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Ökologische Landwirtschaft holt in der Region kräftig auf

Landwirtschaft : Erst wurd’ gebummelt, nun wird gerast

Noch vor zehn Jahren hat sich die ökologische Landwirtschaft in der Region nur schleppend entwickelt. Doch das ist Schnee von gestern.

Einst waren es innere Überzeugung und der Respekt vor der Natur, die Landwirte und Winzer zur ökologischen Landwirtschaft brachten, dann setzte der große Bio-Boom ein, und auch weniger idealistisch geprägte Landwirte begannen mit der ökologischen Landwirtschaft zu liebäugeln – im ehemaligen Regierungsbezirk Trier allerdings zunächst mit einer gewissen Zurückhaltung.

Zwar stieg seit 2000 die Nachfrage der Kunden nach Bioprodukten rasend schnell an, die Nachfrage war lange größer als das Angebot der deutschen Produzenten. Noch 2008 schien man zwischen Saar und Eifel dem Braten nicht so recht trauen zu wollen. Das sollte sich aber gehörig ändern.

„Es ist schon richtig, dass wir in der Region 2008 noch nicht so stark aufgestellt waren. Das hat sich aber mittlerweile eher ins Gegenteil verkehrt“, sagt Anja Stumpe, Leiterin des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Eifel. Binnen weniger Jahre habe die ökologische Landwirtschaft in der Region viele Freunde gewonnen.

Eine Studie des Mainzer Wirtschaftsministeriums ging Ende 2008 davon aus, dass bundesweit 4,9 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen ökologisch bewirtschaftet wurden – von nur 4,6 Prozent aller deutschen landwirtschaftlichen Betriebe. Mit etwas Sorge blickte man auf die Lage in Rheinland-Pfalz: Nur 3,5 Prozent der Landwirte waren beim Bio-Trend mit dabei. Sie bestellten lediglich 2,7 Prozent ihrer Flächen nach den strengen Öko-Maßstäben. Heute sieht das ganz anders aus.

Das Statistische Landesamt in Mainz weist in seiner letzten Agrar-Erhebung von 2016 insgesamt 6862 Hektar Ökoland in Rheinland-Pfalz aus – immerhin 8,8 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. Und obwohl insgesamt die Zahl der Betriebe ähnlich wie im Bund auch in Rheinland-Pfalz weiter sinkt, stieg die Zahl der Ökohöfe auf 7,1 Prozent an. Man holt also in der Zwischenzeit landesweit ziemlich gut auf.

Bei der Agrarstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik von 2016 wird der Anteil der Ökohöfe in Deutschland nämlich mit 7,2 Prozent aller Betriebe genannt. Nur 0,1 Prozent liegt Rheinland-Pfalz damit unter dem Bundesschnitt. Noch besser der Flächenvergleich: Rheinland-Pfalz liegt nämlich gleich  satte 1,8 Prozentpunkte höher als der Bundeschnitt.

Doch richtigen Grund zum Jubel gibt der Blick tiefer in die Region rund um Trier. Ausgerechnet das Sorgenkind von 2008, der Vulkaneifelkreis, hat nämlich nicht nur ein bisschen aufgeholt, sondern gleich einen regelrechten Sprint hingelegt: Noch vor zehn Jahren bewirtschaften dort nur 16 Landwirte einen Flächenanteil von 1,5 Prozent nach ökologischen Standards. Heute ist die Gesamtzahl der Bio-Betriebe dort auf 49 angestiegen (8,4 Prozent). Sie arbeiten auf zehn Prozent der gesamten Nutzfläche nach Biomaßstäben. „Das sind zu Teilen wohl sehr große Agrarflächen, in der Entwicklung ist das aber wirklich sehr gut“, sagt Stumpe.

Ähnlich die Entwicklung im Eifelkreis Bitburg-Prüm: Waren hier 2008 nur 16 Betriebe ökologisch unterwegs,  sind es heute stolze 108 (8,2 Prozent). Einst wurden lediglich 2,8 Prozent der Fläche umweltschonend bewirtschaftet – heute sind es acht Prozent.

Ebenfalls zufriedenstellend ist der Kreis Bernkastel-Wittlich: Einst waren hier nur 45 Höfe ökologisch aufgestellt, mittlerweile sind es 80, und auch die Biofläche wuchs von 4,8 auf acht Prozent an.

Im Kreis Trier-Saarburg nebenan zeigt sich das gleiche Bild: In die landwirtschaftliche Ökobewegung ist gehörig Schwung gekommen: Vor zehn Jahren arbeiteten dort 28 Betriebe auf 3,9 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche nach Biostandards, 2016  waren es schon 52 Landwirte auf einem Flächenanteil von 6,8 Prozent. Damit ist das Ziel der Landesregierung, 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch zu nutzen, zwar noch nicht erreicht (siehe Hintergrund Seite 2), aber es ist näher gerückt.

Und auch die rheinland-pfälzischen Winzer sorgen mitunter in Mainz für strahlende Gesichter. Sie sind in Sachen Bio-Wein nicht nur ein Stück weitergekommen, sondern gleich führend.

„Erfreulich ist, dass wir bei der ökologisch bewirtschafteten Fläche im Weinbau bundesweit spitze sind. Das zeigt auch, dass die Bio-Weine auf großes Interesse und Nachfrage bei Verbrauchern sowie im Handel treffen“, sagte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken voller Stolz auf der jüngsten Grünen Woche in Berlin.