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Brauchtum : Feuerbestattung ist kein Tabu mehr

Brauchtum : Feuerbestattung ist kein Tabu mehr

Was war das für ein Kampf, bevor die Vereinigung „Flamma“ in Luxemburg die Genehmigung zum Bau eines Krematoriums in Hamm bekam. Erst im Jahre 1972 wurden die Erd- und die Feuerbestattung gesetzlich gleichgestellt.

Es war ein langer, sehr langer Weg bis zur Eröffnung des Krematoriums im Jahre 1995. Heute verfügt die Einrichtung über zwei Warteräume, einen großen Gedenksaal für die Zeremonien (100 Sitzplätze) und über zwei sogenannte „Jardins du souvenir“ für die Aschenstreuung.

In Luxemburg werden fast genauso viele Verstorbene eingeäschert wie begraben. „Noch vor ein paar Jahren schreckte die Feuerbestattung viele ab. Keiner konnte sich vorstellen, die Toten nicht zu beerdigen, denn der Einfluss der Kirche und der gesellschaftliche Druck waren zu hoch“, sagen Verantwortliche des interkommunalen Syndikats Sicec, der das Krematorium in Luxemburg-Hamm betreibt.

Seitdem hat sich viel in der Luxemburger Gesellschaft verändert. „Menschen haben weniger Zeit, um an die Verstorbenen zu denken und ihre Gräber zu pflegen.“ Weil jeder auf unterschiedliche Art und Weise nach dem Tod trauere, bietet das Krematorium Beerdigungs-Zeremonien mit und ohne religiöse Rituale an.

2100 Personen ließen sich im  Jahr 2016 einäschern; die Zahl der Verstorbenen lag dabei bei rund 4300 Personen. Die Zahlen müssten jedoch noch korrigiert werden, da Einäscherungen für Luxemburger ebenfalls im belgischen Lüttich und im französischen Thionville stattfinden.

Apropos Zahlen: Was die Hauptstadt Luxemburg anbelangt, um nur dieses Beispiel zu nennen, entfallen 50 Prozent aller Beerdigungen seit einigen Jahren auf die Feuerbestattung. Zum Vergleich: Im Jahr 1995, als das Krematorium in Hamm seine Türen öffnete, wurden lediglich 950 Personen von seinerzeit 3797 Verstorbenen eingeäschert.

Wenn auch heute noch viele Aschen in Urnen aus dem Krematorium zu den einzelnen Friedhöfen gebracht werden, so steigert sich von Jahr zu Jahr die Zahl der Familien, die die Asche ihrer Toten in einem der „Jardin du Souvenir“ in Hamm verstreuen. Auch die in den vergangenen Jahren geschaffenen kommunalen Waldfriedhöfe sind immer mehr gefragt. (roi)