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Jubiläen: Schinderhannes, Landesgartenschau und schreckliche Unglücke

Jubiläen : Schinderhannes, Landesgartenschau und schreckliche Unglücke

15, 20, 50, 240, 2035: Zahlen, Zahlen, Zahlen – was steckt dahinter?

15 Jahre Landesgartenschau Trier: Bereits 15 Jahre ist es her, dass es im Jahr 2004 die Landesgartenschau auf dem Trierer Petrisberg gab – die zweite rheinland-pfälzische überhaupt. Nach dem Abzug der französischen Armee wurde die Konversionsfläche für die Landesgartenschau umgestaltet, und es entstand ein neuer Stadtteil. Heute wird dort auf einer Gesamtfläche von rund 700 000 Quadratmetern gewohnt, gearbeitet und gelebt.

Dank der ehemaligen Landesgartenschau konnten viele Freizeitmöglichkeiten erhalten bleiben, wie zum Beispiel das Lotto Forum, eine kleine überdachte Freilichtbühne, in der in den Sommermonaten Aufführungen stattfinden, der Skatepark, die Beach-Volleyballplätze und der Wasserspielplatz. Während der sechs Monate Gartenschau besuchten rund 723 000 Besucher das Gelände.

20 Jahre Abzug der französischen Truppen: Im Jahr 1999 zogen die letzten französischen Truppen aus Trier ab. „Ein Abschied in Freundschaft“, heißt es auf der Internetseite der Trierer Tourist-Info. Die Truppen waren bis zu ihrem Abzug unter anderem in der Kemmelkaserne auf dem Petrisberg untergebracht. Benannt wurde sie nach der im Ersten Weltkrieg völlig zerstörten Ortschaft Kemmel in Flandern, am Höhenzug Kemmelberg, der bei der Schlacht von Armentières schwer umkämpft war. Sie wurde in den Jahren 1936/37 im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht erbaut.

Während des Zweiten Weltkriegs lag neben der Kaserne ab Februar 1941 ein Kriegsgefangenenlager, das Stammlager Stalag XII D. Der bekannteste Insasse war der französische Philosoph und Schriftsteller Jean-Paul Sartre.

50 Jahre Großstadt Trier: Im Jahr 1969 überschritt die Stadt Trier erstmals die Grenze von 100 000 Einwohnern und wurde somit zur Großstadt. 1900 lebten in der Moselstadt 43 500 Menschen. Bis 1939 verdoppelte sich diese Zahl auf mehr als 88 000. Erst in den 1960er Jahre erreichte Trier wieder diese Größe. Im Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt rund 35 Prozent ihrer Bewohner verloren. Im Jahr 1945 sank die Einwohnerzahl auf 57 000. Erst im Zuge der Eingemeindung mehrerer Orte, wie Kernscheid, Ruwer, Tarforst und Zewen, wurde der Vorkriegsstand wieder erreicht und somit Trier auch nach offizieller Definition zur Großstadt mit über 100 000 Einwohnern.

Seit der Jahrtausendwende lag die amtliche Einwohnerzahl für Trier zumeist sehr knapp unter 100 000. Im Jahr 2006 wurde der Großstadt-Schwellenwert nach der Einführung einer Zweitwohnungsteuer wieder überschritten. Im Jahr 2017 hatte Trier knapp 110 000 Einwohner.

2035 Jahre Trier: Am 23. September 2019 um 7.21 Uhr wird Trier 2035 Jahre alt. Datum und Uhrzeit liegt die wissenschaftliche These zugrunde, dass römische Vermessungs-Ingenieure das rechtwinklige Straßennetz, das keinem simplen Nord-Süd-Schema entspricht, an der Schattenlinie des Sonnenaufgangs am 23. September ausrichteten. Dieser Tag ist der Geburtstag von Kaiser Augustus (63 v. bis 14. n. Chr.), Gründer und Namensgeber des römischen Trier (Augusta Treverorum).

50 Jahre Lebenshilfe Trier-Saarburg: Im Jahr 1969 traf sich eine Gruppe engagierter Menschen in der Berufsschulaula des Schulzentrums Saarburg und gründete die Lebenshilfe Kreisvereinigung Trier-Saarburg. Darunter waren auch Eltern von Kindern mit einer geistigen Behinderung. Was damals noch keiner ahnen konnte: Aus 63 Gründungsmitgliedern, die das Ziel hatten, behinderte Kinder und Jugendliche in speziellen Einrichtungen zu fördern, erwuchs eine kreisweit tätige Wohlfahrtsorganisation mit mehr als 250 hautpamtlich angestellten Mitarbeitern.

Die erste Tagesförderstätte für Schwerbehinderte wurde am 1. Oktober 1975 in Temmels in Betrieb genommen. Es folgten zahlreiche weitere Einrichtungen, zuletzt 2018 die Integrative Kita der Lebenshilfe in Schweich. In direkter Nachbarschaft wird 2019 eine Wohnanlage für Menschen mit geistiger Behinderung eröffnet. Kita, Wohnheim und Tagesförderstätte in Schweich sind nach Michael Kutscheid benannt. Der 2009 verstorbene frühere Bürgermeister von Konz und CDU-Landtagsabgeordnete war maßgeblich am Aufbau der Lebenshilfe-Kreisvereinigung beteiligt.

50 Jahre Kreis Trier-Saarburg: Der Landkreis Trier-Saarburg entstand im Rahmen Gebietsreform in Rheinland-Pfalz am 7. Juni 1969 aus dem Zusammenschluss der Landkreise Saarburg und Trier. Die zum Altkreis Trier gehörenden Ortsgemeinden Ehrang-Pfalzel, Eitelsbach, Filsch, Irsch, Kernscheid, Ruwer, Tarforst und Zewen-Oberkirch wurden in die Stadt Trier eingegliedert, die Ortsgemeinden Minden und Menningen kamen zum Landkreis Bitburg, und die Ortsgemeinde Börfink-Muhl wechselte in den Landkreis Birkenfeld.

In der zweiten Phase der Kreisreform gab der Landkreis Trier-Saarburg am 7. November 1970 die Ortsgemeinden Breit, Büdlich, Heidenburg und Trittenheim an den Landkreis Bernkastel-Wittlich sowie die Ortsgemeinden Eisenach, Gilzem und Orenhofen an den Landkreis Bitburg-Prüm ab. Am 1. Januar 2012 wechselte Trittenheim aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich zurück in den Landkreis Trier-Saarburg. Erster Landrat des neu gebildeten Kreises Trier-Saarburg war Dieter Braun-Friderici (CDU).

50 Jahre Kreismusikschule Trier-Saarburg: Die Kreismusikschule (KMS) wurde 1969 gegründet, als auch der Landkreis Trier-Saarburg aus der Taufe gehoben wurde. Er war im Zuge der Kreisreform aus den Altkreisen Saarburg und Trier entstanden. Die KMS ist eine öffentliche Bildungseinrichtung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Im Zentrum der Arbeit steht der Instrumentalunterricht mit allen gängigen Instrumenten.

Der Unterricht erfolgt in der Regel als Einzelunterricht, jedoch können für einzelne Instrumente wie zum Beispiel Blockflöte oder Gitarre kleine Gruppen von zwei bis drei Schülern eingerichtet werden. Daneben wird musikalische Früherziehung für Vorschulkinder angeboten. Zur Kreismusikschule gehören ein Streichorchester, ein Blasorchester und eine Big Band.

60 Jahre Stadt Konz: Die Stadt Konz feiert 2019 ihr 60-jähriges Bestehen. Wie das Jubiläumsprogramm aussieht, steht noch nicht fest. Noch werde am Festprogramm gebastelt, sagt Stadtsprecher Michael Naunheim. Das größte Fest in der Saar-Mosel-Stadt, das Heimat- und Weinfest, rundet ebenfalls. Es findet zum 70. Mal statt.

240 Jahre Geburt vom Schinderhannes: An ihm scheiden sich die Geister der Region wie an kaum jemandem: Johannes Bückler. Johannes wer? Bekannt ist er nur unter dem Namen Schinderhannes. Der Räuber wäre in diesem Jahr 240 Jahre alt geworden.

Schinderhannes können insgesamt 211 Straftaten nachgewiesen werden, vom einfachen Diebstahl über Raub und Erpressung bis hin zum Mord. Einen Großteil dieser Straftaten beging er im Hunsrück. Deswegen gaben ihm vielen den Namen „Robin Hood des Hunsrücks“ – für andere war er einfach nur ein skrupelloser Verbrecher. 1803 wurde er in Mainz durch das Fallbeil hingerichtet.

Vor 70 Jahren gab es die erste Mosella: Wie eine echte Königin fühlte sich Doris Paulus (die damals noch Doris Blau hieß) im Jahr 1949. Damals war sie Mosella, also Weinkönigin von Bernkastel-Kues. Und sie war nicht irgendeine, sondern die erste ihrer Art. Beim ersten Weinfest nach Kriegsende zog sie auf einem Wagen aus Holz durch die Stadt.

Seitdem wird in Bernkastel-Kues jedes Jahr eine Nachfolgerin gewählt. Der Name „Mosella“ hat dabei eine lange Geschichte. Schon die Römer haben an der Mosel gewohnt, und der Dichter Ausonius hat ein Gedicht mit Namen „Mosella“ verfasst, in dem er eine Reise von Bingen über den Hunsrück an die Mosel bis nach Trier beschrieb.

50 Jahre Landkreis Bernkastel-Wittlich: Nicht ganz so bedeutend wie der Mauerfall 1989, aber auch eine Vereinigung, gab es vor 50 Jahren, am 7. Juni 1969. Damals entstand der Landkreis Bernkastel-Wittlich. Aus den beiden Landkreisen Bernkastel und Wittlich wurde einer. Dazu wurden auch die Stadt Traben-Trarbach sowie die Ortsgemeinden Burg, Enkirch, Starkenburg und Thalkleinich des aufgelösten Landkreises Zell einbezogen. Doch nicht nur das, außerdem wurden auch die Wittlicher Stadtteile Bombogen, Dorf, Wengerohr, Neuerburg und Lüxem zur Stadt Wittlich eingemeindet.

Vor 45 starb Holger Meins in der JVA Wittlich: Nach sieben Wochen im Hungerstreik starb am 9. November 1974 der RAF-Gefangene Holger Meins.

Holger Meins’ Tod war wie ein Zeichen für die radikale linke Szene. Nach der Beerdigung strömten Tausende von jungen Leuten auf die Straßen in Berlin, um trotz eines Verbotes zu demonstrieren. Meins war unter anderem beteiligt am Terroranschlag in Stockholm, bei dem zwei der zwölf Geiseln ermordet wurden. Von März 1973 bis zu seinem Tod war er im Wittlicher Gefängnis inhaftiert, das damals intensiv von Polizisten bewacht wurde.

70 Jahre Kalvarienunglück in Prüm: Bei der Explosionskatastrophe in Prüm detonierte am 15. Juli 1949 ein Munitionslager im Kalvarienberg nordwestlich von Prüm. Es konnte nie abschließend geklärt werden, warum. Bei dem Unglück starben insgesamt zwölf Menschen.

Durch die Explosion des Munitionslagers entstand ein Krater mit einer Größe von 190 mal 90 Metern, der über 20 Meter tief war. Auf dem Kalvarienberg erinnert seit 1979 ein sieben Meter hohes, von dem Künstler Johann Baptist Lenz aus Oberkail geschaffenes Gedenkkreuz aus Basalt an die Explosionskatastrophe.

65 Jahre Tanklager-Unglück in Niederstedem: Noch schlimmer war die Explosion des Tanklagers in Niederstadem vor nunmehr 65 Jahren. Damals starben 29 Menschen. Ein mit Flugzeugtreibstoff gefüllter Großtank explodierte in Niederstedem.

Das Treibstofflager der Nato wurde in der Nähe des Bitburger Flughafens errichtet. Zur Eröffnung am 23. September 1954 waren etwa 40 Gäste geladen, ihnen wurde die Technologie des Lagers erklärt. Während der Erläuterung kam es zu einer gewaltigen Explosion. Der Inhalt des in einem 25 Meter hohen Hügel eingebauten Tanks brannte unter extrem starker Hitzeentwicklung aus. Ein riesiger Rauchpilz von mehreren Hundert Metern Höhe stand über dem Treibstofflager. Das Unglück berührte die Menschen in der Region sehr, was auch mit dem nur wenige Jahre zurückliegenden Unglück in Prüm zusammenhing.

25 Jahre Abzug der Amerikaner von der Air Base Bitburg: Am 30. September 1994 endete die 42-jährige Geschichte der Air Base Bitburg. Im Laufe der Geschichte der Air Base waren unter anderem 1985 der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der amerikanische Präsident Ronald Reagan zu Gast.

Insgesamt wurden bei dem Verlassen der Base 2200 Tonnen Munition abtransportiert. Noch heute sorgt das Gelände für Diskussionen in Bitburg. Schon länger ist geplant, dort einen neuen Stadtteil mit Wohnungen und Gewerbebetrieben zu errichten.

130 Jahre Geburtstag von Maria Reese: In Michelbach bei Gerolstein erblickte am 5. Januar 1889 Maria Reese unter ihrem Geburtsnamen Maria Meyer das Licht der Welt. Schon früh brach die junge Lehrerin mit dem katholischen Weltbild ihres Elternhauses.

Maria Reese näherte sich der Arbeiterbewegung. Sie war während ihrer politischen Laufbahn langjährige Reichstagsabgeordnete. Vor dem Brand des Reichstags in Berlin am 28. Februar 1933 verließ sie nur wenige Minuten vorher das Gebäude. Am 20. Juli 1944 wurde Reese festgenommen und in Wittlich und Trier kurzzeitig inhaftiert.

Maria Reese starb am 9. Oktober 1958 in Zell. In ihren letzten Lebensjahren veröffentlichte sie mehrere Bücher und Schriften, in denen sie unter anderem mit Russland abrechnete.