Flohmärkte: Kunst oder Krempel?

Flohmärkte : Kunst oder Krempel?

Mal ehrlich, wer hat nicht Sachen zu Hause, die einfach nur herumliegen, obwohl man sie doch einmal so dringend brauchte, ja sogar schick fand? Jetzt eignet sich das meiste doch nur noch zum Staubwischen.

Da kommt die Idee der Flohmärkte ins Spiel, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Selbst sich von Dingen verabschieden, noch einmal so richtig schön mit dem Kunden feilschen und für den Erlös wieder was Nettes kaufen, ist doch eine gute Idee und macht Spaß.

Wer „Flohmärkte“ als Suchbegriff im Internet eingibt, wird staunen, wie groß das Angebot ist. Aber woher stammt eigentlich die Bezeichnung Flohmarkt? Auch hier gibt das Internet Auskunft: Wahrscheinlich ist es der Marché aux puces, der Trödelmarkt an der Seine in Paris. Puces ist das französische Wort für Flöhe, die in gebrauchter Kleidung sozusagen das Wirtstier Mensch wechselten.

Trödelmärkte gab es auch schon im Mittelalter. Hannover gilt als Geburtsort der neuzeitlichen Trödelmärkte vor 50 Jahren. Rainer Propson aus Lünebach in der Eifel ist seit mehr als 30 Jahren Veranstalter von Flohmärkten. Er sagt: „Flohmärkte gab es schon im 18. Jahrhundert. Aber ob das mit den Flöhen stimmt? Kann sein!“

Auch diese Art des Handelns hat seiner Erfahrung nach Höhen und Tiefen erlebt: „Vor 30 Jahren konnten vielleicht 20 Prozent der Veranstalter davon leben.“ Aber reich werden könne man damit bis heute nicht. Der Einbruch kam, als 2010 Sonntagsmärkte verboten wurden, denn gesetzlich sind ambulante Händler den Geschäften vor Ort gleichgestellt, was die Arbeitsruhe an Sonn- und Feiertagen angeht. Floh- und Trödelmärkte widersprachen dem Landesfeiertagsgesetz von Rheinland-Pfalz als „öffentlich bemerkbare Tätigkeit“.

Heute hat sich die Lage wieder entspannt, denn die Kommunen erkannten, dass sonntägliche Besucherströme auch gut für die Stadtkasse sind. „Wir planen mit den Kommunen ein Jahr im Voraus“, erklärt Propson. Die Händler dürfen mitbestimmen, wann die vier verkaufsoffenen Sonntage und vier Sonntage mit Sortimentsverkauf, an manchen Terminen auch mit Neuware, stattfinden dürfen. Die Touristenbüros der Städte und Gemeinden starten frühzeitig die Werbung dafür. Denn Touristen kommen oft von weit her. Grundsätzlich gilt für Propson: „Wenn du gute Ware hast, kannst du gut verkaufen.“ Am besten gehen Edelmetalle, hochwertiger Schmuck, gute Gemälde und teures Porzellan. „Die Leute kommen, um auf dem Flohmarkt Wertanlagen zu erwerben“, schätzt der Veranstalter. Weniger gut Betuchte wollen günstig einkaufen. Die Anbieter haben überall im Land Wohnungsauflösungen im Blick, wenn Menschen verstorben sind, oder in ein Seniorenheim umziehen müssen. Und oft wird auch mal zu Hause tüchtig aufgeräumt. „Das Material geht uns so schnell nicht aus. Es ist sogar ein Überangebot da“, weiß Propson.

Was aber Flohmärkte wirklich interessant macht, ist das Entdecken, die Überraschung etwas zu finden, was zwar alt, aber noch gut brauchbar, selten oder einfach nur schön ist. Das ist der Nervenkitzel, den ein Flohmarkt erzeugt.

So gehen beispielsweise Liebhaber alter Langspielplatten oft auf die Suche nach seltenen Schätzchen, und freuen sich, wenn beispielsweise zwischen Peter Alexander, Roy Black und Caterina Valente plötzlich „Live at Leeds“ der britischen Rockband The Who von 1970 auftaucht. Oder es werden seltene Bücher entdeckt, die kaum im Antiquariat zu finden sind. Kinder können ihre nicht mehr so interessanten Spielsachen loswerden und vom verdienten Geld neue kaufen. Aber auch selbst gemachte Kunst und Handarbeiten werden gerne angeboten.

Nicht zu unterschätzen ist schließlich die soziale Bedeutung von Flohmärkten. Man kommt unter die Leute, trifft Bekannte, hält ein Schwätzchen und feilscht mit den Händlern über den Wert der angebotenen Ware. Noch attraktiver sind Flohmärkte, die mit einem Unterhaltungsprogramm, Vorführungen von historischem Handwerk und vor allem mit Livemusik kombiniert sind.

Impressionen und Markttermine finden Sie auf Seite 2.

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