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Mobilität: Nur ein Luxus für Städter?

Mobilität : Nur ein Luxus für Städter?

Eine Bushaltestelle in fußläufiger Nähe, von der aus man im Minutentakt oder doch zumindest stündlich ans Wunschziel kommt, ist auf dem Land ein unerreichbarer Luxus. Vor allem Rheinland-Pfalz als Flächenland steuert mit Bürgerbussen dagegen – auch in der Region Trier.

Das Beratungsbüro, das den öffentlichen Personennahverkehr jenseits von Bahn und Linienbussen auf die Dörfer in rheinland-Pfalz bringen will, ist ausgerechnet in der Bundeshauptstadt Berlin ansässig. Agentur Landmobil ist sein Name, Projektleiter ist Holger Jansen. „Die Idee kam vor zehn Jahren aus einem Bürgerbeteiligungs-Projekt zur Kommunalreform in Rheinland-Pfalz“, erläutert er den Zusammenhang. Ziel des Projekts „Bürgerbusse Rheinland-Pfalz“ war es, lokale Gruppen aktiv zu beraten und zu begleiten – von der ersten Idee bis zum fahrenden Bürgerbus. „Mittlerweile sind wir bundesweit aktiv, es gibt fast 70 von uns betreute Projekte.“

Orts- und Verbandsgemeinden in ländlichen Räumen stehen vor der schwierigen Aufgabe, die Mobilität als Teil der Daseinsvorsorge zu sichern. „Daher müssen neue Konzepte auf den Tisch“, sagt Jansen. „Der Bürgerbus ist ein solcher Ansatz, das Motto lautet ‚Bürger fahren für Bürger‘. Zu diesem Zweck kann man einen Verein gründen, der das Angebot konzipiert.“

In Rheinland-Pfalz übernimmt zumeist die Verbandsgemeinde die Rechtsträgerschaft. Der Bürgerbus ergänzt andere Angebote wie den regulären Linienbus, aber auch Anruf- oder Linientaxis, Rufbusse, Taxis oder den privaten Mitnahmeverkehr. Er fährt im Nahbereich und verbindet beispielsweise die Ortsgemeinden mit der Verbandsgemeinde, damit vor allem in der Mobilität eingeschränkte und ältere Menschen zum Einkaufen, ohne eigenes Auto zum Arzt oder zu Behörden kommen.

„Wir engen die Zielgruppe nicht von uns aus ein“, sagt Jansen, „aber es ergibt sich, dass in der Regel fast 70 Prozent der Fahrten von älteren alleinstehenden Frauen genutzt werden.“ Prinzipiell offen sind sie jedoch auch für Schüler in den Ferien oder zur Nachhilfe, die jenseits der regelmäßigen Schulbusse individuell unterwegs sein wollen. Auch Touristen können mitfahren.

„Wir wollen mit einer App, die entwickelt wird, auch mehr Jüngere erreichen.“ Jansens Hoffnung: Über die sozialen Medien können Bürgerbusse einen höheren Bekanntheitsgrad erreichen.

„Die Grenze des Bürgerbuskonzepts ist die Ehrenamtlichkeit“, betont Holger Jansen. „Es soll keine Konkurrenz zu professionellen Bus- oder Taxiunternehmen aufgebaut werden.“ Die besonders starke ehrenamtliche Begeisterung der Rheinland-Pfälzer und ein hohes Problembewusstsein der Kommunen für die Nachteile einer eingeschränkten Mobilität auf dem Land seien auch die Motoren dafür, dass die ersten und meisten Bürgerbusse hierzulande unterwegs waren und sind.

Beispiele gefällig? Sie finden sie hier.