es besteht darin, für eine bestimmte Zeit auf säurebildende Lebensmittel zu verzichten. Also auf Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Käse, süße Säfte, Alkohol sowie Weißmehl und Vollgetreideprodukte. Dieser Verzicht führt in der Regel zur Gewichtsabnahme.

Wer dieses Jahr gerne eine digitale Entgiftungskur machen würde, der hat viele Möglichkeiten, wie und wann er das tut. Beim ­digitalen Fasten steht Achtsamkeit im Vordergrund. Es sind vor allem junge Generationen, die mitunter Gefahr laufen, etwa durch übertriebenes Computerspielen oder extreme Handynutzung den Bezug zur realen Welt und zu sich ein Stück weit zu verlieren. Um der Natur und anderen Menschen wieder etwas näher zu kommen, mehr Zeit mit sozialen Kontakten zu verbringen und auf seinen Körper zu hören, verzichten daher manche Fastende teilweise oder sogar ganz auf ihr Smartphone. Andrea Ennen, Direktorin beim Caritasverband West­eifel, erzählt, dass auch dort viel mit dem Thema Verzicht gearbeitet wird: „Vor allem unsere Angebote für Kinder sind vom Thema Verzicht geprägt.“ Gerade was Handys angeht, findet Ennen es wichtig zu verzichten, um den gewohnten Komfort zu reflektieren, Gewohnheiten zu durchbrechen und so Neues zu entdecken. „Unser Ziel ist es, dass die Kinder mit einfachsten Mitteln Gemeinschaft neu erfahren.“

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), Diözesanverband Trier, veranstaltet dieses Jahr eine Fastenaktion für die Bewahrung der Schöpfung. „Sieben Wochen miteinander Verpackungsfasten“ lautet das Thema. Offizieller Beginn ist der 18. Februar. Wichtig ist dem KDFB dabei, dass die Aktion nicht einfach ein siebenwöchiger Verzicht auf Verpackungsmüll wird, sondern eine Möglichkeit für die Teilnehmer, ihren Verpackungskonsum dauerhaft zu überdenken und zu reduzieren. Die Fastenaktion soll neue Verhaltensstrategien zur Vermeidung von Müll anregen.

Um die Teilnehmer bei ihrem Verzicht zu unterstützen, gibt der Frauenverbund für jede Woche einen Tipp.

1. Beim Einkaufen auf wiederverwertbare Taschen achten.

2. Auf dünne Tüten bei loser Ware verzichten.

3. Läden mit unverpackten Waren ausprobieren.

4. Die eigene Verpackung an die Theke mitbringen.

5. Statt Einweg-Plastikflaschen Mehrwegsysteme für Getränke und Milchprodukte nutzen.

6. Vor Ort kaufen, um große Verpackungen im Internetversand zu sparen.

7. Im Haushalts- und Küchenbereich praktische Einweglösungen überdenken: „Weniger ist manchmal mehr!“

Der Frauenbund lädt die Teilnehmer dazu ein, ihre Erfahrungen mit diesen Tipps in einem Fastentagebuch zu dokumentieren, indem sie Fotos machen oder kleine Videos aufzeichnen.

Weitere Details zur Fastenaktion des Katholischen Deutschen Frauenbunds gibt es im Internet unter www.frauenbund-trier.de

In eine ähnliche Richtung wie das Verpackungsfasten des Katholischen Deutschen Frauenbunds geht das Plastik-Fasten des Dekanats Schweich-Welschbillig. Interessierte sind zu einem Informationstreffen eingelanden. Die Teilnehmer überlegen gemeinsam, wie sie Lebensmittel-Verpackungen aus Kunststoff vermeiden und so die Umwelt schonen können. Termin ist Dienstag, 19. Februar, um 18 Uhr im Pfarrheim Schweich, Klosterstraße 1. Weitere Abende können auf Wunsch folgen.

Die Aktion Autofasten des Bistums Trier und des Evangelischen Kirchenkreises Trier dauert in diesem Jahr vom 6. März bis zum 20. April. An der Aktion beteiligt sind Umweltverbände wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der Bund Umwelt- und Naturschutz (BUND) und der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC). Im letzten Jahr haben sich mehr als 25 000 Frauen und Männer an der Aktion Autofasten beteiligt. Informationen gibt es bei der Geschäftsstelle Autofasten, Michaela Lukas, Telefon 0651/7105-457, E-Mail autofasten@bistum-trier.de und unter www.autofasten.de, wo sich Teilnehmer anmelden können.

Wie jedes Jahr ruft das Bischöfliche Hilfswerk Misereor zu seiner Fastenaktion auf – sie beginnt am Aschermittwoch und endet mit Ostern. Die Kollekte in den Gottesdiensten dazu ist am 7. April. Das Leitwort lautet diesmal: „Mach was draus, sei Zukunft!“. Schwerpunkt  sind Jugendliche in El Salvador. Beim dortigen Caritas-Projekt „Mein Lebensplan“ erarbeiten junge Menschen, ausgehend von ihren Kompetenzen und Interessen, persönliche Lebenspläne.

 Jedes Jahr gibt es einen Misereor-Gast aus dem Schwerpunkt-Land, um von der Situation und Arbeit vor Ort zu berichten. Das ist diesmal Beatriz Rivas. Die Mitarbeiterin von „Mein Lebensplan“ besucht vom 27. bis 29. März das Bistum Trier. Bei welchen Veranstaltungen die junge Frau von der Caritas El Salvador zu treffen ist, will das Bistum noch bekanntgeben.

Ein wichtiger Teil der Misereor-Fastenaktion ist immer das sogenannte Hungertuch. Früher wurde dieses verwendet, um die bildliche Darstellung Jesu in der Fastenzeit zu verhüllen. Seit 1976 hat Misereor diese Tradition wiederbelebt, und Künstler gestalten jedes Jahr ein Hungertuch. Manche Pfarreien oder Gruppierungen im Bistum gestalten selbst Aktionen rund um das Hungertuch.

Im Trierer Dom gibt es wieder die Reihe der ­Fastenpredigten. Jeweils sonntags um 18 Uhr sprechen in der Vesper unterschiedliche Prediger aus Politik, Gesellschaft und Kirche.

Es starten auch wieder die ­Fastenimpulse der von einigen Bistümern gemeinsam betriebenen Internet-Seite www.geistliche-impulse.de. Dort kann man sich anmelden und die Impulse abonnieren. Vom ersten Fastensonntag bis Pfingsten werden dann per E-Mail zweimal wöchentlich – sonntags und mittwochs – spirituelle Impulse verschickt, die kostenlos abonniert werden können. Die Impulse bestehen aus einem Bibelwort, einem Bild und einer kurzen Text-Meditation zum Bibelvers.“

Zur Fastenzeit gehören auch Bräuche, die nichts mit Fasten zu tun haben – so wie das Burgbrennen. So werden am ersten Fastenwochenende, in diesem Jahr am 10. März, in den Dörfern der Eifel „Hütten“ oder „Burgen“ brennen oder Feuerräder den Berg hinunter gerollt. Mit diesen alten Bräuchen treiben die Eifeler den Winter aus. Das Burgbrennen ist ein heidnischer Ritus, der vom Christentum übernommen wurde. Bereits einige Wochen zuvor sammeln die Jugendlichen im Dorf Holz und Stroh ein, um es auf den Höhen zu  aufzuschichten und schließlich kontrolliert abbrennen zu lassen. Am Burgsonntag wird eher nicht gefastet, denn dann gibt es meist für alle Teilnehmer des Burgbrennens gemeinsam Kuchen und andere Leckerbissen.

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