Feuerwehren kämpfen gegen Nachwuchsmangel

Ehrenamt : Feuerwehren kämpfen gegen Nachwuchsmangel

Wenn man sich mit Jörg Sondag unterhält, spürt man, dass man es mit einem Menschen zu tun hat, der für sein Ehrenamt brennt. Gut gelaunt steht er am Getränkestand einer Feuerwehrveranstaltung in Orenhofen, wo an diesem Tag eine Bambini-Feuerwehr gegründet wird.

Drei Bambini-Einheiten gibt es im Kreis bereits. Nun folgt die vierte. Und dabei wird es nicht bleiben. „Ich denke, dass wir bei den Bambinis noch in diesem Jahr die Zehner-Marke knacken werden“, sagt Sondag, der seit fünf Jahren Vorsitzender des Kreisjugendfeuerwehrverbands ist.

Es läuft. Und das nicht nur bei den Bambini-Feuerwehren, sondern auch bei den Jugendabteilungen. Kreisweit gibt es fast 50 Jugendfeuerwehren. Und vier weitere sind laut Sondag derzeit in der Gründung. Die Feuerwehrjugend im Eifelkreis, die aktuell rund 630 Mitglieder zählt, entwickelt sich damit konträr zum landesweiten Trend. Während anderswo die Mitgliederzahlen sinken, geht es im Eifelkreis seit einigen Jahren stetig aufwärts. Und woran liegt’s?

„Daran, dass wir eine saugeile Truppe sind“, sagt Sondag lachend und verweist auf die gute Arbeit, die in den vielen Jugendabteilungen geleistet werde. „Wir leben Feuerwehr, und das spüren die Jugendlichen“, sagt er. „Feuerwehr ist nicht nur ein Schlauch, es ist eine Lebenseinstellung“, erklärt der Jugendfeuerwehrwart und schwärmt dann von dem kreisweiten Zeltlager, das alle zwei Jahre veranstaltet wird. In gut zwei Wochen ist es wieder soweit. 360 Kinder und Jugendliche eine Woche lang auf einem Haufen. „Das macht unheimlichen Spaß“, sagt Sondag. Auch wenn er danach erst mal urlaubsreif sei.

Die erste Jugendfeuerwehr des Kreises wurde 1974 in Irrel gegründet. Und von den Gründungsmitgliedern von damals sind sogar heute noch, 45 Jahre später, zwei Männer in der Irreler Feuerwehr aktiv. Das zeigt, welchen wertvollen Beitrag die Jugendabteilungen zur Nachwuchssicherung der großen Wehren leisten. Und dieser Nachwuchs wird auch dringend gebraucht.

Die Jugendfeuerwehr Kirchweiler (Kreis Vulkaneifel) hat 2018 ihr 35-jähriges Bestehen gefeiert. Foto: Anita Adams

Aktuell gibt es im Kreis rund 3800 Feuerwehrmänner und Frauen. „Die größte Herausforderung besteht für uns darin, die Feuerwehren auf den Dörfern am Leben zu halten“, sagt Willi Schlöder, stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur. Die Hochwasser- und Starkregenereignisse des vergangenen Jahres hätten gezeigt, wie wichtig die Feuerwehren vor Ort seien. „Die örtlichen Wehren sind am schnellsten vor Ort und verfügen über entscheidende Ortskenntnisse“, erklärt Schlöder. Er geht davon aus, dass die Wehren es zukünftig noch öfter mit Schadenslagen wie diesen zu tun haben werden. „Wir hatten im vergangenen Jahr im Eifelkreis gleich zwei Mal den Katastrophenfall“, sagt der Feuerwehrmann aus Neidenbach. „Ich bin jetzt seit 40 Jahren bei der Feuerwehr, und ich kann mich nicht erinnern, dass es das schon mal gab.“

Dass trotz der guten Entwicklung bei den Jugendlichen einige Feuerwehren bereits aufgelöst oder zusammengelegt werden mussten, hat mehrere Gründe. „Wir merken zunehmend, dass wir immer wenige Leute finden, die bereit sind, die Wehrführung zu übernehmen“, erklärt Schlöder. Was unter anderem auch damit zusammenhänge, dass man für den Posten als Wehrführer oder stellvertretender Wehrführer einen zweiwöchigen Gruppenführer-Lehrgang absolvieren müsse. Zwar seien die Arbeitgeber laut Brand- und Katastrophenschutzgesetz dazu verpflichtet, den Arbeitnehmer für Übungen, Einsätze und auch Lehrgänge freizustellen, doch entstünden den Unternehmen dadurch oft wirtschaftliche Nachteile, die mit der Übernahme der Lohnkosten durch die Kommunen nicht gedeckt würden, so der Feuerwehrmann. „Zudem haben wir das Problem, dass viele Feuerwehrleute inzwischen in Luxemburg arbeiten“, fügt er hinzu. Und dort habe ein rheinland-pfälzisches Gesetz nun mal keinerlei Bedeutung.

Dass die gesetzliche Vorgabe in der Praxis nur wenig Relevanz habe, bestätigt auch Oliver Thömmes, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands. „Es ist letztlich nur eine Regelung auf dem Papier“, sagt Thömmes und verweist zudem noch auf ein weiteres Problem. So würden seitens der Landesfeuerwehrschule in Koblenz auch viel zu wenige Lehrgänge angeboten, um überhaupt alle Anwärter für den Gruppenführer-Lehrgang bedienen zu können.

Neu gegründet hat sich in diesem Jahr die Bambini-Feuerwehr „Löschbären“ Spangdahlem. Foto: tv/Foto-Drockenmueller

Ein weiteres Thema, das der Feuerwehr auf den Nägeln brenne, sei die Tagesalarmbereitschaft. Da anders als früher die meisten Menschen außerhalb ihrer Wohnorte arbeiteten, werde es immer schwieriger, die Tagesalarmbereitschaft zu gewährleisten, sagt Thömmes. Durch die Gründung von Ausrück­gemeinschaften aus mehreren Nachbardörfern könne dem allerdings ein Stück weit entgegengewirkt werden. Wie Thömmes und auch Schlöder sagen, habe sich bei den Feuerwehren in den vergangenen Jahren ein Kulturwandel vollzogen. Ein gewisses Kirchturmdenken gebe es vereinzelt zwar immer noch, doch seien die Wehren insgesamt weitaus aufgeschlossener für Veränderungen als früher. Zudem gebe es auch ein Umdenken, was die Organisation des Feuerwehrwesens betreffe. „Früher war es so, dass man sich vielleicht zu sehr auf die Stützpunktwehren und das dortige Personal konzentriert hat – was vielleicht auch ein Fehler war“, sagt der stellvertretende Kreisfeuerwehrinspekteur. Er glaubt: „Wir müssen mehr dazu übergehen, dass wir die Aufgaben verteilen.“

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