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Universität: Mehr als 50 Flüchtlinge studieren schon

Universität : Mehr als 50 Flüchtlinge studieren schon

Abdulkader Alshehabi ist etwas flau im Magen. Gerade hat er eine mehrstündige Sprachprüfung hinter sich gebracht. Besteht er sie, könnte er schon in wenigen Wochen sein Wunschstudium Informatik aufnehmen.

Schafft er die Prüfung nicht, muss er weiter Deutsch lernen und den Einstieg in das Studium verschieben.

Dass der 23-Jährige gut drei Jahre nach seiner Flucht vor dem Krieg in Syrien eine gute Perspektive auf ein Studium hierzulande hat, ist nicht zuletzt der Universität Trier zu verdanken. Seit drei Jahren macht die Universität in dem Programm Flüchtlinge „Fit fürs Studium“. Mehr als 150 junge Menschen, etwa 90 Prozent von ihnen sind aus Syrien geflohen, haben der Projekt-Koordinator Aziz Yüksek im International Office der Universität und das Uni-Team bislang betreut. 52 Teilnehmer studieren bereits, davon zwölf an der Universität Trier. Ein Teil hat sich entschieden, in einen Beruf einzusteigen oder eine Ausbildung begonnen. Andere arbeiten noch daran, die Voraussetzungen für den Einstieg in ein Studium zu erfüllen.

„Natürlich freuen wir uns, wenn die Teilnehmer später an unserer Universität oder an der Hochschule Trier studieren wollen. Aber das ist keine Bedingung“, interpretiert Aziz Yüksek, der die Flüchtlinge dauerhaft betreut, das Ziel von „Fit fürs Studium“. „Für uns ist es auch kein Verlust, wenn sich einige für eine Ausbildung entscheiden. Wir wollen ihnen in erster Linie helfen, ihren Weg zu finden.“

Im Mittelpunkt des „Fitness-Programms“, das in Kooperation mit der Hochschule Trier durchgeführt wird, stehen Sprachkurse. Ergänzt werden diese Kurse, die an verschiedenen Einrichtungen absolviert werden können, durch individuelle Sprachhilfen an der Universität – organisiert durch die Abteilung „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF). „Sprachkenntnisse sind unverkennbar die größte Hürde auf dem Weg in das Studium“, erklärt DaF-Mitarbeiterin Dr. Renate Freudenberg-Findeisen. „Wir unterstützen den Spracherwerb ergänzend durch individuelle Lernberatungen. Dazu analysieren wir den Kenntnisstand der Teilnehmer und beraten sie, wie sich ihre persönlichen Sprach-Stolpersteine aus dem Weg räumen lassen.“

Diese tiefgehende Beratung ist nur dank des ehrenamtlichen Engagements von DaF-Studierenden möglich, die den angestellten Hilfskräften zur Seite stehen. Letztlich profitieren davon auch die Studierenden, indem sie ihre theoretischen Kenntnisse aus dem DaF-Studium in der Praxis der Sprachvermittlung anwenden können.

Eines trifft quasi durchgängig auf alle Lernenden zu: Das Schreiben fällt den Flüchtlingen in der Regel schwerer als das Sprechen. Auch schriftlich sattelfest zu sein, ist aber für ein erfolgreiches Studium ebenso unabdingbar wie weitere Kenntnisse und Fertigkeiten. Daher beinhaltet „Fit fürs Studium“ über die Sprache hinausgehende Kurse. Immer freitags kommen die Teilnehmer an der Universität zu Schreibwerkstätten zusammen, sie werden mit der Bibliothek vertraut gemacht, entwickeln persönliche Lernstrategien, lernen zu debattieren und zu argumentieren oder wie man Präsentationen erstellt.

Shaimaa Alolabi hat das alles schon weit hinter sich gelassen. Sie ist eine der FfS-Teilnehmerinnen, von denen Renate Freudenberg-Findeisen sagt, dass sie es in ihrem Sprachniveau „innerhalb eines Jahres von null auf hundert“ gebracht haben. Und noch weiter. Sie studiert bereits im vierten Semester Rechtswissenschaft an der Uni Trier und arbeitet seit Anfang des Jahres als wissenschaftliche Hilfskraft einer Professur.

Die junge Syrerin hat sich für ein Jura-Studium in Trier entschieden, weil sie das Angebot in Internationalem Recht überzeugend fand – und wegen „Fit fürs Studium“. Als die heute 23-Jährige im Mai 2015 nach Deutschland kam, sprach sie kein Wort Deutsch. Nur ein Jahr später absolvierte sie die „Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang“ (DSH) erfolgreich und stieß damit die Tür zum Jura-Studium in Deutschland auf. Die Studentin mit anerkanntem Flüchtlingsstatus und unbefristeter Aufenthaltserlaubnis wünscht sich nun einen guten Studienabschluss und perspektivisch eine Einbürgerung als deutsche Staatsbürgerin. Nur so könnte sie Richterin werden – einer ihrer Berufswünsche.

 Abdulkader Alshehabi hat gerade eine umfangreiche Sprachprüfung hinter sich gebracht.
Abdulkader Alshehabi hat gerade eine umfangreiche Sprachprüfung hinter sich gebracht. Foto: Universität Trier

Für ihren Landsmann Abdulkader Alshehabi sind solche Gedankenspiele noch Zukunftsmusik. Dennoch ist auch er zuversichtlich, dass er die DSH-Hürde nimmt und bald als Student im Hörsaal sitzen kann. Sollte es in diesem Anlauf nicht gelingen, geht die Welt nicht unter. „Aziz Yüksek und seine Mitarbeiter haben mir und den anderen Teilnehmern immer geholfen, wo sie nur konnten. Wer durch die Prüfung fällt, wird für den nächsten Versuch noch intensiver vorbereitet.“

  • Weitere Informationen: www.ffs.unji-trier.de