Für die Region entscheidend: Europawahl

Europawahl : Für die Region entscheidend: Europawahl

Am 26. Mai wählt die Region. Die Menschen sind dann nicht nur zur Kommunalwahl aufgerufen. Sie bestimmen mit ihren Wahlstimmen auch die Zukunft in Europa. Für die Region Trier ist Europa besonders entscheidend.

Wie wichtig die Europawahl am 26. Mai ist, zeigt der Blick auf den Arbeitsmarkt. In  der Grenzregion wächst Europa zusammen. Frankreich, Belgien und Luxemburg sind unmittelbare Nachbarn. Kennzeichen der Grenzregion sind die Pendler. Insbesondere für sie sind europäische Entscheidungen wichtig.

In der Vergangenheit ging es dabei zum Beispiel um die Anerkennung von Berufsabschlüssen oder um Probleme mit Renten- und Krankenversicherungen. Nach Angaben der Arbeitsagentur für Arbeit in Trier ist die Zahl der Grenzgänger in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Die meisten von ihnen arbeiten in Luxemburg. Im Jahr 2017 waren 180 000 Grenzpendler in Luxemburg beschäftigt, rund die Hälfte aus Frankreich und jeweils ein Viertel aus Belgien und Deutschland. 45 Prozent aller Beschäftigten in Luxemburg sind Grenzpendler.

Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin der Arbeitsagentur für Arbeit: „Der Arbeitsmarkt der Grenzregion Trier-Luxemburg ist seit vielen Jahrzehnten sehr eng miteinander verbunden. Täglich pendeln rund 32 000 Menschen aus der Region Trier nach Luxemburg. Viele heimische Unternehmen erhalten lukrative Aufträge aus Luxemburg und auch der Einzelhandel profitiert von der Kaufkraft der Großregion. Die Großregion bietet für viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein attraktives Umfeld zum Arbeiten und zum Leben. Ein Europa ohne enge Austauschbeziehungen zwischen den verschiedenen Arbeitsmärkten und Wirtschaftsräumen der Nachbarländer ist gerade für uns in der Großregion kaum vorstellbar.“

Beste Beschäftigungsperspektiven bei nahezu Vollbeschäftigung. Die Arbeitslosenquote der Region ist gering. Auch das Bruttoinlandsprodukt liegt über dem rheinland-pfälzischen Durchschnitt. Laut der Industrie- und Handelskammer Trier (IHK) ermöglichen offene Grenzen und der europäische Binnenmarkt enge wirtschaftliche Beziehungen mit den anderen EU-Mitgliedstaaten.

„Regionale Unternehmen profitieren  stark von der Europäischen Union“, verdeutlicht IHK-Pressesprecher Sebastian Klipp. Die sei die wichtigste Exportregion für Rheinland-Pfalz und auch die Region Trier. „Für international agierende Unternehmen ist die gemeinsame EU-Handelspolitik von großer Bedeutung. Das EU-Freihandelsabkommen beseitigt Handelsbarrieren. So haben regionale Unternehmen einen leichten Marktzugang und können ihren Absatz im Ausland steigern.“

Als Beispiel für offenen Personen- und Warenverkehr abseits von Handelsbeziehungen nennt die IHK die grenzüberschreitende Ausbildung. Auszubildende aus Luxemburg könnten die Berufsschule Trier besuchen, wenn für die Ausbildung keine Berufsschulklasse in Luxemburg zustande komme oder die Berufsschule nur in französischer Sprache angeboten werde, der Auszubildende aber nur deutsch spreche.

Neben den positiven Aspekten des Binnenmarktes bestehe aber auch Handlungsbedarf seitens der EU, bürokratische Hürden zu reduzieren. „Denn trotz eines gemeinsamen Marktes nehmen bei grenzüberschreitenden Geschäften die Anforderungen an Unternehmen mit Blick auf Anzeige-, Melde- und Nachweispflichten zu.“

Der Ausstieg Großbritanniens könnte weitreichende Folgen haben. Dazu sagt die IHK: „Das Vereinigte Königreich ist einer der wichtigsten Handelspartner von Rheinland-Pfalz. Die andauernde Ungewissheit über den Brexit schlägt sich bereits in rückläufigen Exportzahlen nieder. Besonders betroffen ist die auf den Export ausgerichtete Industrie. Da die Exportquote in der Region Trier vergleichsweise gering bei knapp 31 Prozent liegt, werden die Folgen eines ungeregelten Brexits nicht ganz so deutlich zu spüren sein wie in stark industrialisierten Regionen.“

Der gleiche Effekt wirke sich auf die Konjunktur aus. Die rheinland-pfälzische Wirtschaft habe aufgrund von Unsicherheiten am Weltmarkt bereits einen ersten Dämpfer erlitten. In der Region Trier sei dieser deutlich milder. Hauptrisiko neben den Unsicherheiten am Weltmarkt bleibe aber der Fachkräftemangel.

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