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Modedesign Professor Dirk Wolfes lehrt in Trier langlebige nachhaltige Mode als Gegentrend zu Fast Fashion

Slow Fashion : Lieblingsstücke trotzen der schnellen Mode

Ein Trierer Professor für Modedesign erklärt, wie Jeans länger halten und wie langlebige Mode die „Fast-Fashion“ verändern könnte. Auch seine Studenten haben beim Thema Nachhaltigkeit viele Ideen.

Mode und langlebige Kleidung ist kein Widerspruch. Davon ist Dirk Wolfes, Professor für Modedesign an der Hochschule Trier, überzeugt. Klar bedeute Trend und Mode auch immer einen Wechsel, aber im individuellen Stil des Trägers beobachte er oft modische Langlebigkeit. Und die lasse sich nicht unbedingt schon im Design vorbestimmen. „Man kann nicht sagen, ein Design ist langlebiger als ein anderes, nur weil es vielleicht besser kombinierbar ist. Es geht um die Art des Umgangs mit der Mode. Dadurch können Menschen Kleidung langlebig machen“, sagt der 56-Jährige. Er selbst habe zum Beispiel gestrickte Wollpullover, die 25 Jahre alt sind. Auch eine seiner Jeans sei knapp 20 Jahre alt, und die werde er so schnell auch nicht hergeben. „Lieblingsstücke haben Menschen mindestens zwölf Jahre lang und sie binden diese immer wieder neu in das eigene Outfit ein“, erklärt der Experte. Wenn dann doch einmal eine Reparatur nötig wird, nehme er als gelernter Schneider selbst Nadel und Faden in die Hand – oder aber bringe das gute Stück zu einer Schneiderei. „Damit unterstütze ich auch dieses Handwerk, dessen Wissen wir schützen sollten“, so Wolfes.

Nachhaltige und fair produzierte Kleidung ist ein Trendthema. Es geht dabei um transparente Lieferketten, faire Bezahlung der Näherinnen, umweltfreundlich produzierte Stoffe und die Wiederverwertbarkeit der Fasern. Dabei vergisst mancher, dass man auch nachhaltig konsumieren kann, indem man weniger kauft und die Kleidung dafür länger trägt.

Professor Dirk Wolfes unterrichtet  Modedesign an der Hochschule Trier. Foto: TV/Wolfes/Privat

Dann sollte das Kleidungsstück aber auch halten, reparierfähig und gut zu pflegen sein. Wolfes macht hier auf das Problem der modernen Jeans aufmerksam. „Um einer Jeans den sogenannten „Vintage Look“ zu geben, benötigt sie eine chemische Behandlung, die die Fasern angreift und teilweise zerstört“, so Wolfes. Das zweite Problem sei die Forderung der Kunden nach Bequemlichkeit und Passform. Dafür webe man in den Baumwollstoff der Jeans elastische Plastikfasern ein. Wolfes: „Elastan ermüdet aber schnell, sodass die Jeans verbeult aussieht und einzelne Elastan-Fäden reißen.“ Nur ein paar wenige kleinere Marken aus Japan und den USA stellen noch Jeans aus purer Baumwolle her, so der Professor. Er sagt: „Die würde ich empfehlen, weil diese Hosen sich mit der Zeit dem Körper des Trägers anpassen wie Memoryschaum bei Matratzen. Die Jeans wird dadurch mit der Zeit sehr bequem und sie hält lange.“ Ein umweltfreundlicher Nebeneffekt: die reine Faser lasse sich – anders als das Elastanmischprodukt – auch besser recyceln, falls die Hose nach 25 Jahren dann doch einmal nicht mehr zu flicken sei. Damit solche Jeans in Deutschland wieder verkauft werden, brauche es aber die spezifische Nachfrage der Kunden.

An der Trierer Hochschule für Modedesign bindet Wolfes seit etwa zwei Jahren vermehrt das Thema Nachhaltigkeit in seine Seminare ein. Da sein Schwerpunkt der kreative Entwurf und die Gestaltung von Kleidungsstücken ist, forscht er nicht direkt zur Nachhaltigkeit – anders als seine Kollegen aus der Digitalisierung und Textiltechniker, die aktiv ressourcenschonende Alternativen suchen. Wolfes überlege mit seinen Studierenden eher, wie alte Stoffe in neuer Kleidung verwertet werden können und wie man Modekunden aufklären kann, damit sich die Wertschätzung für Kleidung verstärkt.

Jennifer Fach ist Modedesign-Studentin an der Hochschule Trier und trägt selbst gerne Jeans. Foto: TV/Privat

Jennifer Fach (22) hat in ihrem Masterstudium an einem Projekt für nachhaltige Mode bei Professor Dirk Wolfes teilgenommen. Dafür hat sie ein Kleid aus einer alten Gardine entworfen und aus einer kaputten Ikea-Tagesdecke einen Mantel genäht. In ihrem schriftlichen „Manifest“ überlegte sie sich, wie man die Modebranche verändern könnte. Denn ihre individuellen Einzelstücke aus alten Stoffen seien im großen Stil schwierig zu produzieren.

Ein Model trägt Kleidung, die Jennifer Fach aus alten Stoffen entworfen hat, die keiner mehr haben wollte. Foto: TV/Enrico Mathieu

Die Studentin sagt: „Die Modebranche heute arbeitet ressourcenverschwenderisch und befriedigt eine künstlich hochgetriebene Nachfrage nach kurzlebigen Produkten. Aber auch als Konsumenten hinterfragen wir nicht genug, warum unser T-Shirt nur fünf Euro kostet und warum wir ständig wechselnden Trends folgen.“
 Sie glaubt, die Umsätze der Modeschaffenden würden nicht wegbrechen, wenn sie höhere Qualität zu höheren Preisen verkaufen könnten. Derzeit gefällt ihr persönlich der Stil der Öko-Mode noch nicht. „Viele nachhaltige Marken zielen nicht auf junge Leute ab. Das kann auch am Preis liegen, weil diese Kunden noch nicht so viel Geld haben. Aber dieselben Leute kaufen auch Sneakers für 200 Euro. Warum würden sie dann nicht auch nachhaltig und hochwertig produzierte Stiefeletten kaufen, wenn der Stil auf sie zugeschnitten wäre?“ Fach findet: „Da müssen wir als junge Designer etwas ändern.“ Sie beobachtet gerade bei den jüngeren Studierenden der unteren Semester schon ein Umdenken. Immer mehr würden zum Beispiel darauf achten, für ihre Projekte nachhaltige Stoffe von Firmen zu bestellen, die zum Beispiel mit alternativen Fasern wie Ananasleder oder Hanf experimentieren. Andere Studentinnen beginnen, Nachhaltigkeit über Hochschulgruppen zu organisieren und Wissen über das Thema und alte Kleidung selbst auszutauschen.

Über 1000 Garnfarben und -arten hängen an der Wand der Änderungsschneiderei Hans Lieser in Trier. Foto: Julia Bohr Foto: TV/Julia Bohr/Julia Bohr

Ob die zukünftigen Designer in der Arbeitswelt später eine Chance haben, diese Ideale weiter zu verfolgen, wird sich zeigen. Ihr Professor Dirk Wolfes jedenfalls sieht bei großen Marken viele Investitionen, um nachhaltige Standards einzuhalten. Im mittleren Segment seien aber oft die finanziellen Kapazitäten begrenzt, diese Standards auch kontrollieren zu können. Der Studiengang Modedesign der Hochschule Trier werde sich in Zukunft aber noch interdisziplinärer mit nachhaltiger Mode beschäftigen. Und auch mit Blick auf den Markt und die aktuelle Corona-Situation glaubt der Professor: „Diese Krise macht uns bewusst: Ohne Nachhaltigkeit wird es keine Zukunft geben.“