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Eifelpipeline
Mehr Energie aus der Region für die Stadtwerke Trier

Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, und Umweltministerin Ulrike Höfken „gründen“ das „Regionale Verbundsystem Eifel“ am Sitz der Kommunalen Netze in Niederprüm.
Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, und Umweltministerin Ulrike Höfken „gründen“ das „Regionale Verbundsystem Eifel“ am Sitz der Kommunalen Netze in Niederprüm. FOTO: Fritz-Peter Linden
Trier/Prüm. Trinkwasser, Energie, schnelles Internet: Das „Regionale Verbundsystem Eifel“ soll alles unter einen Hut, in einen Graben, in eine Pipeline bringen – bis zum Jahr 2023, so der Plan. Und das gilt auch für Biogas aus Eifeler Anlagen, von dem die Stadtwerke Trier profitieren werden.
Fritz-Peter Linden

Von Fritz-Peter Linden

Die Spannung steigt: Bald geht es los mit der Eifel-Pipeline (siehe Titelseite). Denn mit dem Spatenstich – nach aktuellem Stand in den kommenden Wochen – kommt dann etwas in die Gänge, das sehr viel Planung verlangte. Und Verhandlungen. Und Genehmigungen. Und Änderungen. Zum Guten sogar: So war anfangs die Rodung von zehn Hektar Wald vorgesehen. Inzwischen ist man bei nur noch 1,5 Hektar. Gleichzeitig wurde das Vorhaben günstiger als ursprünglich kalkuliert: In den ersten Berechnungen gingen die Planer von 140 Millionen Euro Gesamtkosten aus. Inzwischen stehe man bei knapp unter 100 Millionen, sagt Helfried Welsch, Technik-Vorstand der Kommunalen Netze Eifel, gemeinsam mit Arndt Müller (Technikvorstand bei den Stadtwerken Trier und Vorstandssprecher bei den KNE) Erfinder des Verbundsystems. Der Verlauf der Trasse wiederum orientiert sich weitgehend an vorhandenen Wegen – das verhindert zugleich schwerwiegende Eingriffe in die Natur.

Und dann waren da ja noch die Verhandlungen mit den meist öffentlichen und teils privaten Eigentümern, durch deren Grundstücke sich der Graben ziehen wird: Rund 300 sind es, denen zusammen gut 16 der insgesamt benötigten 39 Hektar Fläche gehören, sagt Helfried Welsch.

 Die Verhandlungen auf den ersten Bauabschnitten sind inzwischen ebenfalls erledigt. Mit den Eigentümern sind Gestattungsverträge vereinbart. Mögliche Ernte-Ausfälle bei Landwirten während der Bauphase werden ausgeglichen.

Eine Reihe von Landwirten ist auch an anderer Stelle eingebunden. Stichwort: Biogas. Denn zur 80-Kilometer-Trasse von der Oleftalsperre bis hinab nach Trier kommt ein weiterer, quer durch mehrere Verbandsgemeinden verlaufender Graben: Auf 45 Kilometern Länge sammelt diese Leitung zukünftig das Roh-Biogas aus den Anlagen der Bauern ein und transportiert es zur zentralen Aufbereitung am Flugplatz Bitburg.

Die Biogasleitung soll, ebenso wie die Aufbereitungsanlage, bis Mitte 2019 entstehen. Während gleichzeitig von Nord nach Süd die Trasse für Wasser, Energie und Kommunikation verlegt wird. Vorteil für die Landwirte: ein Ausgleich für die bald ablaufende, 20-jährige Vergütung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz. So können sie quasi ihr zweites Standbein stabilisieren.

Für die Stadtwerke Trier heißt das zugleich: Sie sind in der Lage, ihren Bioerdgas-Einkauf am freien Markt zu reduzieren. „Damit halten wir die Wertschöpfung in der Region und machen einen großen Schritt in Sachen regionaler Energieabgleich“, sagt Arndt Müller. In den SWT-eigenen Blockheizkraftwerken wird dann aus dem Gas Strom gemacht.

Weiterer Vorteil: Damit könne man „die fluktuierende Stromerzeugung der Erneuerbaren Energien in der Region ausgleichen“. Für die Bürger in der Region heiße das zugleich, dass sie „von einem nachhaltigen regionalen Energieprodukt profitieren“ können, sagt Müller.

Zu Beginn sollen sieben der  48 bestehenden Anlagen ihr Rohbiogas in die neue Leitung liefern, das sind etwa 10 000 Kubikmeter pro Stunde und rund 64 Millionen Kilowattstunden im Jahr – ein gutes Drittel des jährlichen Erdgasbedarfs von Bitburg mit seinen 14 000 Einwohnern.

Das Biogas wird auch bei Bitburg zu Bioerdgas (Biomethan) aufbereitet, das anschließend in unbegrenzten Mengen in das Erdgasnetz der Stadtwerke Trier eingespeist und zur Verstromung in Blockheizkraftwerken mit Wärmenutzung verwendet werden kann. Für die Beteiligten ist die Kooperation zwischen kommunalem Energieversorger, Privatunternehmen und Landwirten „ein gutes Praxis-Beispiel, wie die Energiewende vor Ort umgesetzt werden kann“.

Die intelligente Vernetzung und Steuerung dieses Biogasverbunds über selbstlernende Softwaresysteme wird im Rahmen des Bundesforschungsprojekts „Designetz“ untersucht und umgesetzt. Dabei „untersuchen wir, welchen Beitrag diese Sektorenkopplung zwischen Strom, Wärme und Biogas leisten kann, um das zukünftige Energiesystem auszuregeln“, erklärt Arndt Müller.

Der Ursprung der gesamten Idee“, sagte Müller vor einigen Monaten im Gespräch mit unserer Zeitung, „war hier in der Eifel. Wir haben hier gesessen und überlegt, wie man die erneuerbaren Energien mit der restlichen Infrastruktur verbinden kann.“ Und auf diese Weise nebenbei auch noch eine CO2-freie Trinkwasserversorgung in der Eifel hinzubekommen.

Das Problem: Die Natur stellt ihre Energie nicht so ganz zuverlässig bereit: „Wir haben nicht immer Wind und nicht immer Sonne“, sagt Arndt Müller. Deshalb müsse man das System flexibilisieren. Stehe also den Windrädern eine Flaute bevor oder den Photovoltaikanlagen eine Wolkenfront, müsse die Schaltzentrale umjustieren: zum Beispiel auf Strom aus Bio-Erdgas. Oder auf Turbinenstrom aus Trinkwasser. Der dann ja vielleicht irgendwo eine Pumpe antreibt, die kurz davor noch mit Strom aus Windkraft gelaufen ist.

Motto: „Der richtige Erzeuger muss zur richtigen Zeit laufen“, sagt Arndt Müller. „Und der richtige Abnehmer muss zur richtigen Zeit abnehmen.“

Und so entsteht insgesamt ein cleveres System, das Wasser, Energie und Kommunikation liefert, aufeinander abgestimmt und mit teils selbstlernenden Steuerungssystemen. Und zu bürgerfreundlichen Preisen.

Arndt Müller.
Arndt Müller. FOTO: Fritz-Peter Linden
Joachim Streit.
Joachim Streit. FOTO: Fritz-Peter Linden
Helfried Welsch.
Helfried Welsch. FOTO: Fritz-Peter Linden